Die Kunden der Einkaufsgemeinschaft
- Die Kund/innen der Einkaufsgemeinschaften sind vorwiegend
Intensiv-Biokäufer und haben die stärkste Bindung an ihre
Einkaufsstätte: dies wird deutlich an der großen Einkaufshäufigkeit,
an den erheblichen Mengen, die dort gekauft werden, und an der
geringeren Nutzung anderer Bioeinkaufsstätten. Diese Tendenz hängt eng
zusammen mit der Bindung durch den Mitgliedsbeitrag. Entsprechend hoch
ist der Anspruch der Kunden an ein zuverlässiges und breites Angebot
und die Präferenz für eine Einkaufsstätte, in der möglichst alle
Produkte erworben werden können.
- Der Konsum von Bioprodukten hat in dieser Kundengruppe hohe
Priorität. So liegt der Anteil der Bioprodukte am Gesamtverzehr am
höchsten, gleichzeitig verfügen die Kund/innen durchschnittlich über
das niedrigste Einkommen. Die Priorität wird auch daran deutlich, dass
auf konventionelle Produkte vergleichsweise selten wegen des Preises
ausgewichen wird und selten Discounter besucht werden.
- Die Einkaufsgemeinschaft ist eine Familieneinkaufsstätte; Kinder
werden häufig als Grund für den Beginn oder die Intensivierung des
Biokonsums angegeben. Die meisten Kunden kommen aus der unmittelbaren
Umgebung und schätzen die Atmosphäre in ihrem Kiezladen, aus dem sie
häufig ein gutes Gefühl und Informationen mitnehmen.
- Hinsichtlich ihrer Einstellungen zeigen die Kunden der
Einkaufsgemeinschaft kein deutliches Profil: einerseits geben sie an, zu
einem großen Teil auf regionale Produkte zu achten, andererseits
stimmen sie einer diesbezüglich formulierten Einstellung nur bedingt
zu. Die Unterstützung kleinerer Einkaufsstrukturen ist ihnen
vergleichsweise wichtig, sie haben aber auch gegenüber dem Angebot von
Bioprodukten in konventionellen Einkaufsstätten keine größeren
Vorbehalte.
Die Kunden der Ökologischen Wochenmärkte
- Die Ökomarkt-Kunden sind Atmosphäre- und Qualitätskäufer.
Einkaufen ist für sie keine lästige Pflicht, sondern sie nehmen sich
Zeit und besuchen auch gerne mehrere Einkaufs-stätten. Der Ökomarkt
stellt für sie einen Ort der Kommunikation und des Erlebnisein-kaufs
dar. Das Einkaufsverhalten der Ökomarkt-Kunden geht einher mit einer
Bevorzugung kleinerer Strukturen. Die Einkäufe qualitativ hochwertiger
Produkte werden z.T. mit dem Erwerb von konventionellen Billigprodukten
in Discountern kombiniert.
- Die Ökomarkt-Kunden legen Wert auf die regionale Herkunft der
Produkte und den direkten Kontakt zu den Erzeugern. Sie haben außerdem
am ehesten weitergehende Ansprüche an die Einkaufsstätte in Bezug auf
den Erhalt von Informationen und Anstößen. Die Ernährung mit
Ökoprodukten hat bei ihnen hohe Priorität und ist eingebettet in
weitere umweltfreundliche Verhaltensweisen.
- Hauptkundengruppen sind Familien mit Kindern und ältere Menschen.
Die Kunden der BioCorner im Kaufhaus
Bei den Kund/innen der Biocorner handelt es sich um pragmatische, auf
Bequemlichkeit und Schnelligkeit ausgerichtete Kunden. Hierfür spricht die
Vorliebe für One-Stop-Einkaufsstätten und die Nutzung von Großstrukturen
und Ketten auch beim Kauf konventioneller Lebensmittel. Dementsprechend
existieren weniger Vorbehalte gegenüber dem Angebot von Bioprodukten in
konventionellen Einkaufsstätten und geringere Ansprüche, mit dem Einkauf
kleinere Strukturen zu unterstützen.
- Der Kauf von Bioprodukten ist bei den Kaufhaus-Kund/innen am wenigsten
mit weitergehenden Ansprüchen verbunden. So spielt die Herkunft der
Produkte für sie eine weniger große Rolle und es werden seltener
Informationen und Anstöße von der Einkaufsstätte mitgenommen. Ihre
Prioritäten für den Kauf von Bioprodukten sind geringer als bei den
anderen Kundengruppen, was auch daran deutlich wird, dass der Preis ein
wichtiges Argument für den Kauf konventioneller Produkte darstellt und
dass trotz höheren Einkommens ihr Anteil von Bioprodukten am
Gesamtlebensmitteleinkauf am geringsten ist.
- Unter den Kund/innen der Biocorner sind am meisten alleine lebende
Menschen, die oft vollberufstätig sind und über ein gutes Einkommen
verfügen. Die längeren Öffnungszeiten des Kaufhauses kommen ihrem
Tagesrhythmus entgegen.
- Die Biocorner wird vor allem als zusätzliche Einkaufsstätte neben
anderen genutzt. Hierfür sprechen die geringen Einkaufsmengen, die
geringere Einkaufshäufigkeit und der hohe Anteil an Kunden, die noch
woanders Bioprodukte kaufen.
Die Kunden der Bio-Supermärkte
Die Kunden der Bio-Supermärkte zeichnen sich im Vergleich zu allen drei
anderen Kundengruppen durch eine größere Heterogenität aus. Es konnten
nur wenige - und geringe - signifikante Unterschiede zu den anderen
Kundengruppen festgestellt werden, so dass kein ausgeprägter Kundentyp
beschrieben werden kann.
- Bei den Supermarktkunden handelt es sich um Kunden, die ihre
Einkaufsstätte vor allem wegen des Angebots und der Preise besuchen.
Entsprechend haben sie geringere Ansprüche was die Einkaufsatmosphäre
und die ideologische Ausrichtung betrifft. Außer Produkten wird von den
Kunden in der Regel "nichts" mitgenommen - weder ein
"gutes Gefühl", Informationen oder Anstöße.
- Die Supermarktkunden weisen eine geringe Bindung an ihre
Einkaufsstätte auf und kaufen häufig zusätzlich in anderen
Bio-Einkaufsstätten. Bedenkt man, dass die Supermärkte sehr
reichhaltige Auswahl anbieten, so ist es auffällig, dass nicht mal ein
Fünftel der Kunden angibt, alle Bioprodukte dort zu kaufen.
- Steht nur wenig Geld zur Verfügung, wägt diese Kundengruppe durchaus
ab, ob sie ihr Geld für Bioprodukte ausgibt oder ob andere Sachen
wichtiger sind.
- Bei den Supermarktkunden handelt es sich in geringerem Ausmaß um
Qualitätskäufer. Als Grund für die Umstellung auf Bioprodukte geben
sie deutlich seltener "Qualität" an als die Kunden der
anderen Einkaufsstätten.
- Bei den Kunden handelt es durchaus um (umwelt-)bewusste Menschen. So
gaben auffällig wenig Befragte an, dass sie beim Kauf von Bioprodukten
nicht auf die Herkunft achten.
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