Nachhaltige Elemente bäuerlichen Wirtschaftens

 

 

Wir gehen davon aus, daß die bäuerliche Gesellschaft eigentlich sehr viele nachhaltige Elemente enthält, die auch nach wie vor wirksam sind. Auf einem Bauernhof geht s in sehr unmittelbarer Weise darum, die Grundlagen des Wirtschaftens für die nächste Generation und auf Dauern zu erhalten. Auch wenn die Bauern weitgehend dem Wachstumszwang gefolgt sind – oder kapituliert haben -, gibt es auf dem Land ein deutliches Gefühl für die Grenzen des Wachstums sowie für die Eingebundenheit des Menschen in natürlichen Kreisläufe.

Es gibt damit zusammenhängend auch eine größere Sensibilität für die Angewiesenheit der Menschen untereinander und entsprechend einen größeren “Respekt” für das informelle Wirtschaften bzw. die Subsistenzwirtschaft. Selbstverständlich gibt es gleichzeitig auch das Bestreben, all das zu überwinden, gibt es die Verachtung für die kleine Wirtschaft, für die Selbstversorgung.

Um so erstaunlicher, daß sich die Subsistenzlogik allen Widrigkeiten zum Trotz behauptet. Sie behauptet sich in der Gartenbewirtschaftung und Hühnerhaltung, in der Weigerung, sich an Verträge zu binden, im Engagement für die Dorfgemeinschaft, im Festhalten an all den angeblich unwirtschaftlichen Gewohnheiten; mit all dem aber wird ein bestimmtes gesellschaftliches Klima geschaffen, das den sozialen Beziehungen im Dorf zugute kommt. Und die spielen bei der Regionalisierung von Wirtschaft eine entscheidende Rolle.

In der Wirklichkeit sind wirtschaftliche Fragen soziale Fragen; es geht darum, ob die Leute miteinander zu tun haben (wollen), und das wird nur dann der Fall sein, wenn sie sich mit ihrer Region, dem Dorf, der Landschaft, den Menschen, die dort leben, identifizieren können.

Soziale Nachhaltigkeit ist für das Projekt Regionalisierung zentral: Die landwirtschaftliche Produktion wird nicht insgesamt nachhaltiger werden können, wenn es nicht einen Ort für diese soziale Nachhaltigkeit gibt, wenn es nicht Menschen gibt, die sich ihrer annehmen: Weil es ihren Zusammenhängen vor Ort nützt, wenn sie (wieder) mehr miteinander wirtschaften.


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Stand: 06.03.03