Die Veranstaltungseröffnung

 

Foto: C. Suhan (weitere Eindrücke der Eröffnung von Andrea Baier)

Presse-Artikel

Neue Westfälische 1

Warburger Zeitung (68kb)

siehe auch:

Pressearchiv

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Minister Dr. Vesper, lieber Michael,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Temme,
liebe Freundinnen und Freunde,

"Ohne Menschen keine Wirtschaft", das ist genauso als Ausruf gemeint, wie es klingt:
Ohne Menschen keine Wirtschaft. Ausrufezeichen.

Nicht das Geld, nicht das Kapital und auch nicht der Markt machen die Wirtschaft, sondern die handelnden, entscheidenden, tätigen Menschen.

Es erscheint notwendig, diese banale Erkenntnis in unserer Zeit als Wahrheit ins Gedächtnis zu rufen.

In unserer Zeit der Globalisierung der Märkte, allen voran des Finanzmarktes und der Spekulation, sowie des neoliberalen Wirtschaftsglaubens wird uns eingeredet, daß der Markt und die ökonomische Rationalität des größtmöglichen Profits unser Wirtschaften regieren würden.

Das stimmt aber nicht! Selbst die Weltbank und der Internationale Währungsfonds werden von Menschen gemacht, genauso wie die Verträge des GATT, der Welthandelsorganisation und der die Kontinente überspannenden Gemeinsamen Märkte von Menschen gemacht und unterschrieben sind.

Nun gut, denen da oben schreibt man noch wirtschaftliche Entscheidungs- und Handlungsmacht zu. Aber wir kleinen Leute vor Ort können vorgeblich nichts entscheiden, haben wir häufig zu hören bekommen. Angeblich entscheidet allein der Markt, wie die Wirtschaft läuft, auch die Wirtschaft in der Warburger Börde, angeblich entscheiden das solche wirtschaftlichen Gesetze wie "je größer umso besser, je billiger umso erfolgreicher". Wer sich nicht daran hält, dem drohe der wirtschaftliche Untergang.

Auch das stimmt nicht! Wer, wenn nicht wir selbst sind die Experten unseres alltäglichen Wirtschaftens. Oder essen wir etwa nicht, kleiden wir uns etwa nicht, haben wir vielleicht kein Dach über dem Kopf, oder frieren wir zwischen unseren Wänden? Und was anderes als genau das ist das Ergebnis unseres erfolgreichen Wirtschaftens.

Alles andere würde bedeuten, daß wir die Verantwortung für unser Leben in fremde Hände legen. Und wenn wir nur denen da oben die wirtschaftliche Macht zugestehen, dann erklären wir selbst uns ohnmächtig und unmündig.

Deshalb wenden wir uns in unserem Forschungsprojekt über "Ansätze regionalen Wirtschaftens in der ländlichen Gesellschaft am Beispiel der Warburger Börde" uns mit unseren Fragen an die Menschen vor Ort, genauso auch mit unseren Antworten und womöglichen Empfehlungen.

Die Warburger Börde ist eine reiche Region mit einer blühenden Wirtschaft. Das haben wir weder dem Geld, noch dem Kapital, noch dem Markt zu verdanken, sondern zuerst einmal dem lieben Gott, der diese Gegend mit einem besonders fruchtbaren Boden gesegnet hat.

Dieser natürliche Reichtum der Börde, soll er nicht verspielt werden, muß aber von ihren Menschen bewahrt, gehütet und gemehrt werden. Genau das tun sie.

Noch lassen sich die Menschen hier, inmitten der Fülle, nicht vormachen, daß sie in ihrem wirtschaftlichen Handeln von der Knappheit auszugehen hätten, mit der ihre unbegrenzten Bedürfnissen befriedigt werden müssten, denen aber nur knappe Mittel gegenüberstünden.

