Methode

Die Vorgehensweisen, die im Projekt entwickelt werden, um die Zielsetzungen zu erreichen bewegen sich auf zwei Ebenen. Die eine betrifft das analytische Werkzeug, die Forschungsperspektive, die Methodologie, die innerhalb des Projektteams erarbeitet wird, die andere die Interaktion mit den BördebewohnerInnen.

1. Zur Methodologie

a. Die Subsistenzperspektive

Wenn wir die Ökonomie in der Warburger Börde betrachten, umfaßt diese nicht nur das, woran Geld verdient und Profit erwirtschaftet wird. Vielmehr betrachten wir auch das, was für den Eigenkonsum produziert und was informell getauscht wird, als Wirtschaft: die ganze Arbeit im Haus, den Gemüsegarten, das Saftmosten, die Hühner, das Buttern und Käse machen, die Nachbarschaftshilfe. Wenn Wirtschaft bedeuten soll, sich eine Lebensgrundlage zu schaffen, dann gehört auch die Arbeit dazu, die die Leute leisten, um das Gefühl zu haben, in einer Gemeinschaft aufgehoben zu sein, die Arbeit, die konkret soziale Sicherheit und Ortsgebundenheit vermittelt ("situatedness"). Mit dem erweiterten Begriff von Wirtschaft wird es möglich, den Radius aller Aktivitäten der BördebewohnerInnen abzuzirkeln, und festzuhalten, auf welchen "ökonomischen" Ebenen sie am Erhalt ihres sozialen Gefüges bzw.der Identifikation damit, arbeiten und umgekehrt.

b. Am Bestehenden anknüpfen

Die Subsistenzperspektive arbeitet dieser Leitlinie, an Bestehendes anzuknüpfen, unmittelbar zu. Dahinter steht die Annahme, daß die Menschen sich dann in regional-ökonomische Aktivitäten langfristig einbinden, wenn sie an ihnen vertraute kulturelle Handlungsmuster anschließen. In diesem Fall erscheinen Neuorientierungen nicht als "aufgesetzt". Am Bestehenden anknüpfen heißt, den Leuten vor Augen zu führen, wie das Zusammenspiel all dessen, was sie tun, dazu beiträgt, ihre Region als Lebens- und Wirtschaftsort zu erhalten. Sie tun es immer wieder gegen den Strom. So gibt es Bauern, die den Betrieb nicht so erweitern, wie die Landwirtschaftskammer ihnen anrät, auch um den Preis, keine Förderungen zu bekommen. Bäuerinnen weigern sich, in die Babyferkelproduktion einzusteigen, sprich die Ferkel bereits zwei Wochen nach der Geburt von der Muttersau zu trennen, um sie im separaten Arbeitsgang aufzuziehen, auch wenn die Kammer sie dazu drängt. Ställe werden mitunter so angelegt, daß sie tierfreundlicher sind, als die Vorschriften es verlangen, auch um den Preis von mehr Arbeit. Oft belegen die Landwirte nicht alle Mastplätze. Sehr viele Frauen in der Region bewirtschaften gegen den Zeitgeist immer noch ihren Garten. Gerade an den Brüchen wollen wir Eigenmacht und Eigenwilligkeit spiegeln und erscheinen alternative Handlungsoptionen nicht mehr nur als Bevormundung einerseits oder Illusionen andererseits.

2. Methoden der Interaktion

  1. Präsentation und Diskussion der Projektergebnisse in den "Arenen" der Gemeindeöffentlichkeit. Dazu gehören gemeinsame Veranstaltungen mit der Landschaftsstation genauso wie Vorträge im Kolpingverein, Pfarrheim, Orgelmuseum, die Teilnahme am lokalen Agendaprozess.
  2. Teilnahme an den etablierten Diskussionsforen (Bsp.: dreitägiges Seminar der ostwestfälisch-lippischen Landfrauen an der katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, Sitzung des Bauernverbandes und der Landwirtschaftskammer in Borgentreich u.s.w.)und sozialen Events (Bsp.:Seniorenkarneval, Frauenkaffee der KFD, Stadt- und Schützenfeste),
  3. Alltagskommunikation vor Ort (beim Einkaufen, Besuche machen),
  4. dialogische Interviewsituationen,
  5. Diskussionen einzelner Themen in Gruppeninterviews,
  6. Medien. Bisher Tagespresse, geplant sind Fernsehen, Rundfunk und Internet,
  7. (Vorbereitung der) Ausstellung über die bestehenden wirtschaftlichen, nachhaltigen, regionalen Aktivitäten und Diskussionsveranstaltungen in diesem Rahmen,
  8. teilnehmende Beobachtung an der Initiative für Regionales Marketing des Kreises Höxter.
 
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Stand: 06.03.03