
1. Grundannahmen und
Kriterien zur regionalen Nachhaltigkeit zu Beginn des Projektes
Auf dem Gebiet des Bauwesens stellt die Nutzung von nachwachsenden
Rohstoffen (nawaRo) als Baustoffe, -produkte und -elemente ein
bedeutendes Potential für eine nachhaltige Wirtschaftsweise dar. Man
geht davon aus, dass der Anbau nachwachsender Rohstoffe mit
umweltgerechten Verfahren sowie deren Verwendung im Baubereich einen
nicht unerheblichen Beitrag leisten kann
- zum globalen Klimaschutz durch die weitgehende CO2-Neutralität
von nawaRo,
- zur Schonung nicht erneuerbarer bzw. nur langfristig
erneuerbarer Ressourcen,
- zur Minderung verschiedenster Umweltbelastungen in den drei
Phasen eines Gebäudes,
- zur quantitativen Verringerung des Aufkommens nicht
verwertbarer Abfälle,
- zur qualitativen Veränderung der Bauabfälle in Richtung
Wiederverwertung,
- zur Reduzierung gesundheitlicher Beeinträchtigung durch
Schadstoffe (Raumklima).
Grundsätzlich kann man davon ausgehen - und das zeigte sich in den
letzten Jahren bereits bei der energetischen Nutzung nachwachsender
Rohstoffe - dass eine standortgebundene Produktion von Rohstoffen mit
anschließenden Möglichkeiten der lokalen Weiterverarbeitung zur
stofflichen Nutzung ganz wesentlich zur Steigerung der Wertschöpfung in
der Region und zur Stärkung regionaler Strukturen beiträgt. Bei
Projektion verschiedener Nachhaltigkeitsaspekte auf die Region können
dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bedürfnisfeld "Bauen" die
folgenden Auswirkungen zugeschrieben werden, die zu einer Stärkung der
regionalen Nachhaltigkeit beitragen:
- Sicherung und Diversifizierung der Einkommensmöglichkeiten in
der Landwirtschaft,
- Förderung einer umweltgerechten Landbewirtschaftung,
- Fortführung der Gestaltung und Pflege der Kulturlandschaft
durch die Land- und Forstwirtschaft,
- Sicherung der Ressourcenverfügbarkeit durch heimische
Produkte,
- Schaffung von längerfristig sicheren Arbeitsplätzen in
vorwiegend klein- und mittelständischen Betrieben in Gewerbe, Handel
und im Dienstleistungssektor der Region,
- Verringerung der Stoffströme durch Reduzierung von
Transportentfernungen bei regionaler Produktion, Verarbeitung, Nutzung
und Wiederverwertung der Baustoffe,
- Erhalt und wirtschaftliche Nutzung vorhandener Kapazitäten in
der Region,
- Einbringen innovativer Elemente und Stimulation
strukturschwacher Gebiete.
- Stärkung der persönlichen Identifizierung mit der Region, da
Prozesse unmittelbarer ablaufen und für die beteiligten Akteure
durchschaubarer und z.T. sogar steuerbar werden.

2. Zielsetzungen und Strategien zur Stärkung regionaler Nachhaltigkeit
Obwohl die Bevölkerung im Baubereich - auch aufgrund einiger
Negativschlagzeilen wie z.B. im Zusammenhang mit Asbest, Lösungsmitteln
und ähnlichen gesundheitsgefährdenden Baustoffen - sensibilisiert und
interessiert ist, möglichst umweltfreundliche Produkte beim Hausbau zu
verwenden, muss der Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen immer
noch als eher gering bezeichnet werden. Damit ergibt sich der Ansatz für
das Projekt.
Ziel des Vorhabens ist die Überprüfung, inwieweit - speziell im Hausbau
- eine Nutzung von regional erzeugten und weiterverarbeiteten Produkten
aus nachwachsenden Rohstoffen aus ökologischen, ökonomischen und
sozialen Gesichtspunkten möglich ist und wie die Nutzung maximiert
werden kann. Die Betrachtung erfolgt entlang des gesamten Lebensweges
vom Anbau der Rohstoffe über den Einsatz im Hausbau, während der
Nutzungs- und Instandhaltungsphase bis hin zum Rückbau des Gebäudes
(Rezyklierbarkeit, energetische Verwertung bzw. Kompostierung). Daneben
soll analysiert werden, warum sich die stoffliche Nutzung heimischer
Rohstoffe im Bauwesen nur sehr langsam entwickelt (Hemmfaktoren) und mit
welchen Strategien diese Entwicklungstendenz beschleunigt werden kann.
