Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Minister Dr. Vesper, lieber Michael,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Temme,
liebe Freundinnen und Freunde,
"Ohne Menschen keine Wirtschaft", das ist genauso als Ausruf
gemeint, wie es klingt:
Ohne Menschen keine Wirtschaft. Ausrufezeichen.
Nicht das Geld, nicht das Kapital und auch nicht der Markt machen die
Wirtschaft, sondern die handelnden, entscheidenden, tätigen Menschen.
Es erscheint notwendig, diese banale Erkenntnis in unserer Zeit als
Wahrheit ins Gedächtnis zu rufen.
In unserer Zeit der Globalisierung der Märkte, allen voran des
Finanzmarktes und der Spekulation, sowie des neoliberalen
Wirtschaftsglaubens wird uns eingeredet, daß der Markt und die ökonomische
Rationalität des größtmöglichen Profits unser Wirtschaften regieren
würden.
Das stimmt aber nicht! Selbst die Weltbank und der Internationale
Währungsfonds werden von Menschen gemacht, genauso wie die Verträge des
GATT, der Welthandelsorganisation und der die Kontinente überspannenden
Gemeinsamen Märkte von Menschen gemacht und unterschrieben sind.
Nun gut, denen da oben schreibt man noch wirtschaftliche Entscheidungs-
und Handlungsmacht zu. Aber wir kleinen Leute vor Ort können vorgeblich
nichts entscheiden, haben wir häufig zu hören bekommen. Angeblich
entscheidet allein der Markt, wie die Wirtschaft läuft, auch die Wirtschaft
in der Warburger Börde, angeblich entscheiden das solche wirtschaftlichen
Gesetze wie "je größer umso besser, je billiger umso
erfolgreicher". Wer sich nicht daran hält, dem drohe der
wirtschaftliche Untergang.
Auch das stimmt nicht! Wer, wenn nicht wir selbst sind die Experten
unseres alltäglichen Wirtschaftens. Oder essen wir etwa nicht, kleiden wir
uns etwa nicht, haben wir vielleicht kein Dach über dem Kopf, oder frieren
wir zwischen unseren Wänden? Und was anderes als genau das ist das Ergebnis
unseres erfolgreichen Wirtschaftens.
Alles andere würde bedeuten, daß wir die Verantwortung für unser Leben
in fremde Hände legen. Und wenn wir nur denen da oben die wirtschaftliche
Macht zugestehen, dann erklären wir selbst uns ohnmächtig und unmündig.
Deshalb wenden wir uns in unserem Forschungsprojekt über "Ansätze
regionalen Wirtschaftens in der ländlichen Gesellschaft am Beispiel der
Warburger Börde" uns mit unseren Fragen an die Menschen vor Ort,
genauso auch mit unseren Antworten und womöglichen Empfehlungen.
Die Warburger Börde ist eine reiche Region mit einer blühenden
Wirtschaft. Das haben wir weder dem Geld, noch dem Kapital, noch dem Markt
zu verdanken, sondern zuerst einmal dem lieben Gott, der diese Gegend mit
einem besonders fruchtbaren Boden gesegnet hat.
Dieser natürliche Reichtum der Börde, soll er nicht verspielt werden,
muß aber von ihren Menschen bewahrt, gehütet und gemehrt werden. Genau das
tun sie.
Noch lassen sich die Menschen hier, inmitten der Fülle, nicht vormachen,
daß sie in ihrem wirtschaftlichen Handeln von der Knappheit auszugehen
hätten, mit der ihre unbegrenzten Bedürfnissen befriedigt werden müssten,
denen aber nur knappe Mittel gegenüberstünden.
Manchmal, zugegebener Maßen, reden auch die Leute hier so, als müßten
sie ihr Wirtschaften von der Angst vor der Knappheit bestimmen lassen. Das
finden wir besorgniserregend, denn damit wird ja in der Tendenz
kaputtgeredet, was man hat. Aber die Menschen in der Warburger Börde halten
sich in Wirklichkeit viel weniger an diese Rede, als sie selbst behaupten.
