„Die Wurst, so wie sie jedem gefällt, der eine ein bißchen schärfer, der andere nur mit Pfeffer und Salz.  

 

 

 Von Hand gewürzt, nicht gewogen, und man macht dann viele verschiedene Sorten. Man hat ja Zeit.”

Der Hausschlachter Karl Koch

Der Hausschlachter nimmt im handwerklich gewerblichen und im hauswirtschaftlichen Leben eine wichtige Rolle ein. Er macht es möglich, daß die Leute “selber schlachten” und “eigene Wurst” haben.

“Die Hausschlachtungen werden immer weniger”, glauben die Leute, in Wirklichkeit aber finden sie nach wie vor statt, und so manche Wurstküche wird neu eingerichtet. Oft wird beim örtlichen Fleischer oder beim Schlachthof geschlachtet, gewurstet wird dann aber zu Hause, und der Hausschlachter ist immer mit von der Partie.

Ist die Hausschlachtung eine Konkurrenz für das lokale Metzgergewerbe? Wohl kaum!

“Zur Ernte kamen immer viele Leute zu uns, um uns zu helfen. Meine Eltern sind eben sehr großzügig. Sie waren bereit, zu geben. Abends dann, nach der Arbeit war oft richtig Party hinter dem Haus. Dann kam der beste Wein, der beste Schnaps, der gute Schinken auf den Tisch. Und wenn wir selber keinen hatten, wurde ich zur Fleischerei geschickt, um gute Wurst zu kaufen.”
(Die Tochter eines Landwirts in der Börde)

Der “gute” Schinken, die “gute” Mettwurst sind eigene. Sie sind von dem Schwein, das man sich vom Schwager oder Vereinsfreund organisiert hat, von dem Tier, das für einen extra länger gestanden hat. Sie sind aus der Hausschlachtung, für die einiges an Schnaps gebraucht wurde, bei der die einen oder anderen Freunde und Verwandten mit dabei waren. Der gute Schinken und die gute Mettwurst sind von eigener Hand gesalzen und gewaschen, über Wochen gehegt und gepflegt. Sie haben diese ganze Geschichte in sich, die die Leute vom Ort oder aus der Gegend zusammenbringt und die aus Fleisch Mettwurst und Schinken macht, die “von hier” sind, genauso wie die Tradition, daß sie hier immer schon so gemacht wurden. Das alles schmeckt.  

Wenn der eigene Schinken zu Hause alle ist - oder die Leute keinen eigenen mehr haben, weil sie selbst nicht mehr schlachten - dann wird “gute Wurst” beim Fleischer geholt. Gäbe es die Hausschlachtung nicht, wüßten die Leute nicht mehr um die “gute Wurst”.

Die Hausschlachtung und das kleine Fleischerhandwerk verbindet außerdem derselbe wirtschaftliche Geist. Geschlachtet wird so viel, wie auch gegessen wird - in der Familie, Verwandtschaft oder eben am Ort und in der Region. Die (gute) Versorgung gibt den Maßstab ab und nicht das möglichst billige Herstellen von möglichst vielen Produkten, die zu einem möglichst billigen Preis - oft weit weg - verkauft werden.


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Stand: 06.03.03