Im einzelnen wird untersucht (kursiv dargestellt die methodische
Vorgehensweise):
- wie hoch das Potenzial und die Verfügbarkeit nachwachsender
Rohstoffe in Land- und Forstwirtschaft einzuschätzen ist und welche
ökologischen Auswirkungen ihre verstärkte Nutzung auf die Umwelt haben
wird (Auswertungen statistischer Daten, eigene Berechnungen,
Ökobilanzielle Abschätzungen der identifizierten Kulturarten),
- welche sinnvollen Einsatzmöglichkeiten es für Baustoffe aus
welchen nachwachsenden Rohstoffen beim Hausbau gibt (Sammeln und
Auswerten von Produktdatenblättern, Listen der Erfahrungen und des
´Know How´ der beteiligten Praxispartner und Architektin),
- welches die tatsächlichen Einsatzgrößen sind (Auswertung
von Praxiserfahrungen und Praxisdaten, Berechnungen),
- inwieweit und mit welchen Mitteln der stoffliche Einsatz
nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen maximiert werden kann
(Ökobilanzielle Betrachtungen von bereits ökologisch ausgerichteten
Praxishäusern im Vergleich zu einem durchschnittlichen 'Standardhaus'
und verschiedenen 'Maximalhausvarianten', Berechnung von
Maximierungsszenarien),
- wie die Nutzung regional erzeugter und
verarbeiteter, regenerierbarer Rohstoffe im Hausbau zur Verbesserung
der regionalen Stoffkreisläufe beiträgt (Recherche und Abschätzung
der Massenströme der verschiedenen Haustypen im Vergleich),
- welche Hemmfaktoren beim Einsatz von nachwachsenden
Rohstoffen im Bauwesen bei der Rohstoffproduktion, Verarbeitung, am
Markt (Hersteller, Händler, Architekten und Bauherrn), in der
Gesetzgebung sowie im sozio-kulturellen Bereich (z.B. Image) bestehen
(Analyse der Hemmfaktoren für den fehlenden umfassenden Einsatz
erneuerbarer Rohstoffe durch eine Expertenbefragung (Akteure entlang
des Lebensweges, abgebildet durch die Projektgruppe), Expertisen im
Bereich des Baurechts, Auswertung der Bauanfragen an das IfuL,
Diskussionen mit der interessierten Fachöffentlichkeit und
potentiellen Baufamilien sowie der Vergleich mit ähnlichen Analysen in
anderen Bedürfnisfeldern),
- wo mögliche Lösungsansätze zur Überwindung der
identifizierten Hemmfaktoren liegen und mit welchen Strategien diese
umgesetzt werden können (Formulierung von notwendigen
Rahmenbedingungen und Instrumentarien).

3. Bisherige Ergebnisse
- Identifizierung sinnvoller Rohstoffe
Aus der Palette land- und forstwirtschaftlicher Kulturarten wurden
diejenigen Kulturarten ausgewählt, die nach Einschätzung der
Projektgruppe und nach Analyse der bereits am Markt verfügbaren
Bauprodukte die größtmöglichen Potenziale für den Einsatz im Hausbau
haben. Bei der Eingrenzung wurden die drei wesentlichen Produktgruppen
Fasern (Hanf, Flachs, Weizenstroh), Öle (Lein, Sonnenblume, Raps) und
Stärke/Zucker (Mais, Kartoffel, Zuckerrübe) berücksichtigt und vom
Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU)
ökobilanziell abgeschätzt. Als tierisches Produkt wurde das Bienenwachs
ausgewählt. Obwohl Kulturarten bzw. Produkte wie Baumwolle, Sisal, Kokos
und Kork durchaus als nachwachsende Rohstoffe im Hausbau verwendet
werden, blieben diese unberücksichtigt, da sie nicht regional von der
Landwirtschaft produziert werden können. Die Anzahl der im Hausbau
verwendbaren Hölzer bzw. Baumarten aus heimischer Produktion ist groß
und deren Einsatzbereiche vielfältig. Bisher wurden vom Institut für
Kunststoffprüfung und Kunststoffkunde der Universität Stuttgart (IKP)
Grobbilanzierungen für die Klassen "Harthölzer" bzw. "Weichhölzer"
vorgenommen. Im nächsten Schritt wird für jede forstwirtschaftlichen
Kulturart eine separate Abschätzung für den Bereich der Holzproduktion
und Verarbeitung durchgeführt.

