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Wir waren von der Annahme ausgegangen, die Frau auf dem Land, in der Börde
sei ähnlich isoliert wie die Hausfrau in der Stadt. Das scheint nicht
zuzutreffen. Vielmehr haben Frauen ihre Öffentlichkeit, ihren Platz in der
ländlichen Gesellschaft. Sie haben ihre Zusammenhänge, und sie tauchen als
Frauen in der ländlichen Gesellschaft auf. Man kann sagen, der
gemeinschaftliche Charakter der Region ist vorteilhaft für Frauen.
Insbesondere die Frau auf dem Hof ist eingebunden in eine
Generationenfolge. Es handelt sich um den Hof von XY, in den sie
eingeheiratet hat oder auf dem sie geboren wurde, ein Hof, der in einem
verwandtschaftlichen, nachbarlichen, bekanntschaftlichen Verhältnis zu
anderen Höfen steht, immer schon, von alters her etc. Das heißt, sie ist
über den Hof automatisch verortet, hat einen Platz, befindet sich in einem
Gefüge, das älter ist als sie und das über den einzelnen Hof hinausgeht.
Durch die patriarchale Erbfolge gerät die Frau mit ihrer Heirat zwar in
gewisser Weise "in die Fremde", was ihre Position in der
Geschlechterauseinandersetzung auch beeinträchtigt, aber sie ist nicht
gänzlich wurzellos.
Unsere Annahme war, wenn Frauen Grund hätten, sich mit dem Dorf, mit der
Region zu identifizieren, dann könnte es auch interessant für sie sein,
sich für eine Re-Regionalisierung zu engagieren. Sie engagieren sich in der
Tat für die Lokalität. Sie betreiben beispielsweise die Integration ihrer
Kinder in den dörflichen Kontext mit großem Engagement. Der
gemeinschaftliche Rahmen örtlicher Ereignisse wird vor allem von Frauen
geschaffen. Sie backen die Torten und brühen den Kaffee bei solchen
Gelegenheiten. Obwohl sich die Gesellschaftlichkeit des Dorfes ansonsten vor
allem über die Vereinsaktivitäten, die von den Männern dominiert werden,
herstellt, und Frauen hier an der Produktion von Lokalität und
Gemeinschaftlichkeit zwar auch wesentlich beteiligt sind, aber in den eher
unterstützenden, unauffälligeren Positionen, gibt es auch die
frauengesellschaftlichen Zusammenhängen. Die Frauen treffen sich im Rahmen
des Landfrauenverbandes, des Turn- und Kegelvereins, der Katholischen Frauen
Deutschlands. Die Arbeit, die sie in diesem Zusammenhang leisten, wird in
dem Maße wahrgenommen und wertgeschätzt, in dem es noch die Wertschätzung
für eine informelle Ökonomie gibt. Diese Wertschätzung gibt es und Frauen
profitieren davon.
Jedenfalls ist das Geschlechterverhältnis offenbar nicht der Frauen
vordringliches Problem. Auf alle Fälle schmälert es nicht ihre
Bereitschaft, sich für die regionale Gesellschaft zu engagieren. Es stellt
sich eher die Frage, inwieweit dieses Engagement auch regionale
Nachhaltigkeit bewirkt oder womöglich sogar das Gegenteil. Auch Frauen
vermeiden beispielsweise Kritik an einer Ausrichtung der
landwirtschaftlichen Produktion, die in der Börde nicht eben nachhaltig
ist, vermutlich auch deshalb, um den dörflichen Zusammenhalt nicht zu
gefährden. Daß Frauen ihre Zusammenhänge und gesellschaftliche Position
nutzen würden, um die Frage nach einer anderen, eben regional orientierten
Ökonomie zu stellen, ist nicht zu beobachten. Allerdings sind vor allem sie
es, deren wirtschaftliche Tätigkeiten in die Richtung des regional
orientierten Wirtschaftens weisen.
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