Wirtschaftskreislauf

In Gruppendiskussionen (z.Bsp.: dreitägiges Seminar der ostwestfälisch-lippischen Landfrauen an der katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, Sitzung des Bauernverbandes und der Landwirtschaftskammer in Borgentreich zu BSE, Diskussionsrunde im Anschluß an die Präsentation der Forschungsergebnisse von A. Baier) und in Einzelgesprächen kommt zum Ausdruck, daß die BewohnerInnen kein Vertrauen in regionale Wirtschaftskreisläufe haben. Sie sehen die großen Mastställe in der Börde, sie sehen, daß die Börde mehr Schweine produziert als die BewohnerInnen essen können. Das ist ein Grund. Der andere liegt darin, daß sie sich selbst als VerbraucherInnen beobachten. Sie gehen auch im Supermarkt und bei Aldi einkaufen - dort, wo es billiger ist. Dabei sind ihre Einkäufe im Supermarkt verständlich: Sie kaufen dort, was sie herstellen, das Schwein oder Rind, das sie an Westfleisch geliefert haben, und das war in ihren Augen auch nichts "Schlechtes". Es gehört mit zu den Merkmalen der intensiven Landwirtschaft der Börde, daß die BewohnerInnen in der Produktion und im Konsum auf den überregionalen und anonymen Markt hin orientiert sind. Das ist in ihren Augen das "normale" wirtschaftliche Verhalten, alles andere ist AußenseiterInnen vorbehalten ("Bios" und Leuten, die Geld haben).

Ein zentrales Ergebnis der Projektarbeit auf der Ebene der Methodologie ist es, zwei Wirtschaftskreisläufe voneinander zu unterscheiden. Es macht keinen Sinn, zur Stärkung regionaler, nachhaltiger Wirtschaft die Veränderung der großen Schweinemast und der Strukturen der überregionalen Wirtschaft in den Blick zu nehmen. Neue Handlungsorientierungen, die sich das Projekt zum Ziel macht, lassen sich auf dieser Ebene nicht herstellen, sind diese Strukturen in Form von großen Spalten/Güllemastställen zementiert und in Form von langlebigen Krediten festgeschrieben. Der "große", überregionale Kreislauf ist vorhanden. Es gibt ihn und vorerst wird es ihn geben. Er ist aber nur die Spitze des Eisberges, von dem der größte Abschnitt unsichtbar unter Wasser liegt. Das ist der kleine, primäre Wirtschaftskreislauf, der den großen überregionalen trägt, in dem Subsistenzproduktion und kleines Gewerbe zusammen wirken und in dem die Potentiale für regional-nachhaltige Wirtschaft enthalten sind.

 
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Stand: 06.03.03