"Wir wollen weder wachsen noch weichen."

 

 

Ein mittlerer Mischbetrieb "...immer noch da"

Der Betrieb von Birgit und Franz Conze ist ein mittlerer Mischbetrieb, 60 ha groß, mit “nur” 25 Milchkühen und 150 Schweinen. Ginge es nach der Landwirtschaftskammer, würde es einen solchen Betrieb wie den ihren längst nicht mehr geben. Als Franz Conze 1988 dem Berater der Landwirtschaftskammer ihren Plan unterbreitet, einen Boxenlaufstall für "nur" 25 Kühe zu bauen, meint dieser, er solle entweder “richtig” investieren - sprich Kontingent für mindestens 60 Tiere kaufen - oder den Hof im Nebenerwerb bewirtschaften.

Dreizehn Jahre nach dieser düsteren Prognose sind sie “immer noch da”, wie Birgit Conze triumphierend feststellt.

Warum eigentlich?

Wieso ihr Hofkonzept funktioniert? Darauf haben Conzes verschiedene Antworten:

  • Sie sind “ein Clan”: Es gibt Brüder, Cousins, Tanten und die Schwiegermutter, die mitmachen und aushelfen.
  • Es ist eine Frage der Lebenseinstellung: “Wenn sie mit dem Einkommen zufrieden wären”, sagt Franz Conze, könnten auch andere so wirtschaften. Birgit Conze meint, es komme auch auf die jeweiligen Voraussetzungen an: Immerhin hätten sie einen schuldenfreien Betrieb übernommen, und dann hätten sie die Handwerker in der Familie.
  • Sie haben sich immer dagegen entschieden, ihr Milchkontingent weiter aufzustocken. Das erhöht nur unnötig die Produktionskosten, sind sie überzeugt, und dann arbeitet man zuviel für zu wenig Geld. Ihre Kosten sind viel geringer als die Kosten derjenigen, die hohe Zinsbelastungen haben, weil sie Kontingent zugekauft haben.
  • Sie haben nicht nur die Kühe, sondern auch noch andere Standbeine, erklärt Franz Conze. Sie haben Getreide, Zuckerrüben und Schweine.
  • “Wir leben aus unserem Garten, wir brauchen nicht viel Geld”, sagt die Schwiegermutter. Conzes ist wichtig, sich mit möglichst vielen Sachen selbst versorgen zu können. Was Milch, Eier und Fleisch angeht, sind sie komplett unabhängig, Butter und Käse, Obst und Gemüse, Marmelade und Saft kommen dazu. An Lebensmitteln kaufen sie nur wenig zu.

Daß ihre Art zu wirtschaften der Gemeinschaftlichkeit nützt, der familiären wie der dörflichen, ist offensichtlich: Wäre ihr Hof anders organisiert, hätten die Verwandten weniger Grund vorbeizuschauen. Würden sie, um ein höheres Einkommen zu erzielen, zusätzliches Milchkontingent kaufen, müßten sie unverhältnismäßig mehr arbeiten und hätten nicht mehr so viel Zeit, sich für die Dorfgemeinschaft zu engagieren, wie sie es jetzt beide tun.

Auch wenn der Selbstversorgungsanteil in ihrer Hofökonomie vergleichsweise hoch ist und mit dazu beiträgt, daß ihr Hofkonzept “funktioniert”, ist es vor allem die Orientierung an der Versorgung, die sich auf Haus und Hof, auf Erwerbswirtschaft und Hauswirtschaft bezieht, die dem Ganzen einen anderen Dreh verleiht. Nicht einen völlig anderen. Sie sind keine Alternativen, keine Aussteiger.


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Stand: 06.03.03