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I
Was ist soziales Kapital?
Sich kennen, sich vertrauen, sich aufeinander
verlassen können ist für eine blühende Wirtschaft genauso wichtig wie Geld,
der Boden, Immobilien und materielle Güter. Das hat die
Wirtschaftswissenschaft seit ein paar Jahren erkannt und spricht deshalb von
sozialem Kapital.
II
Wie hängt das soziale mit dem ökonomischen
Kapital zusammen?
Wo sozialer Friede herrscht, Sicherheit auf den
Straßen, wie im Haus, und eine zupackende Art, dort mögen die Menschen
bleiben, dort investieren sie, nämlich in ein gutes Leben.
III
Das Dorf ist ein Ort für das ökonomische
Kapital des guten Lebens. Es ist kein Ort für den Raubkapitalismus.
Das Dorf, wie wir es (noch?) kennen, schafft soziales
Kapital: In den Vereinen, im Gasthof, auf dem Schützenfest, beim Gespräch
auf der Bank vorm Haus, beim Wursten, beim Tausch über den Gartenzaun ...
Man kennt sich, ist aufeinander angewiesen. Deshalb ist es unmöglich, das
ökonomische Kapital gezielt auf Kosten der anderen zu mehren, wie es etwa in
den Weltmarktfabriken geschieht. Noch hat der globale Raubkapitalismus hier
auf dem Land keine Chance.
IV
Der gute Boden und die dörfliche
Gemeinschaft sind der Reichtum des Warburger Landes.
Hier gibt es noch viele Bauern und Bäuerinnen und
viele handwerklich-bäuerlich geprägte Dörfer. Weil man noch viel miteinander
wirtschaftet, weil viel von dem Wert dessen, was erwirtschaftet wird, auch
in der Region bleibt, statt abzufließen, ist dies eine wohlhabende Gegend.
Deshalb geht es den Leuten hier so gut. Und den Haushalten geht es besser
als jedem Haushalt mit vergleichbarem Einkommen in der Stadt.
V
Aber auch soziales Kapital kann aufgebraucht
werden.
Wenn an die Stelle der Moral der Gegenseitigkeit,
endgültig die Moral des niedrigsten Preises tritt (je billiger umso
besser), ist das Vertrauen aufgebraucht. Nicht nur das ökonomische Erbe,
auch das soziale Erbe kann verfrühstückt werden.
VI
Und was kommt dann? |