Wie können die in Brandenburg produzierten ökologischen Nahrungsmittel an möglichst breite Kundenkreise im Ballungsraum Berlin gebracht werden?

  • Wie können die in Brandenburg produzierten ökologischen Nahrungsmittel an möglichst breite Kundenkreise im Ballungsraum Berlin gebracht werden?
  • Wie kann das Berliner Kundenpotential für ökologische Nahrungsmittel optimal bedient werden? Wie kann den Wünschen, Bedürfnissen und Gewohnheiten unterschiedlicher Käufergruppen Rechnung getragen werden?

Das sind die zentralen Fragestellungen dieses Forschungsprojekts.

Die Antwort könnte lauten: Indem man ihnen Angebote macht, die möglichst genau auf ihre Wünsche zugeschnitten sind, indem man den Zugang zu ökologischen Produkten erleichtert und beispielsweise verschiedene Preis- und Bequemlichkeitsstufen entwickelt.

Im Mittelpunkt dieses Modellprojektes stehen daher vier verschiedene Vertriebs- und Vermarktungsformen für ökologische Nahrungsmittel, die unterschiedliche Konsumgewohnheiten widerspiegeln und Kundengruppen ansprechen:

Der ökologische Wochenmarkt:

Hier ist der direkte Kontakt mit den Erzeugern oder Verarbeitern gegeben, das Vertrauen in die ökologische Herkunft der Lebensmittel ist daher größer, die Einkaufsatmosphäre persönlicher und entspannter. Die Preise sind durch die Direktvermarktung zum Teil niedriger; Hauptvorteil ist die Frische der Produkte. Das Sortiment ist allerdings beschränkt und der Zeitaufwand für den Einkauf relativ hoch.

Der Naturkost-Supermarkt:

Hier kann der komplette Einkauf erledigen werden, ohne verschiedene Spezialgeschäfte anlaufen zu müssen. Die Auswahl ist größer, die Preise sind vergleichsweise moderat. Die Einkaufsatmosphäre ist unpersönlicher, die Hemmschwelle für Nicht- oder Gelegenheitskonsument/innen von Naturkost geringer. Der Einkauf lässt sich relativ schnell erledigen.

Die professionell betriebene Einkaufsgemeinschaft:

Die Mitgliedschaft in der Einkaufsgemeinschaft ist Voraussetzung für den Einkauf, das heißt die Bindung der Konsument/innen an den Einkaufsort und das angebotene Sortiment ist hoch. Dafür sind die Preise in der Regel niedriger und die Konsument/innen haben einen gewissen Einfluss auf das Sortiment. Die Einkaufsatmosphäre ist persönlich, der Zeitaufwand kann dennoch gering gehalten werden.

Der Shop-in-Shop-Verkauf in der großen Kaufhauskette:

Hier kann der Einkauf mit wenig Zeitaufwand erledigt und mit anderen Besorgungen verknüpft werden. Durch die konventionelle Einkaufsatmosphäre ist die Hemmschwelle für Neu- oder Gelegenheitskäufer/innen niedrig. Das Sortiment ist begrenzt und die Beratungsleistungen eingeschränkt

Das Projekt untersucht: Welche Kundengruppen bevorzugen welchen Einkaufsort? Was zeichnet die jeweiligen Kundengruppen an Wünschen und Bedürfnissen aus? Lassen sich die Vermarktungsformen auf spezielle Produkt- und Dienstleistungswünsche (Öffnungszeiten, Lieferdienste, Beratungs- und Informationsbedarf) "ihrer" Kundengruppe hin optimieren? Gibt es weitere Kundengruppen und mit welchen Vermarktungsformen können diese zum regelmäßigen Konsum ökologischer Produkte animiert werden?

Mit Einkaufserleichterungen und Angebotsoptimierungen lassen sich jedoch nur die Kund/innen einfangen, die ökologisch produzierten Nahrungsmitteln ohnehin mit einer gewissen Offenheit gegenüberstehen. Um den Kreis der Naturkost-Konsument/innen mittelfristig zu vergrößern und langfristig zu einer Verbreitung nachhaltiger Konsummuster in der gesamten Gesellschaft beizutragen, ist dies allein nicht ausreichend. Voraussetzung hierfür ist, dass immer mehr Menschen von der Idee und dem Konzept der Nachhaltigkeit überzeugt sind und auch ohne extern geförderte Motivation routinemäßig ökologische Nahrungsmittel kaufen.

Das Problem, das sich dabei zur Zeit stellt, ist völlig offensichtlich: Das Nachhaltigkeitskonzept ist in der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt. Die Menschen kennen den Begriff nicht und wissen nicht, was sich dahinter verbirgt. Dennoch verhalten sie sich in ihrem Alltag häufig "nachhaltig", ohne dass ihnen das bewusst ist. Beispielsweise, wenn sie unverarbeitete Lebensmittel kaufen, wenn sie Produkte aus der Region kaufen, wenn sie saisongerecht einkaufen, wenn sie "um die Ecke" einkaufen.

Neben der ganz praktischen Verbreitung der brandenburgischen Naturkostprodukte ist deshalb auch von Interesse, ob und wie die untersuchten Einkaufsorte dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsidee mitzutransportieren. Werden die Kunden darauf aufmerksam, dass der Kauf ökologischer Nahrungsmittel nicht nur ihrer Gesundheit, sondern auch der regionalen Wirtschaft zuträglich ist, dass die Produktion mit weniger Energie und Transportaufwand verbunden ist, dass im ökologischen Landbau vergleichsweise mehr Arbeitsplätze geschaffen werden? Motiviert dieses Wissen verstärkt zum Kauf ökologischer Produkte? Wie kann das Nachhaltigkeitskonzept beim Einkauf stärker mittransportiert und - intellektuell und emotional erfahrbar gemacht werden?

Diese Fragen umreißen den zweiten großen Untersuchungsbereich dieses Modellprojektes.

Zur ihrer Beantwortung werden umfangreiche Kund/innen-Interviews durchgeführt, um sowohl deren Wünsche, Bedürfnisse und Motivationen als auch die Hemmnisse und Schwierigkeiten beim Kauf ökologischer Produkte zusammenzutragen.

Schließlich sollen die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht nur auf dem Papier festgehalten werden, sondern möglichst direkt in den Kauf- und Verkaufsalltag integriert werden. Daher werden auch die Produzenten, Verarbeiter und Vermarkter von ökologischen Nahrungsmitteln aus der Region immer wieder zusammengebracht, um deren Problemsicht und Interessen ins Zentrum der Strategieentwicklung zu rücken. Themen, die mit ihnen gemeinsam angegangen werden, sind zum Beispiel die Kooperation entlang der Produktkette, die Frage nach einem gemeinsamen Marketing und logistische Probleme, aber auch Fragen der Produktpalette und Leistungsfähigkeit der Region.

Ziele des Modellprojektes sind:

  • Strategien zu entwickeln, wie verschiedenen Kundengruppen der Zugang zu ökologischen Nahrungsmitteln entsprechend ihren jeweiligen Wünschen und Gewohnheiten möglichst leicht gemacht werden kann; 
  • Strategien zu entwickeln, wie Aspekte des Nachhaltigkeitskonzeptes in den verschiedenen Einkaufsorten und -situationen erfahrbar gemacht und vermittelt werden können;
  • Kommunikation und Kooperation zwischen den Produzenten, Verarbeitern und Vermarktern ökologischer Nahrungsmittel in der Region Berlin-Brandenburg zu initiieren bzw. zu befördern, die der Umsetzung dieser Strategien förderlich sind.
 
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Stand: 06.03.03