Wie weit kann der stoffliche Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen maximiert werden?

Nachwachsende Rohstoffe können zur Förderung der regionalen Stoffkreisläufe und damit zur nachhaltigen Produktion beitragen. Erzeugnisse aus nachwachsenden Rohstoffen sind natürliche und, bei Identifizierung ihrer ökologischen Stärken und dementsprechenden Einsatz, umweltverträgliche Produkte. Außerdem ist die Bevölkerung im Baubereich - auch aufgrund einiger Negativschlagzeilen wie z. B. im Zusammenhang mit Asbest, Lösungsmitteln und ähnlichen gesundheitsgefährdenden Baustoffen - sensibilisiert und interessiert, möglichst umweltfreundliche Produkte beim Hausbau zu verwenden. Beim innovativen Einsatz nachwachsender Rohstoffe kann die Wohnqualität evt. sogar noch erhöht werden.

Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen bietet die Möglichkeit, durch die regionale Produktion in der Landwirtschaft über die Verarbeitung in der Region bis hin zum Hausbau die Stoffkreisläufe möglichst klein zu halten. Außerdem wird sowohl den Landwirten als auch den Verarbeitern einer Region eine Möglichkeit für eine nachhaltige, wirtschaftliche und umweltschonende Produktionsweise eröffnet, die eine neue Einkommensquelle und Arbeitsplätze bieten kann. Besonders der Einsatz von Fasern als Bau- und Dämmstoffe lässt aufgrund der geringen Dichte nur sehr kurze Transportwege zu. Außerdem kann nach der Nutzungsphase der im Haus befindliche Anteil an nachwachsenden Rohstoffen lokal, gegebenenfalls energetisch, entsorgt werden (Heiz(kraft)werke).

Die Berücksichtigung lokal direkt oder indirekt anfallender Bau- und Dämmstoffe, wie z.B. auch Stroh, bedeutet beim potentiellen Einsatz eine entsprechend große Verengung regionaler Kreisläufe mit dem nachzuweisenden Effekt auf Klimaschutz, Beschäftigung, etc.

 

Der Forschungsansatz

Zur Zeit muss der Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen als eher gering bezeichnet werden. Durch die Modellierung einer Doppelhaushälfte mit maximaler Nutzung nachwachsender Rohstoffe und die Analyse der Hemmfaktoren für den fehlenden umfassenden Einsatz erneuerbarer Rohstoffe soll herausgefunden werden, welches Potential realistisch umgesetzt werden kann, welche Auswirkungen dies hinsichtlich Umwelteinflüssen (Z-B- CO2-Reduktionspotential) und regionaler Infrastruktur haben könnte und welche Instrumente notwendig sind, um diese Maxime zu erreichen.

Die Aspekte der Nachhaltigkeit und der Regionalisierung von Stoffströmen werden im direkten Vergleich einzelner Häuser und Haustypen vom Einzelhaus bis hin zu größeren Baukomplexen an ihrem Anteil nachwachsender Rohstoffe/ konventionellen Werkstoffen hin untersucht.

Die Ergebnisse des Vorhabens tragen dazu bei, Konzepte zum Abbau von Hemmnissen beim Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln und zeigen Möglichkeiten auf, wie beim Hausbau der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen maximiert werden kann.

In dem Projekt sollen folgende Arbeitsziele erreicht werden:

1) Überprüfung von Verfügbarkeit, Einsatzmöglichkeiten und tatsächlichen Einsatzgrößen nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen.

2) Erarbeitung von Beispielen/Szenarien für den maximalen Einsatz weitgehend regional erzeugter und verarbeiteter, regenerierbarer Rohstoffe im Hausbau zur Verbesserung der regionalen Stoffkreisläufe und der energetischen Entsorgung.

3) Erstellung eines Maximalhausmodells mit definierter Ausstattung (Doppelhaushälfte)

4) Überprüfung, welche Auswirkungen die vermehrte Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, z.B. Fasern als Dämmstoffe, auf den regionalen Landbau sowie auf Agrarökosysteme hat.

5) Aufzeigen des ökologisch sinnvollen Einsatzes von nachwachsenden Rohstoffen im Bauwesen anhand einer Bilanzierung von bereits ökologisch ausgerichteten Praxishäusern im Vergleich zu einem durchschnittlichen 'Standardhaus' und dem 'Maximalhausmodell'.

6) Optimierungsvorschlag für die Praxishäuser und das 'Maximalhausmodell' aufgrund der Bilanzierung.

7) Analyse der Hemmfaktoren für den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im Bauwesen bei Anbau (Rohstoffproduktion), Markt (Hersteller, Händler, Architekten und Bauherrn) sowie Gesetzgebung.

8) Formulierung von notwendigen Rahmenbedingungen und Instrumentarien, die für den optimalen Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im Bauwesen erforderlich sind.

 

 
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Stand: 06.03.03