Schweine bringen Scheine

... und was sonst noch? Die Schweinemast in der Diskussion - Landwirte und Nicht-Landwirte diskutierten am Sonntag, den 12.1.2002 zum Frühschoppen in der Schützenhalle

Warburg am Sonntag vom 20.1.02 Presse-Artikel pdf-file 308 kb

„Leute fahren gerne ein schönes Auto, das sie überall vorzeigen können. Sie können nicht vorzeigen, dass sie heute irgendwo ein hochpreisiges Nahrungsmittel gekauft haben. Das können sie nicht vorzeigen, das ist eben so. Da müssen sie selbst von überzeugt sein. Da müssen sie Selbstbewusstsein haben und sagen, ich brauche so ein teures Auto nicht, ich kaufe lieber ein teures Nahrungsmittel.“

So fasst Antonius Tillmann aus Bonenburg bei Warburg in Westfalen zusammen, in welcher Ausgangslage Landwirte heute das Gefühl haben, dass sie sich befinden. Es ist Sonntag, der 13. Januar, Frühschoppen in der Schützenhalle Borgentreich zum Thema „Schweine bringen Scheine“ und was sonst noch? Die Schweinemast in der Diskussion - Landwirte und Nicht-Landwirte diskutieren.“ Zum Frühschoppen haben Dipl. Soz. Andrea Baier, Prof. Dr. Veronika Bennholdt-Thomsen und Dr. Brigitte Holzer geladen, drei Forscherinnen, die im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes „Ansätze regionalen Wirtschaftens in der ländlichen Gesellschaft: Die Warburger Börde, nach zweieinhalbe Jahren Arbeit ihre Zwischenergebnisse in der Schützenhalle der Kernstadt des Foschungsgebietes präsentieren

Eine heiße Diskussion ist aus dem Frühschoppen nicht geworden. Eher eine informative. Es lag durchaus in der Intention der Veranstalterlinnen, zu versuchen, über die Ebene der gegenseitigen Vorwürfe - Nicht-Landwirte an Landwirte, biologisch wirtschaftende an konventionell wirtschaftende - hinaus zu kommen und eine Diskussionsgrundlage zu schaffen, in der alle Bevölkerungsgruppen sich in die Verantwortung genommen sehen, eine für alle verträgliche Landwirtschaft möglich zu machen. Vier Landwirte und eine Landwirtin sitzen neben Brigitte Holzer, die moderiert, auf dem Podium und präsentieren in einer ersten Runde ihre Betriebe - deren Geschichten - die untrennbar mit den einzelnen Lebensgeschichten verknüpft sind. Keiner ist wie der andere, jeden Betrieb haben ganz bestimmte Entscheidungen dahin gebracht, wo er heute steht und in jede Entscheidung sind konkrete Gefühle und Überlegungen, auch Ängste eingeflossen.

Wie halten es die Podiumsteilnehmer und die –teilnehmerin mit der artgerechten Tierhaltung? Darum geht es im zweiten Teil der Veranstaltung. Und am Schluss diskutieren Podium und Publikum über die Möglichkeiten, neue Entwicklungen einzuleiten, anstelle am immergleichen Credo des „Wachsens oder Weichens“ in der Landwirtschaft festzuhalten. Wie muss ein Markt aussehen, der alle Beteiligten – Landwirte, Verbraucherinnen und Verbraucher und die Tiere auf ihre Kosten kommen lässt; wie können Märkte in Zusammenarbeit mit Verbraucherinnen und Verbrauchern geschaffen werden? Dabei gelang es, nicht die Politik der Parteien und Verbände zu diskutieren, vielmehr die Vorstellungen und Konzepte der Anwesenden.

Die kommentierte Zusammenfassung der Talk-Runde ist als Arbeitspapier des Forschungsprojektes „Regionales Wirtschaften in der Warburger Börde“ Nr. 11 erschienen und ist als Download verfügbar (pdf-file 150 kb)

Und hier ein paar fotografische Eindrücke der Veranstaltung von Cornelia Suhan
 

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Stand: 06.03.03