Was heißt Regionalisierung der Wirtschaft im 21. Jahrhundert?
I
Regionales Wirtschaften nicht gegen oder statt
Globalisierung der Wirtschaft
Die Wirtschaft einer Region kann sich nicht gegen und auch nicht statt
des Weltmarktsanschlusses entwickeln. Er ist eine Tatsache, in manchen
Aspekten womöglich wünschenswert, aber in vielen anderen Aspekten auch
zerstörerisch.
II
Ansätze für die Regionalisierung der Wirtschaft im Rahmen
der Globalisierung
In der Warburger Börde (wie in anderen ländlichen, aber auch städtischen
Regionen Deutschlands) besteht nach wie vor eine gute Versorgung mit den
Gütern des alltäglich Notwendigen aus der Region.
III
Essen, Trinken, Kleiden, Bauen werden nach wie vor mit
einheimischen regionalen Mitteln gewährleistet
Nachbarschaftshilfe, Gemüse- und Obstgärten, Saften und Mosten,
Hühner/Eier, Gänse, Enten, Puten, Ziegen, Schafe, Schweine, Hausschlachtung/
wursten, Holz aus dem heimischen Forst / heizen, bauen, schreinern, Wolle/
stricken, Nähmaschine, Maschinen reparieren .....:
all diese Güter und all dieses Können werden in der Warburger Börde
heutzutage intensiv genutzt.
IV
Das informelle Wirtschaften (unbezahlt und/oder ohne
Vertrag/Nachweis bezahlt) ist die Basis für das handwerkliche formelle
regionale Wirtschaften
Die Hauswirtschaft, das Hausschlachten, die Nachbarschaftshilfe und die
Hofwirtschaft dienen der guten eigenen Versorgung. Sie pflegen das Eigene
und die Spezialitäten. Aber sie schaffen damit auch die Voraussetzung für
das besondere Können und die besondere Wertschätzung des heimischen
Handwerks: Fleischerei, Schlachterei, Bäckerei, Partyservice,
Landschaftsgärtnerei, Raumausstattung, Tischlerei, Baugewerbe, Floristik,
Geschenkartikel, Schneiderei....
V
Der lokale/regionale Versorgungskreislauf ist die Basis
für das regionale Wirtschaften im 21. Jh.
Der lokale/regionale Versorgungskreislauf in der Warburger Börde aus
informellem und formellem Wirtschaften besteht vor allem hinsichtlich des
guten Essens (Fleischwaren, Kuchen, Gartengemüse) sowie des Bauen und
Wohnens unter Einsatz des eigenen handwerklichen Könnens. Um dieses Zentrum
herum kreist die Wertschätzung für das Eigene und das Wirtschaften für das
Eigene. Diese Kreise können gestärkt und ausgeweitet werden weiter
hinsichtlich des Essens, aber auch hinsichtlich des Kleidens, Hausens,
Bauens wie hinsichtlich der Arbeit/Produktion in heimischer Architektur, im
Kunsthandwerk, in der bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, der
Geschichtsforschung ...
VI
Der lokale/regionale Versorgungskreislauf ist auch die
Basis für das regionale Wirtschaften für den Weltmarkt
Auch die Produktion für den Weltmarkt kann regional organisiert sein. Das
zeigt sich in der Börde u.a. an der Schweinemast: Bestehende traditionale
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Höfen führen immerhin noch zur regional
verbundenen Sauen-, Ferkel- und Mastschweineaufzucht für den großen
überregionalen Markt. Aber auch diese regionalen Wirtschaftszusammenhänge
setzen gegenseitiges Vertrauen voraus. Und ohne den Versorgungskreislauf als
Grundlage gibt es auch auf dem Land kein Vertrauen mehr.
VII
Aber: Die Politik im Interesse der Konzernglobalisierung
entzieht dem regionalen Wirtschaften die gesetzlichen Grundlagen
Viele Voraussetzungen und Aspekte des regionalen Wirtschaftens werden
zunehmend als illegal abgestempelt. Von kleinen und kleinsten Betrieben und
Produktionsstätten werden dieselben Filter, Schutzauflagen und
Kontrollmaßnahmen gefordert, wie von großen und Fabrikbetrieben. Dabei gehen
die Gefahren bekanntlich von der Massenproduktion aus, die durch solche
Auflagen noch vorangetrieben wird. Denn die Kleinen werden durch diese
Auflagen aus dem Markt gedrängt. Ferner wird die gegenseitige Hilfe in der
Nachbarschaft, dem Freundeskreis, dem Verein, der Verwandtschaft usw. durch
den Verdacht der Schwarzarbeit eingeengt. Hygieneauflagen behindern die
Direktvermarktung von Haus zu Haus.
VIII
Jedoch: Es gibt durchaus eigenständiges und eigensinniges Handeln im
Alltäglichen gegen diese Entmündigung
Und regionales Wirtschaften braucht viele dieser kleinen, selbstbewußten,
alltäglichen, eigenmächtigen Taten. Dann kann es zu einer neuen starken
Wirtschaft werden. |

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