Machbarkeit und Wünschbarkeit

Handwerk im Rahmen eines zukunftsfähigen Arbeits- und Wirtschaftsstils

Neben den Problemen der technischen, ökonomischen und künstlerischen Machbarkeit stellt sich die Frage nach der Wünschbarkeit der neohandwerklichen Produktionsweise nicht zuletzt auch mit Blick auf die Qualität von Arbeit und deren Bedeutung für Produkte und Produzenten. 

Es gab schon seit den Anfängen der Industrialisierung immer wieder Ansätze, dem Handwerk eine erneute Geltung gegenüber der Industrie zu verleihen (Arts and Crafts, "alternatives Handwerk", "Neues Deutsches Design"). Alle diese gegen die Industriekultur gerichteten Bewegungen verbanden mit der Rückkehr zum Handwerk die Aussicht auf eine ganzheitliche, selbstbestimmte und identitätsstiftende Arbeit. Die Verbindung von "Kopf und Hand" durch eine Tätigkeit, bei der der planende, der kreativ-schöpferische und der handwerklich-ausführende Prozess weitgehend miteinander verschränkt sind, spielte ebenso eine Rolle wie die eigene Arbeitszufriedenheit, die nicht zuletzt in der Ästhetik und Qualität der Produkte sichtbaren Ausdruck finden würde.

Auch in der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Arbeit hat handwerkliche Arbeit erneut einen hohen Stellenwert. Dies gilt insbesondere für neue Arbeitsmodelle außerhalb des ersten Arbeitsmarktes, wie das von Fritjof Bergmann eingebrachte Modell "New Work" oder das Beispiel des "Hauses für Eigenarbeit" in München. Handwerk und kunsthandwerkliche Arbeit erweisen sich oft genug als die Art von Tätigkeit, die Menschen ergreifen, wenn sie tun "what they really, really want" (Bergmann). 

Dies bestätigen auch die mit Hamburger Möbelmacherinnen geführten Interviews, die ihre künstlerisch-handwerkliche Arbeit als eine äußerst befriedigende, sinnvolle und kreative Tätigkeit erleben und die mit ihrer Arbeitssituation verbundenen Nachteile (bescheidenes Einkommen, fehlende soziale Sicherung) bereitwillig in Kauf nehmen.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Zukunft der Arbeit ist insgesamt festzustellen, dass die regionale Möbelproduktion sich als eine Arbeits- und Wirtschaftsweise darstellt, die mehrdimensionale Antworten auf die Frage nach einer zukunftsfähigen Arbeitswelt bietet.

 
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Stand: 06.03.03