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In der TechnologieRegion Karlsruhe konzentrierte man sich auf zwei bereits
in der Antragsphase identifizierte Stoffströme, nämlich Ströme
organischer, zur Vergärung geeigneter Stoffe sowie von Strahlmitteln für
die mechanische Oberflächenbehandlung.
Die Anaerobtechnologie zur Behandlung organischer Abfälle bietet in
mehrerlei Hinsicht Potenziale zu ökologischen Entlastungen. Sie stellt eine
Möglichkeit zur Verminderung anderweitig zu entsorgender Abfallmengen dar.
Durch die "Biogaserzeugung" wird im Gegensatz zu unkontrollierten
anaeroben Abbauprozessen bei der Lagerung von Abfällen auf Deponien die
Emission von treibhauswirksamem Methan vermieden. Stattdessen wird das
Methanbildungspotenzial als erneuerbare Energiequelle genutzt, womit fossile
Energieträger substituiert werden können. Je nach Verfahrenslösung und
-kombination mit zusätzlichen Verfahrensstufen entstehen landwirtschaftlich
verwertbare Düngeprodukte bzw. Komposte.
Die Stadt Karlsruhe betreibt auf dem Gelände der Mülldeponie Ost eine
Vergärungsanlage (mit nachgeschalteter Kompostierung). Zusammen mit
Deponiegas wird das gebildete Biogas derzeit energetisch für die
Sickerwasserbehandlung auf der Deponie genutzt. In der Anlage werden die
Bioabfälle der Karlsruher Haushalte eingesetzt, die bereits an die
"Biotonne" angeschlossen sind. Derzeit ist dies rund die Hälfte
der Haushalte, vornehmlich aus dem Innenstadtbereich. Bei Ausweitung des
Biotonnensystems (oder Erhöhung der Gaserzeugung durch sonstige vergärbare
Abfälle) wäre die zusätzliche Biogaserzeugung ein wesentliches Element
des auf erneuerbaren Energien basierenden Nahwärmekonzeptes für ein
nahegelegenes Neubaugebiet. Zusammen mit der Stadt Karlsruhe wurde die Idee
konkretisiert, diese Anlage auch für die Behandlung gewerblicher Abfälle,
z. B. von Küchen- und Kantinenabfällen oder Abfällen aus der Schlachtung
zu öffnen, um die Anlage weiter auszulasten. Hierzu wären je nach
Konsistenz der Abfälle nur vergleichsweise geringe bzw. gar keine
Erweiterungsmaßnahmen erforderlich.
Bei Gesprächen mit Betreibern von Großküchen (zwei Krankenhäuser,
Uni-Mensa, mehrere Unternehmenskantinen) bzw. mit verschiedenen Unternehmen
der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wurde deutlich, dass diese die Frage
organischer (Abfall-)Stoffströme derzeit überwiegend zu ihrer relativen
Zufriedenheit gelöst haben. Es herrscht eine gewisse Scheu vor, andere Wege
der Verwertung einzuschlagen. Die beobachtete Scheu bei
Großküchenbetreibern resultiert insbesondere aus dem Umstand, dass es in
der Region relativ wenige Schweinezuchtbetriebe gibt, die als Abnehmer für
Küchenabfälle geeignet sind. Die dennoch etablierten Abnahmebeziehungen
möchte man auf keinen Fall gefährden. Die Frage, ob die avisierten
Alternativen kostengünstiger wären, ist für diese potenziellen Partner
noch offen.
Ausnahmen stellen einige eher randständige Abfallströme dar, z. B.
Panseninhalte, die bei der Rinderschlachtung anfallen. Aufgrund der
BSE-Krise sind aber die Rinderschlachtungen im städtischen Schlachthof von
Karlsruhe derzeit stark zurückgegangen, so dass die ursprünglich für
Anfang 2001 vorgesehene versuchsweise Vergärung von Panseninhalten - welche
als seuchenhygienisch unbedenklich angesehen werden - vorerst
zurückgestellt wurde.
Die ursprünglich zusammen mit einem Schleifmittelhersteller angestellten
Überlegungen zur Verwertung gebrauchter Strahlsande auf Korundbasis für
die Schleifkörperherstellung wurden mittlerweile aufgegeben. Die Suche nach
Betrieben, die ggf. in gebrauchter Form für die Schleifkörperherstellung
geeignete Strahlmittel auf Korundbasis zur Oberflächenbehandlung einsetzen,
erwies sich nämlich als schwierig, da sie selten anzutreffen sind. Hingegen
werden sehr häufig Strahlmittel auf metallischer Basis (Stahl) eingesetzt,
was zu einer Erweiterung des betrachteten Stoffstromspektrums und damit zu
weiteren in Frage kommenden Partnerunternehmen führte. Aus
verfahrenstechnischen Gründen sind gebrauchte Stahl-Strahlmittel schlecht
recycelbar, in der Region gibt es aber zur Vorbehandlung (Agglomerierung)
geeignete Betriebe.