Nach wie vor gehört hier die Gegenseitigkeit zur gemeinschaftlich geteilten
Moral. Deshalb wird auch viel mehr miteinander gewirtschaftet, vor Ort,
verläßlich, zwischen Menschen, die sich kennen, mehr als die Leute in der
Warburger Börde bewußt selbst wahrnehmen.
Und Wirtschaften heißt eben nicht den größtmöglichen Profit erzielen
zu wollen, sondern heißt seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten und für ein
gutes Leben zu sorgen: Für gutes Essen, Trinken, gute Kleidung, ein
schönes zu Hause, Geselligkeit. Das vor allem: Für ein gutes Zusammenleben
mit den Nachbarn, mit den anderen im Dorf, in der Region.
Dieses soziale Kapital und nicht in erster Linie das Geldkapital ist die
Grundlage des lokalen und regionalen Wirtschaftens in der Börde.
Das Miteinander der Menschen, ihre Kultur und die Wirtschaft des guten
Lebens sind der Reichtum der Region.
Das wollen wir mit unserer Ausstellung spiegeln und hoffen, diese
eigenmächtige Haltung der Menschen hier dadurch auch zu bestärken.
Wir, das ist das Forschungsteam des ITPS, des Bielefelder Instituts für Theorie und Praxis
der Subsistenz, Andrea Baier, Brigitte Holzer und ich. Wir sind Mitglieder
eines außeruniversitären, kleinen sozialwissenschaftlichen Instituts, das
hier im Auftrag des Bundesforschungsministeriums forscht und das zum Zwecke
dieser Projektdurchführung unter die Fittiche der Universität Bielefeld
genommen worden ist: Konkret unter die Fittiche des Sozialgeographen Prof.
Dr. Uli Mai, dem wir dafür sehr dankbar sind (dem ich herzlich dafür
danken möchte).
Die fotografische Arbeit für das Projekt liegt in Händen der
Fotodesignerin Cornelia Suhan, deren Können in der
Sozialfotografie Sie hier in der Ausstellung selbst ermessen mögen. Wir
haben schon in anderen Projekten miteinander gearbeitet. 10 Jahre.
Büchertisch
Ohne Menschen nicht nur keine Wirtschaft, sondern, so haben wir in den
letzten Wochen erfahren: Ohne Menschen keine Ausstellung! Nämlich ohne die
Hilfe, das Mitmachen und das fürsorgliche Mitdenken vieler Menschen in
Borgentreich und in der Region, von denen uns viele zu guten Freunden
geworden sind, hätten wir diese Ausstellung niemals auf die Beine stellen
können.
Und jetzt wird es schwierig, wo anfangen mit der Danksagung. Am besten,
habe ich mir gedacht, bei den Beinen der Ausstellung, nämlich den
Stellwänden.
Ein herzliches dickes Dankeschön geht an Ute Bannenberg, die - neben dem
vielen, vielen anderen, womit sie uns unterstützt - auch vermittelt hat,
daß uns die Schule des Laurentiusheims diese wunderbar großen und stabilen
Stellwände ausleiht. Unentgeltlich. Herr Martin Hagemann, der Leiter der
Schule hat ohne Zögern zugestimmt, und der Mitarbeiter des Heimes und
Kollege von Ute, Haribert Otto mit Sohn Daniel und Klient Dirk hat fast
einen ganzen Ferientag in der Weihnachtszeit dafür geopfert, die schweren
Wände hierher zu transportieren und zu schleppen.
Ja und dann das auf die Beine bringen der Ausstellung, das Aufbauen:
Heinz Ferdinand Baier, der Bruder von unserer Andrea Baier, dann Markus
Moors, Chronist von Körbecke und guter Freund, und schließlich mein Sohn
Daniel haben teilweise über mehrere Tage dafür gesorgt, daß die Bilder,
Texte und Grafiken hängen und stehen.