- Abschätzung der Potenziale und Auswirkungen auf
Agrarökosysteme
Die Abschätzung der Potenziale hat ergeben, dass durch den Einsatz
nachwachsender Rohstoffe im Hausbau bei der derzeitigen Entwicklung des
Marktanteils ökologischer Haustypen (und auch bei einer deutlichen
Steigerung) kein Engpass bei den nachwachsenden Rohstoffen zu erwarten
ist. Dies wird am besten an einem Zahlenbeispiel deutlich: Ausgehend von
1 % der in Deutschland zur Verfügung stehenden Ackerfläche von etwa 11.8
Mio. Hektar könnten, sofern Hanf auf diesen Flächen ausschließlich zur
Dämmstoffproduktion angebaut würde, jährlich etwa 100 000
Einfamilienhäuser mit Dämmstoffen aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf
gedämmt werden.
Negative Auswirkungen auf Agrarökosysteme sind nicht zu befürchten.
Durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe ist eher davon auszugehen, dass
es im Vergleich zur derzeitigen Agrarstruktur zu positiven Auswirkungen
kommen kann. Ein zunehmender Anbau nachwachsender Rohstoffe wie Hanf,
Lein oder diverser Färberpflanzen führt zur Steigerung der
Kulturartenvielfalt, was wiederum die Erweiterung der Fruchtfolge nach
sich zieht. Beim Anbau einiger nachwachsender Rohstoffe sind die
Aufwendungen beispielsweise an Pflanzenschutzmitteln deutlich reduziert
oder sogar überflüssig.
- Ökologische Bewertung der Rohstoffe
Das IFEU führte eine Sachbilanz und Wirkungsabschätzung im Rahmen der
ganzheitlichen Ökobilanzierung für die von der gesamten Projektgruppe
festgelegten, landwirtschaftlich produzierten, nachwachsenden Rohstoffe
durch. Die gesamten Lebenswege der Rohstoffe und eventueller Vorprodukte
sind dabei berücksichtigt. Den Berechnungen sind durchschnittliche
Verhältnisse zugrunde gelegt. Räumliche Schnittstelle der
Bilanzierungsaufgaben zwischen dem IKP und dem IFEU ist die Feldgrenze
(Abtransport des Erntegutes) für die Kulturen Hanf, Flachs und
Weizenstroh sowie für Kartoffeln und Zuckerrüben. Für einzelne Kulturen
übernahm das IFEU, wie im Laufe des Projektfortschritts zusätzlich
vereinbart, auch die Bilanzierung der Weiterverarbeitung einiger
landwirtschaftlicher Produkte. Dies ist der Fall bei Mais bis
einschließlich der Stärkeproduktion und bei Lein, Sonnenblume und Raps
bis zum raffinierten Öl ab Fabriktor. Wie mit Bienenwachs umzugehen ist,
muss noch geklärt werden. Die diversen ökologischen Parameter wie
Ressourcenverbrauch, Treibhauspotenzial, Versauerungspotenzial oder auch
Eutrophierungspotenzial wurden in Abstimmung mit dem IKP gleich so
erhoben, berechnet und zusammengeführt, dass die Ergebnisse direkt vom
IKP für die weitere Bilanzierung übernommen werden können.
Zunächst wurden so genannte Grobbilanzierungen zur Abschätzung der
Umweltwirkungen erstellt. Darauf aufbauend sind für alle Produkte
entsprechende Detailbilanzen durchgeführt worden. Zusätzlich wurden
diverse Sensitivitätsanalysen vorgenommen, u. a. mit unterschiedlichen
agrarischen Referenzsystemen, um deren Einfluss auf die Ökobilanz der
Bereitstellung der nachwachsenden Rohstoffe darzustellen.