Das Entsorgungsfachunternehmen Gerhard Lang GmbH aus Gaggenau wendet die
Brikettiertechnik an, um ölhaltige Schleifschlämme einer Verwertung
zugänglich zu machen. Die durch die Brikettierung erzielten Entölungsgrade
weisen akzeptable Werte auf, jedoch ist die Zugabe von Bindemitteln
notwendig, um eine ausreichende Festigkeit der Pellets für deren Transport
und Handling zu erreichen. Diese Qualitätsanforderungen werden von der
Firma Lang durch die gemeinsame Brikettierung der Schleifschlämme mit
Metallspänen erfüllt. Hierdurch wird ein Einsatz der regenerierten
Schleifschlämme in Stahlwerken und Gießereien ermöglicht.
Aufgrund ihrer im Vergleich zu den Schleifschlämmen ähnlichen
feinkörnigen Beschaffenheit ist für gebrauchte Stahlstrahlmittel von einer
entsprechenden verfahrenstechnischen Problematik auszugehen. Ein wichtiger
Aspekt für die Verwertung der Stahlstrahlmittel ist zudem deren vorheriges
Einsatzgebiet. Da Stahlstrahlmittel nämlich zäh sind und sich nur langsam
abnutzen, besteht der überwiegende Anteil der abgeschiedenen Feinfraktion
aus Teilen des Werkstücks selbst und nicht aus dem eigentlichen
Strahlmittel, so dass die Eigenschaften des Werkstücks bei der Verwertung
der Restfraktionen zu berücksichtigen sind. Die in einer Charge enthaltenen
Bestandteile müssen zudem miteinander verträglich sein.
Die Brikettieranlage des Entsorgungsfachbetriebs ist zur Aufnahme von
gebrauchten Stahlstrahlmitteln geeignet, so dass auch sie neben den
Schleifschlämmen einer Verwertung zugeführt werden können. Sie werden
entweder als Beimischung mit den Spänen und Schleifschlammkomponenten oder
als Monofraktion brikettiert. Wichtige Voraussetzung für eine
wirtschaftliche Verwertung ist auch hier der Betrieb einer kontinuierlichen
Sammel- und Transportlogistik.
Aufbauend auf den Ergebnissen einer zur Zeit vom Institut für Technik
der Betriebsführung (itb), Karlsruhe, durchgeführten Untersuchung im
Handwerk sollen die Stahlstrahlmittelströme der TechnologieRegion Karlsruhe
im Referenzfall (Ist-Zustand) und als Modell mit Vernetzung zur oben
beschriebenen Verwertung abgebildet und ökologisch sowie ökonomisch
bewertet werden.
Folgende Erkenntnisse konnten aus den Gesprächen mit den relevanten
Akteuren in der TechnologieRegion Karlsruhe gezogen werden:
- Bestätigt hat sich die Erwartung, dass quantitativ bedeutende
Stoffströme zwischen einzelnen Betrieben (im Sinne von
zwischenbetrieblichen Vernetzungen) wohl nur schwer umzulenken sein
werden, da sich betriebswirtschaftlich tragfähige und den rechtlichen
Anforderungen genügende Entsorgungs- bzw. Verwertungsbeziehungen
bereits etabliert haben. Die professionellen Entsorgungsdienstleister
spielen hierbei eine wichtige Rolle. Sonstige Anreize für
zwischenbetrieblichen Stoffaustausch "in Eigenregie" gibt es
bislang wenig. Eine Ausnahme stellt z. B. die direkte Abholung von
Küchenabfällen dar.
- Wie erwartet, kommt daher der überbetrieblichen Vernetzung, sprich
der Bündelung von gleichartigen Stoffströmen, um
betriebswirtschaftliche Mindestmengen zu erreichen, und damit dem
Handwerk mit einer Vielzahl ähnlicher Betriebe besondere Bedeutung zu.
Die für die beiden hier betrachteten Stoffströme relevanten
Anwendungen im Handwerk unterscheiden sich nicht grundsätzlich von
denen in der Industrie (z. B. Fleischereien, Oberflächenbehandlung).
- Es fehlt ein institutioneller Rahmen für den Aufbau selbsttragender
Verwertungsnetze. Im Gegenteil: Es wird im (exemplarischen) Aufbau von
Stoffstromnetzwerken im Rahmen des Forschungsprojektes ein möglicher
Beitrag zur lokalen Agenda 21 gesucht.
Gemeinsam mit regionalen und mit bundesweit tätigen Akteuren, z. B.
Verlagen, durchgeführte Analysen ergaben Erkenntnisse für das Fallbeispiel
der "Dematerialisierung" durch "Print on Demand" auf
regionaler Ebene. Print on Demand, also das Drucken nach Bedarf, wird durch
neue digitale Druckverfahren ermöglicht, bei denen durch Wegfall der
Druckformerstellung und den damit verbundenen auftragsbezogenen Fixkosten
sehr kleine Auflagen wirtschaftlich gedruckt werden können.
