...Ich brauche die Zeit für meine Tiere, ja, und
zuallererst für die Familie und dann den Musikverein, den Angelverein ...
Reiner Dohmann, genannt Thomes stammt aus einer alten Borgentreicher
Familie. Seine Eltern führten den letzten Lebensmittelladen des Ortes. Ein
paar Morgen Land gehörten natürlich auch dazu. Die sind seit langem
verpachtet.
Reiner Dohmann arbeitet bei einem Zulieferer der Autoindustrie im
nahegelegenen Warburg im Lager. Als man ihm eine höher dotierte Stelle
anbot, winkte er dankend ab, obwohl er als Vater von inzwischen drei Kindern
das Geld gut hätte brauchen können. Die Überlegung war so einfach wie
unüblich im heutigen Deutschland. Wieso sollte er sich noch stärkerer
Belastung am Arbeitsplatz aussetzen, wenn er seine Kraft und Zeit
anderweitig gewinnbringender einsetzen kann.
Damit ist kein monetärer Gewinn gemeint, sondern die Befriedigung durch
die Feierabendbeschäftigung mit den eigenen Gänsen, Hühnern, Enten und
Puten, an der sein Herz hängt. Und die ihm, dem Feinschmecker und seiner
Familie eine Tafel erlaubt, die sie sich sonst bestimmt nicht leisten
würden. Die Freunde, Nachbarn, Kollegen nicht zu vergessen, deren Gaumen
auch davon profitiert. Denn die Tiere haben natürlich viel Auslauf und
werden mit Biokörnern gefüttert, versteht sich. Und das schmeckt man!
Für sein Sozialprestige braucht Reiner Dohmann die Beförderung und das
Geld auch nicht. Im Gegenteil, sie würden ihm nicht mehr erlauben, mit
demselben Einsatz im Anglerverein, im Musikverein (als Klarinettist) mit all
seinen kirchlichen und gemeindlichen Aktivitäten dabei zu sein, genauso
wenig wie in der Parteipolitik. Thomes Reiner tut nicht nur viel für die
Gemeinschaft, er wird dafür auch entsprechend geachtet und geliebt. Dieses
Ansehen kann ihm kein noch so gut bezahlter Job verschaffen. |

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