In
sämtlichen bilanzierten Kulturen erweist sich über die quantitativ
erfassten Umweltwirkungskategorien der Einsatz von Stickstoffdünger als
bedeutende bis dominante Einflussgröße. Das resultiert je nach
Wirkungskategorie aus dem Herstellungsaufwand bzw. den
Ammoniakemissionen bei dessen Zersetzung. Aus der Weiterverarbeitung der
Ölsaaten ergeben sich vergleichsweise geringe Auswirkungen; sie machen
maximal die Hälfte der Belastungen aus der Landwirtschaft aus. Dies
hängt mit zum Teil gegenläufigen Effekten zusammen. Einerseits entsteht
ein Aufwand durch die Weiterverarbeitung, andererseits gibt es
Gutschriften durch die Entstehung und Nutzung von Kuppelprodukten. Die
Umweltrelevanz einzelner Prozesse in Landwirtschaft und
Weiterverarbeitung kann abschließend jedoch erst in Relation zum ganzen
bilanzierten Lebensweg der Gebäude durch das IKP beurteilt werden.
- Einsatzmöglichkeiten von nawaRo, Identifizierung von
Werkstoffen
Grundlage der Maximierung nachwachsender Rohstoffe ist die Darstellung
der Möglichkeiten, an welchen Stellen beim Hausbau Produkte aus nawaRo
einsetzbar sind und welche Produktalternativen auf der Basis welcher
Rohstoffe Verwendung finden können. Dazu wurde eine Recherche zu
Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen durchgeführt. Für jedes
Bauelement (Fußboden, Wand, Zwischendecke, Dach, Fenster, Türen etc.)
wurde der materielle Aufbau (z. B. Dampfsperre, Trittschallstreifen,
Kreuzlattung, Hohlraumdämmung, Massivholzboden) definiert und mit
entsprechenden Werkstoffen aus nawaRo (z.B. Fichte, Hanf, Ahorn)
hinterlegt. Zu jedem Produkt wurden zusätzlich dessen produktbezogene
Eigenschaften und Besonderheiten spezifiziert. Sämtliche Daten und
Informationen liegen jetzt in einer zusammengefassten Bauprodukten- und
Werkstoffliste vor. In dieser sind die Kriterien "regional",
"nachwachsend", "marktgängig" und "relevant in Bezug auf induzierte
Stoffströme und potenziell positive Umweltwirkungen" berücksichtigt.
Die Untersuchungen verdeutlichen, dass Holz der nawaRo mit der größten
Bedeutung ist und auch bleiben wird. Faserpflanzen spielen hauptsächlich
im Dämmbereich eine Rolle, Öle finden in Anstrichen, Farben und
Linoleum-Böden, Stärke/Zucker in Klebstoffen Verwendung. Es wurden nur
wenige Baustoffe identifiziert, die nicht aus nachwachsenden Rohstoffen
herstellbar sind bzw. bei denen dies aus technischer Sicht keinen Sinn
macht. Einige wenige Baustoffe sind zwar nawaRo, nicht aber aus
heimischen Pflanzen hergestellt.
- Bilanzierung von Bauprodukten und Gebäuden aus nachwachsenden
Rohstoffen
Nach intensivem Austausch zwischen den Projektpartnern und unter
Berücksichtigung vorformulierter Anforderungen wurde von der im Projekt
beteiligten Architektin der Basisentwurf einer Doppelhaushälfte
erstellt, der Grundlage für die weiteren Bilanzierungen darstellt.
Aufbauend auf die Datenbank des IKP wurde ein sogenanntes ´Standardhaus´
als Referenz definiert, das wiederspiegelt, wie der Basisentwurf mit den
heute meist verwendetsten Materialien umgesetzt würde. Die drei
Praxispartner (SchwörerHaus, Dobslaw, Ökohaus Ibach) haben ihr
´Praxishaus´ definiert, d.h. ihre Lösungen zur Umsetzung des
Basisentwurfs eingebracht. Beim IKP erfolgte dann die Analyse der
Konstruktionen unter Berücksichtigung der Stoffströme und darauf
aufbauend die ökobilanziellen Abschätzungen zur Identifikation von
Verbesserungsmöglichkeiten der Praxishäuser unter den jeweiligen
Randbedingungen. Als dritte Komponente wurde ein generisches
´Maximalhaus´ als Idealbild definiert, welches mit Hilfe der
Ökobilanz-Abschätzungen validiert wird (verschiedene Varianten, z.T.
unter Berücksichtigung von Neuentwicklungen auf dem Baustoffmarkt), um
im Projektverlauf zur ´optimalen´ Maximalversion zu gelangen.