Im Rahmen eines Workshops "Regionales Print on Demand" im Juli
1999 im ISI in Karlsruhe erörterten Vertreter von Internet- bzw.
IuK-Dienstleistern, Druckereien, Verlagen und Buchhandel grundlegende
Fragestellungen und tauschten bereits vorliegende Erfahrungen aus. Bereits
realisierte Beispiele in den Bereichen Book on Demand und Schnelldruck
wurden dabei ausführlich dargestellt. Ein weiteres Fallbeispiel ergab sich
im Bereich der Herstellung von Schulungsunterlagen. Das an anderer Stelle
(s.u.) in das Projekt eingebundene Institut für Technik der
Betriebsführung (itb) erstellt Schulungsunterlagen für den Lehrgang
"Betriebswirt des Handwerks" der bundesweit an Industrie- und
Handelskammern durchgeführt wird. Hier wird Print on Demand in Betracht
gezogen, da die Inhalte der Schulungen ständig aktualisiert werden müssen.
Das derzeitige Herstellungsverfahren Offsetdruck erfordert regelmäßig den
Druck eines gesamten Jahresbedarfs. In Bereichen mit hohem
Aktualisierungsbedarf, wie etwa Recht und Steuern, ergeben sich aber
mehrmals jährlich Änderungen. Derzeit behilft man sich noch mit
Ergänzungsblättern zu den bereits gedruckten Exemplaren, da der
Offsetdruck im Auflagenbereich von über 500 zwei- oder mehrfarbigen
Exemplaren immer noch billiger ist als Print on Demand mit Digitaldruck. Man
geht davon aus, in den nächsten 2-3 Jahren auf Print on Demand umstellen zu
können, da die Preise durch die zunehmende Anzahl von Anbietern in diesem
Bereich weiter sinken. Regionale Herstellungskonzepte werden von itb und
Verlag kritisch beurteilt, unter anderem da der Aufwand für
Qualitätskontrolle und Bestell- bzw. Versandlogistik hierdurch für den
Verlag steigen würde. Beim itb kann man sich jedoch vorstellen, dass die
technologische Entwicklung in Zukunft den Druck der Schulungsunterlagen
direkt bei den Industrie- und Handelskammern - bei denen die Schulungen
stattfinden - ermöglichen könnte.
Als (zumindest derzeit noch bestehende) Hemmnisse für die Realisierung
von Print on Demand-Konzepten durch kleine und mittlere regional tätige
Unternehmen wurden u.a. identifiziert:
- Teilweise von den Kunden noch als zu hoch empfundene Kosten für Print
on Demand Dienstleistungen, insbesondere im mehrfarbigen Bereich,
- zu hohe Kosten für Druckmaschinen, insbesondere für kleine
Unternehmen. Als Lösung wird eine regionale Bündelung und eine
gemeinschaftliche Nutzung solcher Maschinen erörtert;
- Diskrepanz zwischen Qualitätsansprüchen der Verlage bzw. der Leser
(in Deutschland traditionell hoch) und technischen Möglichkeiten. Aber
Wandel im Leseverhalten mit zunehmender Akzeptanz einfacherer Qualität
zeichnet sich ab;
- technischer Entwicklungsbedarf (z. B. Bindeverfahren; Problem der
Herstellung des Einbandes),
- höherer Aufwand für Logistik und Qualitätskontrollen beim
dezentralen im Vergleich zum zentralen Druck,
- Skalenerträge beim zentralen Druck überwiegen zum Teil
Kostenvorteile beim dezentralen Druck vor Ort.
Fördernde Aspekte sind:
- Konzentrationstendenzen auf dem Buchmarkt in Richtung national und
international agierender Verlage und Handelsketten, die
Zukunftsperspektiven für kleine Buchhandlungen durch Spezialisierung
und Beratung eröffnen. Hier kommt Online-Angeboten in Verbindung mit
Bringdiensten Bedeutung zu,
- Konkurrenz für etablierte Druckereien bzw. Ergänzung von deren
Angebot durch neue Anbieter, z. B. ehemalige reine Copy-Shops,
- steigender Bedarf an der schnellen Bereitstellung von hochaktuellen
und häufig aktualisierten Drucksachen,
- zunehmende Probleme bei Verlagen und Großhändlern mit Lagerhaltung
und "Verramschung" bzw. Makulierung von Auflagen,
- sinkende Auflagen etwa im wissenschaftlichen Bereich (u.a. durch
Sparzwänge der öffentlichen Hand) und hierdurch Probleme bei der
Herstellung im traditionellen Offsetdruck.
Um das Fallbeispiel weiter zu entwickeln, sollen weitere Partner
eingebunden werden. Als weiterhin zu untersuchende Aspekte wurden Fragen zum
Urheberrecht genannt. Hier gibt es noch keine Lösungen, aber Vorstellungen,
in Anlehnung an das Verfahren der VG Wort/Bild vorzugehen. Ferner wird die
Frage der Auslieferungslogistik genannt.
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