Das Konzept des "Industriellen
Gartenreichs" als Basis für die Selbstorganisation einer Region
- Langtext -
Einen Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die vom Bauhaus
Dessau entwickelte Vision des "Industriellen Gartenreichs". Im
Jahr 1989, im zufälligen Vorgriff auf den folgenden radikalen
Transformationsprozess, stellte das Bauhaus Dessau der internationalen
Öffentlichkeit das Konzept des "Industriellen Gartenreichs"
(IGR) vor. Die Absicht war, in einem kulturhistorischen und
wirtschaftsgeschichtlichen Auseinandersetzungs- und Lernprozess eine
eigenständige regionale Entwicklung jenseits traditioneller
Modernisierungsvorstellungen zu initiieren. Das Konzept fokussiert auf den
spezifischen Umwelt-, Wirtschafts- und Kulturraum der Region
Bitterfeld-Wolfen-Dessau-Wittenberg. Hier sollen verallgemeinerbare
Erfahrungen zur Umsetzung nachhaltigen regionalen Wirtschaftens gewonnen
werden. Die Region verfügt inzwischen über eine Reihe von Erfahrungen,
die hier einfließen: sie ist für die Expo 2000 der Korrespondenzstandort
"Nachhaltige Entwicklung und Reformlandschaft des 21.
Jahrhunderts", und es hat in den vergangenen drei Jahren (seit 1997)
einen Willensbildungsprozess politischer, wissenschaftlicher und
wirtschaftlicher Akteure gegeben, in dessen Folge sich diese auf einen
Entwicklungspfad der nachhaltigen Regionalentwicklung verständigten.
Das Forschungsvorhaben geht von diesem gesamtregionalen
Entwicklungsansatz aus. Es untersucht den Entwicklungspfad, den die Region
über Projekte, soziale und institutionelle Innovationen zugunsten
nachhaltiger Entwicklung initiieren will.
Während im Westen Deutschlands - und bei der Mehrzahl der Experimente
und Ansätze nachhaltigen Wirtschaftens - der Handlungsansatz von
ökologischen Konfliktfeldern ausgeht, steht in der Untersuchungsregion
der in ganz neuer Weise tagespolitisch brisante traditionelle Zusammenhang
von Wirtschaften und Existenzsicherung im Mittelpunkt der
Entwicklungsstrategie.
Die relative Stabilität der wirtschaftlichen Grundlagen und der
Einkommenssituation kann auf längere Zeit nicht vorausgesetzt werden.
Beides sind aber in Verbindung mit der Sicherung der ökologischen
Konsistenz, unbedingte Aspekte und Ziele nachhaltigen regionalen
Wirtschaftens. Die Beschäftigungsfrage ist eine zentrale Fragestellung
für die Region. Sie verbindet sich zugleich mit der generellen Diskussion
um die "Zukunft der Arbeit."
Die Zielsetzungen des Projektes
Vor diesem, für die Region spezifischen, aber sicherlich für
altindustrielle Regionen in Ostdeutschland als prototypisch zu
charakterisierenden Hintergrund, sind die zentralen Ziele:
- verallgemeinerungsfähige Aussagen über Bedingungsstrukturen und
den Prozess technischer und institutioneller Innovationen zugunsten
nachhaltigen Wirtschaftens in altindustriellen Agglomerationsräumen
zu finden
- den Zugang zu nachhaltiger Wirtschaft über die Frage der Arbeit,
die Rolle verschiedener Formen der Arbeit und Existenzsicherung zu
finden und Handlungsoptionen zu identifizieren
- den dabei und dazu stattfindenden Kommunikationsprozess der
regionalen Akteure zu analysieren, Muster von Kooperation
festzustellen sowie die Bedeutung verschiedener Formen von
Kommunikation auszulotsen, in dem die Projektgruppe einen zu
moderierenden Prozess in Gang setzt
Dabei beziehen sich die aus dem Projekt zu erwartenden Erkenntnisse auf
folgende Felder:
- welche Erfahrungen machen die Akteure der Region in den regionalen
Entwicklungsprozessen?
- welche Schlüsselqualifikationen bedürfen die Akteure für den
erforderlichen Innovationsprozess? Was bedeuten Handlungsfähigkeit,
Strategiefähigkeit, Konsensfähigkeit und Innovationsfähigkeit
bezogen auf die Frage der Integration von zukunftsfähiger
Existenzsicherung und nachhaltigem Wirtschaften?
- welche Problemlösungskapazität ist hierfür nötig
(Organisationen, Vernetzungen, Wissen)?
- welche Zukunft hat welche Arbeit (in welchem Wirtschaftsgefüge und
welchem technologischen Paradigma)? Zu welchen Arbeitsformen passen
welche Technologien in welchem Umweltraum und umgekehrt?
- welche Institutionen be- oder verhindern bzw. fördern nachhaltiges
regionales Wirtschaften?
- Inwieweit und in welchen Feldern ist eine Regionalisierung von
Wirtschaftsprozessen sinnvoll?
- Welche Möglichkeiten des Lernens existieren und welche Chancen
bestehen, dass in der Region im Sinne der Nachhaltigkeit gelernt wird?
Karte der Region
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