Manchmal, zugegebener Maßen, reden auch die Leute hier so, als müßten sie ihr Wirtschaften von der Angst vor der Knappheit bestimmen lassen. Das finden wir besorgniserregend, denn damit wird ja in der Tendenz kaputtgeredet, was man hat. Aber die Menschen in der Warburger Börde halten sich in Wirklichkeit viel weniger an diese Rede, als sie selbst behaupten. Nach wie vor gehört hier die Gegenseitigkeit zur gemeinschaftlich geteilten Moral. Deshalb wird auch viel mehr miteinander gewirtschaftet, vor Ort, verläßlich, zwischen Menschen, die sich kennen, mehr als die Leute in der Warburger Börde bewußt selbst wahrnehmen.

Und Wirtschaften heißt eben nicht den größtmöglichen Profit erzielen zu wollen, sondern heißt seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten und für ein gutes Leben zu sorgen: Für gutes Essen, Trinken, gute Kleidung, ein schönes zu Hause, Geselligkeit. Das vor allem: Für ein gutes Zusammenleben mit den Nachbarn, mit den anderen im Dorf, in der Region.

Dieses soziale Kapital und nicht in erster Linie das Geldkapital ist die Grundlage des lokalen und regionalen Wirtschaftens in der Börde.

Das Miteinander der Menschen, ihre Kultur und die Wirtschaft des guten Lebens sind der Reichtum der Region.

Das wollen wir mit unserer Ausstellung spiegeln und hoffen, diese eigenmächtige Haltung der Menschen hier dadurch auch zu bestärken.

Wir, das ist das Forschungsteam des ITPS, des Bielefelder Instituts für Theorie und Praxis der Subsistenz, Andrea Baier, Brigitte Holzer und ich. Wir sind Mitglieder eines außeruniversitären, kleinen sozialwissenschaftlichen Instituts, das hier im Auftrag des Bundesforschungsministeriums forscht und das zum Zwecke dieser Projektdurchführung unter die Fittiche der Universität Bielefeld genommen worden ist: Konkret unter die Fittiche des Sozialgeographen Prof. Dr. Uli Mai, dem wir dafür sehr dankbar sind (dem ich herzlich dafür danken möchte).

Die fotografische Arbeit für das Projekt liegt in Händen der Fotodesignerin Cornelia Suhan, deren Können in der Sozialfotografie Sie hier in der Ausstellung selbst ermessen mögen. Wir haben schon in anderen Projekten miteinander gearbeitet. 10 Jahre. Büchertisch

Ohne Menschen nicht nur keine Wirtschaft, sondern, so haben wir in den letzten Wochen erfahren: Ohne Menschen keine Ausstellung! Nämlich ohne die Hilfe, das Mitmachen und das fürsorgliche Mitdenken vieler Menschen in Borgentreich und in der Region, von denen uns viele zu guten Freunden geworden sind, hätten wir diese Ausstellung niemals auf die Beine stellen können.

Und jetzt wird es schwierig, wo anfangen mit der Danksagung. Am besten, habe ich mir gedacht, bei den Beinen der Ausstellung, nämlich den Stellwänden.

Ein herzliches dickes Dankeschön geht an Ute Bannenberg, die - neben dem vielen, vielen anderen, womit sie uns unterstützt - auch vermittelt hat, daß uns die Schule des Laurentiusheims diese wunderbar großen und stabilen Stellwände ausleiht. Unentgeltlich. Herr Martin Hagemann, der Leiter der Schule hat ohne Zögern zugestimmt, und der Mitarbeiter des Heimes und Kollege von Ute, Haribert Otto mit Sohn Daniel und Klient Dirk hat fast einen ganzen Ferientag in der Weihnachtszeit dafür geopfert, die schweren Wände hierher zu transportieren und zu schleppen.

Ja und dann das auf die Beine bringen der Ausstellung, das Aufbauen: Heinz Ferdinand Baier, der Bruder von unserer Andrea Baier, dann Markus Moors, Chronist von Körbecke und guter Freund, und schließlich mein Sohn Daniel haben teilweise über mehrere Tage dafür gesorgt, daß die Bilder, Texte und Grafiken hängen und stehen. 