Möglich war das alles Dank der guten Vorarbeit und Zusammenarbeit mit
Herrn Schilling und Herrn Peter Conze vom Druckhaus Conze, in dessen Händen
die graphische Ausführung der gesamten Ausstellung gelegen hat. Diese gute
Arbeit und Zusammenarbeit im Rahmen des regionalen Wirtschaftens können Sie
hier selbst beurteilen.
Ja und dann möchte ich gleich mehreren Personen in der Stadtverwaltung
herzlich für ihre Unterstützung danken, nämlich unserem guten Engel in
der Verwaltung, Elvira Tewes, die an alles denkt, und das immer wieder, so
zuletzt daran, daß wir uns qua Mieterinnen um die Schneeräumarbeiten vor
der Schützenhalle kümmern müßten und wie immer gleich dazu sagt, wie das
gehen kann. Nämlich Herrn Bürgermeister Temme zu bitten, den städtischen
Bauhof zu beauftragen, das, nicht zuletzt angesichts des Besuches unseres
hohen Gastes, zu erledigen. Und der Herr Bürgermeister hat zum wiederholten
Mal gerne geholfen. Herr Temme, ich möchte Ihnen hier heute in aller
Öffentlichkeit ganz herzlich für Ihre Ermutigung, die tatkräftige und die
moralische Unterstützung unseres Forschungsprojektes danken.
Mein Dank in der Stadtverwaltung geht auch an Herrn Husemann, der uns
gerne die CDrom mit der Karte der Stadtgemeinde zur Verfügung gestellt hat.
Vor allem geht ein großes Dankeschön an Herrn Bernhard Müller,
ebenfalls Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, insbesondere gilt mein Dank
ihm in seiner Funktion als Vorsitzender des Borgentreicher Schützenvereins.
Ich verdanke ihm viele Erkenntnisse durch Interviews und Gespräche, und
auch, daß wir diese Halle günstig mieten konnten. Danke auch an Herrn
Gottlob, der die Halle unermüdlich für uns auf- und zugeschlossen hat, und
früh aufsteht um sie zu beheizen.
Ja und dann mußten wir feststellen, daß wir in der Halle zu wenig Licht
für die Bilder haben, aber auch zu wenig Geld für zusätzliche
Beleuchtung. Herr Lange von der Volksbank, Herr Bürgermeister Temme und
auch die Sparkasse Borgentreich haben uns aber bereitwillig mit einer Spende
weitergeholfen und Andreas Fögen von Elektrofögen hat sich bereit
erklärt, auch ganz kurzfristig noch Lichtquellen zu installieren. Ihnen
allen dafür vielen Dank.
Dank auch an die helfenden Hände des heutigen Abends, an Fabian, an
Pascal und Olga, an Christof, die im Anschluß an unsere Einleitung ein paar
Mettbrötchen und Bier herumreichen werden, wozu Sie alle herzlich
eingeladen sind. Mit geschmückt und vorbereitet haben auch Maria Kösters
und viele andere. Maria Köster steht uns als Vorsitzende des hiesigen
Landfrauenverbandes seit langem unterstützend zur Seite, ebenso wie
Bernhard Kösters, Ortsvorsteher von Borgentreich und Vorsitzender des
hiesigen landwirtschaftlichen Ortsvereins, der schon vor Beginn der
Forschung seine Bereitschaft erklärt hat, uns als sog. Praxispartner im
BMBF Projekt zu begleiten. Dieser spezielle Dank geht auch an die
Landschaftsstation im Steinernen Haus, dort insbesondere an Sven Mindermann
und Josef Jacobi.
Unser allergrößter Dank freilich geht an unsere Interviewpartnerinnen
und -partner in der Region, die uns auch auf die zigste Nachfrage noch
geduldig geantwortet haben. Und insbesondere möchten wir jenen herzlichst
danken, die sich, teilweise trotz mannigfacher Bedenken, bereit erklärt
haben, mit einem Portrait oder sonstigem Foto höchst öffentlich und eben
nicht anonym, wie bei einer reinen Buchveröffentlichung, mit ihren Aussagen
und Meinungen bekannt zu werden.
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