Die ökobilanziellen Abschätzungen werden mit der vom IKP entwickelten
Software Build it mit integrierter
Datenbank für die Konstruktionen und Baustoffe auf Basis nachwachsender
Rohstoffe vorgenommen. Die Auswahl dieser zusätzlichen Baustoffe
erfolgte entsprechend nachvollziehbarer Kriterien (vgl. Abschnitt 3.4)
im Projektverlauf und unter Beteiligung der gesamten Projektgruppe. Zur
Klärung der "Relevanz" zusätzlich zu bilanzierender Baustoffe wurde mit
Build it der Entwurf einer
Maximalhausvariante in Bezug auf die induzierten Stoffströme, also den
Bedarf an Baustoffen, untersucht. Auf Grundlage der oben dargestellten
Kriterien wurde die im Projekt erstellte Bauproduktenliste analysiert
und die damit für die Bilanzierung relevanten Bauprodukte identifiziert.
Zur Zeit sind noch verschiedene Konstruktionsvarianten des Maximalhauses
in der Diskussion, da deren Bewertung in Bezug auf regionale
Nachhaltigkeit noch nicht abgeschlossen ist. Abbildung 1 zeigt
die Aufteilung der Massen des aktuellen Maximalhauses (Basis Rohbau,
ohne Bodenplatte) als Ausgangsbasis für die weiteren Überlegungen.
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Dampfbremse (Baupappe)
+ Holzweichfaserplatte
1,6% |
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Schnittholz (technisch getrocknet)
53,6% |
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Zellulosefaser Flocken
15,9% |
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Spanplatte (PUR)
13,8%
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Betondachsteine
13,7% |
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Fenster + Polyethylen
+ Stahlkleinteile verzinkt
1,4% |
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Abbildung 1: Massenanalyse eines Maximalhauses

Tabelle 1 zeigt die Aufteilung in Baustoffe auf Basis nachwachsender
Rohstoffe und konventioneller Baustoffe. Bei der betrachteten Ausführung
sind bereits ca. 27.400 kg Baustoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe,
oder 85 % verbaut. Fenster und Türen sind noch nicht berücksichtigt.
Eine Steigerung um 1 % würde einen induzierten Stoffstrom von ca. 300 kg
erfordern. Diese Betrachtung unterstreicht zunächst die Grundannahme,
dass vor allem im Bereich der Baukonstruktion die Hauptmassen bewegt
werden, und hier die entsprechenden Einsatzgebiete von nachwachsenden
Rohstoffen geschaffen werden müssen. Das Argument der Förderung
regionaler Stoffkreisläufe darf jedoch nicht vor dem Hintergrund einer
isolierten Stoffstromanalyse betrachtet werden.
Tabelle 1: Aufteilung der Hauptwerkstoffe des betrachteten
Maximalhauses in die Gruppen nachwachsende und konventionelle
Rohstoffbasis
|
Baustoff |
Masse
(kg) |
Masse nawaRo vs. konventionell (kg) |
Anteile
(%) |
| Zellulosefaserflocken
|
5097 |
|
|
| Dampfbremse (Baupappe)
|
73 |
|
|
| Holz - Weichfaserplatte
|
441 |
27254 |
85 |
| Schnittholz /technisch
getrocknet |
17196 |
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| Spanplatte (PUR)
|
4448 |
|
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| Polyethylen
|
25 |
|
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| Betondachsteine
|
4406 |
4733 |
15 |
| Stahlkleinteile
verzinkt |
302 |
|
|
| Summe
|
31987
|
31987
|
100 |
Günstige Umwelteffekte durch die Substitution hochveredelter
konventioneller Produkte und das damit verbundene
Wertschöpfungspotential rechtfertigen, auch kleinere Mengen mit in die
Betrachtung einzubeziehen. Am Beispiel der Beschichtungen mit
Naturharzlasuren wurde folgende Betrachtung diskutiert:
Um
wesentliche Flächen des Maximalhauses (200 m²) mit Leinöl-basiertem
Naturharzöl einzulassen, werden auf Basis einer Abschätzung ca. 9 kg Öl
verbraucht. Dies entspricht einer Steigerung des Einsatzes an
nachwachsenden Rohstoffen um 0,03%. Die Substitution von wesentlich
umweltbelastenderen Lacken rechtfertigt jedoch die weitere Betrachtung
dieser Stoffgruppe im Projekt.

