Zwischenfazit

Die Typologisierung der Kunden der verschiedenen Einkaufsformen erscheint für die Erarbeitung von speziellen und übergreifenden Vermarktungsbausteinen und Optimierungsmöglichkeiten im Bereich der Produktdiffusion zielführend. Die Kundengruppen weisen ein relativ deutliches Profil auf, was ihre Präferenzen hinsichtlich Atmosphäre, Präsentation, Serviceleistungen und Sortiment betrifft.

Für alle Einkaufsstätten wurden seitens der Kunden Kritikpunkte zur Präsentation, dem Service und dem Angebot formuliert, auf die in naher Zukunft mit geringem Mitteleinsatz von den Betreibern reagiert werden kann. Zum anderen lassen sich jedoch auch weitergehende und auf andere Orte übertragbare Vorschläge für die künftige Profilierung der einzelnen Bio-Einkaufsstätten ableiten. Diese sollen in nächster Zeit in themenzentrierten Workshops mit den Betreibern der Einkaufsstätten ausdifferenziert werden.

Weitaus schwieriger stellt es sich dar, mittels der Kundentypologie Ansatzpunkte für eine verbesserte Diffusion des Nachhaltigkeitsgedankens auszumachen. Geringe, aber signifikante Unterschiede der Kundengruppen sind hinsichtlich ihrer Präferenz für regionale Produkte, der Aufgeschlossenheit gegenüber Informationen, der Unterstützung von Kleinstrukturen sowie der beigemessenen Bedeutung des Einkaufs als sozialer Aktivität festzustellen. Diese kundengruppenspezifischen Unterschiede bieten für die Einkaufsstätten Möglichkeiten der Imagebildung, die über die unmittelbare Produktdiffusion hinausgehen. So eignen sich beispielsweise die ökologischen Wochenmärkte durch die Möglichkeit des direkten Kontakts zu den Landwirten zum einen besonders gut, um die Stadt-Land-Beziehungen zu verstärken und Wissen über Landwirtschaft in die Stadt zu tragen. Zum anderen ist aber auch ihre Funktion als Treffpunkt im Kiez und Ort des Austauschs nicht zu unterschätzen. An dieser Funktion könnten Strategien der Stärkung sozialer Nachhaltigkeit ansetzen. Ein anderes Beispiel: Die Einkaufsgemeinschaften werden von ihren Kunden am ehesten als "alternative Handelsstruktur" wahrgenommen, die es gegenüber größeren Strukturen zu unterstützen gilt. Eine Profilierung in diese Richtung könnte beinhalten, dass die Werte "Transparenz" und "Eigenverantwortung" weiterhin glaubwürdig in die alltägliche Geschäftspraxis umgesetzt werden. Der Ausbau eines lockeren "alternativen Unternehmensnetzwerkes" in Form von Kooperationen könnte ein weiterer Baustein dieser Strategie sein.

Die Erkenntnisse aus der Lebensstilforschung machen deutlich, dass im Bereich des Ernährungsverhaltens eine weitgehende Differenzierung eingetreten ist und Ansatzpunkte für Veränderungen in den Einkaufs- und Essgewohnheiten sich an den unterschiedlichen Vorlieben und Einstellungen orientieren müssen. Die bisherige Auswertung der Motivationen der Kunden ergaben keine deutlichen Unterschiede zwischen den Kundengruppen. Auch bezüglich der Einbindung in ein mehr oder weniger aufgeschlossenes soziales Umfeld und der Kohärenz mit anderen umweltfreundlichen Verhaltensweisen konnten keine gruppenspezifischen Unterschiede festgestellt werden. Dies wurde sowohl in der quantitativen Auswertung der Befragung per Fragebogen und der qualitativen Auswertung der Gruppendiskussionen deutlich. In diesen Themenbereichen lassen sich demnach keine kundengruppenspezifischen Ansätze für Strategien der Ideendiffusion erkennen.

