Teilprojekt Region Mittleres Ruhrgebiet

Im Teilprojekt Region Mittleres Ruhrgebiet konnte über eine akteursorientierte Vorphase (insbesondere über Interviews mit verschiedenen Unternehmen, Vertretern von IHK, Wirtschaftsförderung und Beratungsdienstleistern) im Verlaufe des Vorhabens das Konzept für ein Netzwerk von mittlerweile über 30 KFZ-Häusern ("Ökoeffizienz Net KFZ") entwickelt werden, das ein koordiniertes und innovatives Vorgehen im Bereich der Entsorgung zunächst von Fest-Flüssig-Abfällen (insbesondere Öl- und Benzinabscheiderinhalte) und später auch anderen werkstättenspezifischen Abfällen vorsieht.

Aus der Phase der Mobilisierung dieses Netzwerkes durch die Projektgruppe sind zunächst folgende Erfahrungswerte festzuhalten:

1. Das akteursorientierte Vorgehen in der Vorphase öffnete zunächst ein weites Spektrum von Ansatzpunkten aufgrund einzelbetrieblicher Problemlagen. So wurden im Rahmen und aus der Sicht von individuellen (Unternehmens-)Gesprächen immer wieder Handlungsfelder für mögliche Vernetzungen (z.B. im Bereich Schmierstoffe, Bohrölemulsionen, chromhaltige Schlackenabfälle etc.) herausgearbeitet, deren konkrete Umsetzung etwa im Sinne von Quellen-Senken Verknüpfungen jedoch durch eine Reihe von Problemen behindert wurde. Hierzu gehören folgende Ursachen:
  • Für den Austausch von Reststoffen zwischen Verursachern (Quellen, Senken) bestehen keine eingefahrenen industriellen Beziehungen und Kommunikationskanäle.
  • Die Anreize für Tauschfunktionen werden durch professionelle Entsorgungsdienstleistungen erdrosselt.
  • Informationsasymmetrien in den Entsorgungsmärkten behindern die systematische Entwicklung von Aktivitäten zur betrieblichen Abfall- und Reststoffvermarktung.
  • Compliance-Orientierung versus Innovationsorientierung der Wirtschaft: Erfüllung gesetzlicher Anforderungen steht im Vordergrund, es fehlen Innovationsanreize.
  • Institutioneller Rahmen für den Aufbau selbsttragender Verwertungsnetze fehlt. (Ein erstes Ökoprofit-Projekt mit institutionellem Rahmen einer Public-Private Partnership wurde jetzt in Dortmund gestartet).
  • Unvollkommene Marktmechanismen: Degression der Beseitigungspreise wegen Anlagenauslastung und Quersubventionen.
  • Positivbeispiele sind nur im Netzwerk der Technologietransfer-Akteure bekannt (Kalundborg oder Steirisches Verwertungsnetz wird nur in Fachkreisen diskutiert).
  • Weitere Hindernisse einer abfallwirtschaftlichen Vernetzung liegen in Einschränkungen durch Regelungen (z. B. untergesetzliches Regelwerk des KrW-/AbfG) sowie ökonomischen Randbedingungen (z. B. Economies of Scale), fachlichen Voraussetzungen (z. B. personelle Innovationshemmnisse im Bereich der Unternehmensführung) sowie - mit Blick auf die erforderlichen Qualitätsmerkmale der Output-/ Inputbeziehungen - technischen (z. B. Aufbereitungsanlagen) und organisatorischen (z. B. Vorsortierung) Mängeln.
2. Das Netzwerk "Ökoeffizienz-Net KFZ" nahm einen punktförmigen Beginn - ausgehend von Gesprächen mit Umweltschutzdienstleistern im Bereich des Kraftfahrzeughandels, die die Projektgruppe über ein bestehendes Multiplikatoren-Netzwerk namens "Bochum Mobil" erreichte. Dieses bestehende Netz behandelt Mobilitäts- und Logistikprobleme im Mittleren Ruhrgebiet und war für ein aus Sicht dieses Netzes peripheres Thema "Entsorgungs- und Verwertungsnetze" zu gewinnen. Nach einem Initial-Workshop mit Bochum-Mobil wurden Folgegespräche in zunächst einem, dann in weiteren KFZ-Häusern geführt, verbunden mit ABC-Analysen der Stoffströme, Umweltanlastungen und Kosten der Entsorgung bzw. Verwertung. Parallel wurden technisch-organisatorische Möglichkeiten einer Effektivierung der bestehenden Entsorgungsstrukturen und mögliche kooperative Lösungsmodelle diskutiert. Diese Voranalysen mündeten in einen Prioritätenkatalog, aus dem der Bereich der Fest-Flüssigabfälle aufgrund der Kostenrelevanz eindeutig hervorstach. Trotz der Wettbewerbsverhältnisse im Kerngeschäft konnten Daten zu Mengen und Preisen über die verschiedenen KFZ-Häuser gewonnen und zu einem Modell verdichtet werden. Mit dem Rechenmodell konnten verschiedene Möglichkeiten der logistischen Verknüpfung von Anfallstellen nach Anfallrhythmus und Menge berechnet sowie Kostenwirkungen der Optimierung, der Pool-Lösung (hinsichtlich Entsorgungskosten) und anderer Maßnahmen (z.B. Kreislaufschließung von Wasser etc.) simuliert werden. Die jeweiligen Ergebnisse dienten im weiteren dazu, weitere Akteure in das Netz zu integrieren. Anreizfunktion übte alleine die Kosteneinsparung aus.
