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Ansätze regionalen Wirtschaftens in der Warburger Börde sind vorhanden. Es
gibt bspw. zwei Fleischereien in der 2500 EinwohnerInnen zählenden
Kernstadt, die nicht zukaufen, sondern selbst schlachten. "Unser
Gewerbe ist abhängig davon, daß die kleine Landwirtschaft bestehen
bleibt," beschreibt eine Metzgersfrau ihre wirtschaftliche Lage. Für
diese Abhängigkeit voneinander - Erhalt der kleinen Landwirtschaft, Erhalt
einer Versorgungsinfrastruktur vor Ort (Fleischer, Bäcker), gute,
überschaubare Nahrungsmittelqualität für die Verbraucher - finden die
BewohnerInnen allerdings keine politische Ausdrucksform, keine symbolische
Repräsentation.
An der "Regionalmarketing-Initiative", um die sich der Kreis
Höxter seit dem vorigen Jahr bemüht, die neben der Kreation einer
besonderen Brotmarke auch an einem Label für Qualitätsfleisch arbeitet,
beteiligen sich Landwirte bisher kaum, schon gar nicht die kleinen. Kleinere
Landwirte formulieren keine eigenen Interessen. Der Bauernverband ist ihre
geistige und konkrete Heimat. Dessen Diskurs und die von ihm mit getragene
Subventionenpolitik (je größer der Hof, umso größer die
"Belohnung") prägt auch den Blick der kleinen Landwirte. Ein
Nebenerwerbslandwirt lächelt gerührt, als er gefragt wird, ob er bereit
sei, für eine Forschung über die ländliche Wirtschaft in der Börde ein
Interview zu geben: "Wirtschaft? Da drüben sind die großen
Mastställe, da müssen Sie fragen. Ich habe doch nur 30 Schweine."
Kleine Höfe und Nebenerwerb können die Bauern selbst nur noch als
"Hobby" sehen. Sie sind Auslaufmodelle.
Die Schweine, die der besagte Bauer auf Stroh mästet, verkauft er an den
örtlichen Fleischer - aus der Not geboren - weil Westfleisch hohe
Transportkosten kassiert, die sich für die wenigen Tiere nicht bezahlt
machen. Als Fazit aus den teilstrukturierten Interviews im Rahmen der
Produktpfadanalyse ergibt sich: Der Fleischer bevorzugt das Fleisch vom
länger gemästeten Tier. Er kann seinen Kunden damit bessere Qualität
bieten als der Supermarkt. Davon wird kein Aufhebens gemacht. Es ist
selbstverständlich. Man kennt "Anton" im Ort und weiß, daß er
Gutes herstellt. Und auch der Bauer wird sich, solange er sich als
Übrigbleibsel aus vergangenen Zeiten betrachtet, wie es ihm allenthalben
eindringlich nahegelegt wird, kaum als Produzent besonderer Fleischqualität
stark machen. Den regionalen Kreislauf halten die beiden Geschäftspartner
mit dem Gefühl aufrecht, noch gibt es uns und nicht: durch ihn können wir
unsere Existenz sichern.
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