- Analyse der Hemmfaktoren
Die Hemmnisanalyse wurde mit dem Ziel verfolgt, die Ursachen für die
bisher verhaltene Verwendung von Bauprodukten auf der Basis
nachwachsender Rohstoffe zu identifizieren und zu charakterisieren.
Dabei wird der komplette Lebensweg der nachwachsenden Rohstoffe
betrachtet. Auf diese Hemmnisanalyse aufbauend werden Lösungsansätze zur
Überwindung der bestehenden Hemmfaktoren entwickelt. Diese Ansätze
bilden die Basis für innovative Konzepte und Strategien zur Förderung
des nachhaltigen Bauens.
Die Betrachtung der Hemmnisse erfolgte auf verschiedenen Ebenen.
Exemplarisch werden zu diesen Ebenen an dieser Stelle stichwortartig
einige wenige Hemmfaktoren benannt.
- Landwirtschaft und Forstwirtschaft (Qualitätskonstanz und
Homogenität eines Naturproduktes)
- Rohstoffaufbereitung (z.T. neue technische Entwicklungen
notwendig)
- Baustoffproduktion (Diskrepanz zwischen der typischen
Unternehmensgröße der Anbieter und der teuren Zulassungswege,
technische Eigenschaften wie Brandverhalten, Diskrepanz zwischen Mess-
und Rechenwert der Wärmeleitfähigkeit)
- Baustoffhandel (zu kleiner Markt, Preis)
- Baurecht (Gewährleistung, Produkthaftung)
- Baufirmen/Handwerk (Wissensdefizite über
Produkteigenschaften, fehlende Markttransparenz)
- Architektur und Bauherrschaft (zur Verfügung stehende
Informationen, Image, Preis)
- Gebäudenutzung (Pflege/Instandhaltung, Eigentümer/Mieter)
- Gebäuderückbau (keine Internalisierung der Entsorgungskosten,
fehlende Aufklärung der Bauherren und Architekten hinsichtlich der
nach heutigem Kenntnisstand auftretenden negativen Effekte und Kosten
bei der Entsorgung von Baumaterialien)
Die große Anzahl der entlang des Produkt-Lebensweges beteiligten Akteure
ist verantwortlich für die Vielfalt der identifizierten Hemmfaktoren.
Über den gesamten Lebenszyklus hinweg konnte bei den Akteuren ein
erhebliches Informations- und Wissensdefizit als Hemmfaktor
identifiziert werden. Als noch gravierender hat sich ein Mangel an
Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteursgruppen herausgestellt.
Die meisten der derzeit erarbeiteten Lösungsansätze zielen deshalb auf
die Verbesserung der Kommunikation und der Information ab. Es werden
darüber hinaus die Bereiche konkretisiert, in denen weiterer
Forschungsbedarf zur Deckung von Wissenslücken besteht. Andere
Strategien zum Hemmnisabbau (z.B. Maßnahmen zur Imageverbesserung,
Einführung von speziellen Anreizprogrammen auf Bundes- und Länderebene,
Richtlinien zur Berücksichtigung von nachwachsenden Rohstoffen bzw. des
nachhaltigen Bauens in öffentlichen Ausschreibungen, Änderung der
Honorarordnung für Architekten etc.) sind angedacht (siehe auch Punkt
5).

4. Zwischenfazit
In
Zusammenarbeit mit den beteiligten regionalen Partnern aus Wirtschaft,
Handwerk und Wissenschaft wurde aufgezeigt, wo beim Hausbau der Einsatz
von nachwachsenden Rohstoffen möglich ist. Inwieweit nachwachsende
Rohstoffe maximiert werden können, werden die ökobilanziellen
Abschätzungen ergeben, die bis Mai diesen Jahres fertiggestellt sein
werden. Die Interpretation der Daten sowie die Abschätzung der
Auswirkung hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung werden im
Anschluss erfolgen. Die wesentlichen Hemmfaktoren konnten bereits
identifiziert werden. Derzeit werden Strategien erarbeitet und
formuliert, die zum Abbau der Hemmnisse beitragen.