In den Betreiberinterviews wurde deutlich, dass die Geschäftsführer/innen nur nachgeordnet Interesse an Strategien der Ideendiffusion haben - überwiegend herrschte die Meinung vor, dass die Kunden der Vermittlung von Informationen gleichgültig oder ablehnend gegenüber stehen. Diese Ergebnisse bestätigen, dass mit der Diffusion von Ideen meistens die klassischen kognitiven Methoden der Wissensvermittlung und eine moralisierende oder missionierende Haltung verbunden wird. Die Herausforderung des Projekts liegt daher darin, in den nächsten Monaten Ansätze für eine andere Art des Ideentransfers zu entwickeln.

An einigen Punkten wäre der Vergleich mit dem Einkaufs- und Umweltverhalten sowie den Einstellungen der Nicht-Biokäufer als Referenz aufschlussreich. Eine ausführliche Befragung von Nichtkäufern konnte im Rahmen des Projekts nicht geleistet werden. Insbesondere fällt auf, dass die Gruppe der jüngeren Konsumenten (unter 25) durch keine der Einkaufsformen in größerem Umfang angesprochen wird. Für diese Kundengruppe wäre eine gesonderte Strategieentwicklung notwendig.

Eines der weitergehenden Projektziele war, notwendige Kooperationen entlang der Akteurskette innerhalb der Region zu identifizieren und ggf. zu initiieren. Gedacht wurde hier insbesondere an Schwierigkeiten in den Bereichen Logistik und Qualitätssicherung, die zum Zeitpunkt der Antragstellung von den Praxispartnern häufig aufgeführt wurden. In aktuellen Gesprächen mit den Akteuren wurde deutlich, dass die Aufbauarbeit in diesen Bereichen in der Region inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, bzw. andere Akteure (z.B. der regionale Großhändler) eine tragende Rolle als Vermittler und Katalysator übernommen haben.

Defizite wurden allerdings bezüglich der Aufgaben Werbung und Öffentlichkeitsarbeit benannt. Zumindest den Betreiber/innen der kleineren Einkaufsformen (Ökomärkte und Einkaufsgemeinschaften) stehen hierfür nur geringe finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung. Wünschenswert wäre von ihrer Seite, dass sich die Berliner Akteure im Biobereich für dieses Aufgabengebiet zusammenschließen und damit größere Wirksamkeit erreichen. Durch eine Bündelung der Mittel und den Einsatz einer professionelleren Kraft könnte schneller auf aktuelle Anforderungen - wie z.B. die BSE-Krise - reagiert werden. Im weiteren Projektverlauf soll ein Austausch zwischen den Akteuren über eine gezieltere Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit organisiert werden.

Ein weiteres Handlungsfeld für die Initiierung von Kooperationen zeichnet sich im Bereich der Gründung von Klein- und Kleinstunternehmen ab. Nach Meinung der Betreiber/innen der Ökologischen Wochenmärkte und der Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaften bestehen in der Region Berlin/Brandenburg noch vielfältige Möglichkeiten, in dem Bereich Verarbeitung und Vermarktung von Bioprodukten Geschäftsfelder zu erschließen. Nach ihrer Einschätzung wird von den Verbraucher/innen z.B. eine breitere Palette an regional verarbeiteten Produkten (z.B. Marmelade, Säfte, Teigwaren etc.) gewünscht, die zur Zeit jedoch nicht zur Verfügung stehen. Aufgabe des Projektes könnte es sein, in Kooperation mit den entsprechenden Kammern, Verbänden bzw. Fachschulen ein Beratungsprogramm für Unternehmensgründer in diesem Bereich zu initiieren. Ziel dieses Programms müsste es sein, über die Chancen und Potentiale dieser Geschäftsfelder zu informieren, Schwellenängste abzubauen und potentielle Unternehmensgründer gezielt zu Fördermöglichkeiten, Wegen der Finanzierung etc. zu beraten.

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