Möglich war das alles Dank der guten Vorarbeit und Zusammenarbeit mit Herrn Schilling und Herrn Peter Conze vom Druckhaus Conze, in dessen Händen die graphische Ausführung der gesamten Ausstellung gelegen hat. Diese gute Arbeit und Zusammenarbeit im Rahmen des regionalen Wirtschaftens können Sie hier selbst beurteilen.

Ja und dann möchte ich gleich mehreren Personen in der Stadtverwaltung herzlich für ihre Unterstützung danken, nämlich unserem guten Engel in der Verwaltung, Elvira Tewes, die an alles denkt, und das immer wieder, so zuletzt daran, daß wir uns qua Mieterinnen um die Schneeräumarbeiten vor der Schützenhalle kümmern müßten und wie immer gleich dazu sagt, wie das gehen kann. Nämlich Herrn Bürgermeister Temme zu bitten, den städtischen Bauhof zu beauftragen, das, nicht zuletzt angesichts des Besuches unseres hohen Gastes, zu erledigen. Und der Herr Bürgermeister hat zum wiederholten Mal gerne geholfen. Herr Temme, ich möchte Ihnen hier heute in aller Öffentlichkeit ganz herzlich für Ihre Ermutigung, die tatkräftige und die moralische Unterstützung unseres Forschungsprojektes danken.

Mein Dank in der Stadtverwaltung geht auch an Herrn Husemann, der uns gerne die CDrom mit der Karte der Stadtgemeinde zur Verfügung gestellt hat.

Vor allem geht ein großes Dankeschön an Herrn Bernhard Müller, ebenfalls Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, insbesondere gilt mein Dank ihm in seiner Funktion als Vorsitzender des Borgentreicher Schützenvereins. Ich verdanke ihm viele Erkenntnisse durch Interviews und Gespräche, und auch, daß wir diese Halle günstig mieten konnten. Danke auch an Herrn Gottlob, der die Halle unermüdlich für uns auf- und zugeschlossen hat, und früh aufsteht um sie zu beheizen.

Ja und dann mußten wir feststellen, daß wir in der Halle zu wenig Licht für die Bilder haben, aber auch zu wenig Geld für zusätzliche Beleuchtung. Herr Lange von der Volksbank, Herr Bürgermeister Temme und auch die Sparkasse Borgentreich haben uns aber bereitwillig mit einer Spende weitergeholfen und Andreas Fögen von Elektrofögen hat sich bereit erklärt, auch ganz kurzfristig noch Lichtquellen zu installieren. Ihnen allen dafür vielen Dank.

Dank auch an die helfenden Hände des heutigen Abends, an Fabian, an Pascal und Olga, an Christof, die im Anschluß an unsere Einleitung ein paar Mettbrötchen und Bier herumreichen werden, wozu Sie alle herzlich eingeladen sind. Mit geschmückt und vorbereitet haben auch Maria Kösters und viele andere. Maria Köster steht uns als Vorsitzende des hiesigen Landfrauenverbandes seit langem unterstützend zur Seite, ebenso wie Bernhard Kösters, Ortsvorsteher von Borgentreich und Vorsitzender des hiesigen landwirtschaftlichen Ortsvereins, der schon vor Beginn der Forschung seine Bereitschaft erklärt hat, uns als sog. Praxispartner im BMBF Projekt zu begleiten. Dieser spezielle Dank geht auch an die Landschaftsstation im Steinernen Haus, dort insbesondere an Sven Mindermann und Josef Jacobi.

Unser allergrößter Dank freilich geht an unsere Interviewpartnerinnen und -partner in der Region, die uns auch auf die zigste Nachfrage noch geduldig geantwortet haben. Und insbesondere möchten wir jenen herzlichst danken, die sich, teilweise trotz mannigfacher Bedenken, bereit erklärt haben, mit einem Portrait oder sonstigem Foto höchst öffentlich und eben nicht anonym, wie bei einer reinen Buchveröffentlichung, mit ihren Aussagen und Meinungen bekannt zu werden.

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C. Suhan

 

 
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Stand: 06.03.03