Ein Beispiel für die ersten Ansätze einer direkten Umsetzung von
Projektergebnissen in Richtung regionaler Nachhaltigkeit ist die
erstmalige Ausstattung eines Musterhauses des Projektpartners Fa.
SchwörerHaus mit einer Hanfdämmung und der Eingang eines ersten
Auftrages für die Umsetzung eines Hanf-gedämmten Hauses durch einen
privaten Bauherrn. Die technischen Untersuchungen bei der Fa.
SchwörerHaus haben ergeben, dass der neue Hanfdämmstoff nach Vornahme
kleinerer produktionsbedingter Veränderungen alternativ in die
Fertighäuser eingebaut werden kann und dem Kunden wahlweise eine
Hausdämmung aus nachwachsenden Rohstoffen angeboten werden kann. Wir
gehen davon aus, dass durch solche Maßnahmen eine regionale,
umweltgerechte Wirtschaftsweise unterstützt wird, die gleichzeitig
Wettbewerbsvorteile bieten kann.
Ein Teil der Projektergebnisse konnte bereits in begrenztem Rahmen nach
außen kommuniziert werden. Bei Auftritten des IfuL im Rahmen seiner
üblichen Öffentlichkeitsarbeit auf Landesgartenschauen und Messen sowie
in Interviews und Vorträgen wurde das Thema "Nachwachsende Rohstoffe im
Bauwesen" dargestellt. Adressaten waren hier die breite Öffentlichkeit,
potenzielle Baufamilien und Architekten. Im Rahmen eines
Journalistenseminars in Zusammenarbeit mit der Fa. SchwörerHaus und dem
Bundesverband deutscher Fertigbau e.V. wurde das Thema an
Multiplikatoren herangebracht. Die positiven Reaktionen auf die diversen
Zeitungs- und Rundfunkmeldungen verdeutlichen, welch hoher Bedarf an
unabhängiger Information nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern
auch bei Landwirten, Architekten, Handwerkern, Vertretern öffentlicher
Belange besteht. Im bisherigen Projektverlauf wurde überdeutlich, dass
dieser überregionale Informations- und Kommunikationsbedarf durch die am
Projekt beteiligten Partner im Rahmen der normalen Projektarbeit nicht
annähernd gedeckt werden kann.

5. Empfehlungen
Nach dem derzeitigen Stand der Projektbearbeitung können die folgenden
Empfehlungen für die weitere wissenschaftliche Arbeit abgeleitet werden:
- Verlängerung des Zeithorizontes für die Kommunikation der
erarbeiteten Projekterfahrung nach außen
- Initiierung wissenschaftlicher Forschungsprojekte mit
Beteiligung der Praxis zur Verbesserung bestehender bzw. zur
Entwicklung neuer Baustoffe auf der Basis nachwachsender Rohstoffe
- Nähere Betrachtung der durch das Bauwesen verursachten
Abfallproblematik
- Vertiefung und Erweiterung der ökobilanziellen Betrachtungen
von Baustoffen und Konstruktionen
- Definition von Indikatoren für nachhaltiges Bauen
- Erarbeitung von Handreichungen für Akteure der lokalen AGENDA
21 Prozesse
- Entwicklung einer regionalen Plattform zur Verbesserung der
Kommunikation und zur Vernetzung von Akteuren
Nach den bisherigen Projekterfahrungen - vor allen Dingen in und mit der
Praxis - ergeben sich die folgenden Ansätze zur praktischen Umsetzung:
- Einrichtung einer unabhängigen Informationsstelle
- Durchführung von Aktionsprogrammen und Fortbildungsmaßnahmen
zur Beseitigung der identifizierten enormen Informationsdefizite
(Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern)
- Kommunikation der Entsorgungsproblematik
- Stärkere Berücksichtigung der Baustoffe aus nawaRo bei
öffentlichen Bauausschreibungen
- Einrichtung von Markteinführungsprogrammen für Baustoffe aus
nachwachsenden Rohstoffen
- Einführung von Anreizprogrammen für Bauherren zur Senkung der
höheren Baukosten
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