3. Kern der kooperativen technisch-logistischen Lösung ist ein mobiles Abwasserreinigungssystem, das die Abscheideinhalte um ca. 80% verdichtet und das daraus gewonnene Wasser dem Betrieb wieder zuführt. Mit einem optimierten Routensystem werden die Anfallstellen abgefahren und auf diese Weise die früher vorherrschende dezentrale Entsorgungslösung der Abscheideanlagen abgelöst. Hierzu sind der Austausch von Stoffmengendaten, Anfallrhythmus, Einlaufsequenzen im Abscheider, etc. im Sinne einer bedarfsgerechten Entsorgung nötig. Hinzu kommt, dass das mobile Abwasserreinigungssystem ein spezifisch angepasstes System für die behandelten Abwässer darstellt und somit bessere Reinigungsleistungen erzielt werden, da die üblichen CPB Anlagen für ein breites Schadstoffspektrum ausgelegt sind. Dies wurde durch entsprechende Analysen bestätigt.
4. Ergebnis der kooperativen Lösung ist, dass Umwelt- und Kostenentlastungen in erheblichem Umfang erzielt werden. Diese setzen sich wie folgt zusammen (Bezugsgröße 265 m³ Abscheiderinhalte im Netz):
  • Einsparungen bei Dieselkraftstoff aufgrund der neuen Routenplanung von ca. 3.900 l/a; Minderung der Gesamtemissionen um 42.000 Nm³/a, davon alleine 15.000 Nm³/a CO2; neben diesen direkten Emissionen können in Abhängigkeit vom Alter der Transportfahrzeuge folgende Einsparungen erzielt werden: LKW < 4 Jahre bei CO 25,5 kg/a, bei HC und NOx 17,3 kg/a, bei karzinogenen Partikeln 2,4 kg/a; Wassereinsparungen von ca. 2.500m³ Frischwasser.
  • Kosteneinsparungen bei den Entsorgungskosten von ca. 100,- bis 150,- DM/m³ Fest-Flüssig Abfall, eine Einsparung gemessen am Mittelwert von ca. 25%; Kosteneinsparungen durch Verringerung der Transportkilometer, der Kreislaufschließung von Wasser und Änderungen der Bewertungszahl der Abwasserverbände.
5. Der Ansatz zeigt, dass Verwertungsnetze nicht nur für das produzierende Gewerbe sondern auch zunehmend für den Dienstleistungsbereich relevant sind. Das regionale Verwertungsnetz schließt seine Mitglieder aufgrund von gleichen oder ähnlichen inhaltlichen Interessenlagen ein, nicht aufgrund von räumlichen Grenzen und Kammerbezirken. Insofern wurde die "Region" im Teilprojekt Mittleres Ruhrgebiet als begrenzender Faktor aufgelöst und räumlich ausgedehnt auf alle Interessenten am Verwertungsnetz. Begrenzender Faktor sind allenfalls Kostengesichtspunkte innerhalb der Routenplanung, ein Umstand, der auf die Bildung weiterer Netzknoten hoffen lässt.
6. Das Ökoeffizienz-Net KFZ entwickelt nach der durch externe Akteure angestoßenen Initialphase eine erwünschte Eigendynamik, die eine weitere Umsetzung von Maßnahmen nachhaltigen Wirtschaftens erwarten lässt. Die Akteure des Netzes beschäftigen sich mit Lösungen in anderen Stoffströmen (z.B. Reibbeläge) und arbeiten an einem gemeinsamen Förderantrag zur ökologischen Wasserwirtschaft in NRW, um über das Verwertungsnetz hinaus gemeinsame FuE-Aktivitäten zu entfalten (dezentrale Abwasserreinigung für kleine Mengen und Aufbau dezentraler Netzknoten / Umladestationen). Mit einem größeren Akteur aus der Initialgruppe Bochum Mobil wird das Thema Verwertungsnetze im Hinblick auf Tankstellen diskutiert.
7. Der akteursorientierte Ansatz war als Heuristik für die Suche nach gemeinsamen Interessenlagen ein forschungsstrategisch wichtiges, in der Praxis jedoch aufwendiges Konzept. Der Akteursansatz mündete im Verlauf des Projektes zwangsläufig in einen stofforientierten Ansatz (siehe Teilprojekt in der TechnologieRegion Karlsruhe), da sich gemeinsame Interessenlagen in Verwertungsnetzen über Stoffe definieren. Bewährtes Muster ist auch hier die überbetriebliche Vernetzung, der stärkste Anreiz die Mengenbündelung.
 
 
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