Aufbau eines nachhaltigkeitsorientierten Stoffstrommanagements in der Industrieregion Rhein-Neckar

Aus dem Blickwinkel einer nachhaltigkeitsorientierten Wirtschaftsweise sind industrielle Abfälle nichts anderes als temporär unerwünschte Stoffe und Bauteile. Diese sollten möglichst hochwertig und kleinräumig in eine erneute Produktionsphase überführt werden.

Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen sind die Möglichkeiten einer betriebsinternen Verwertung begrenzt. Daher muss nach betriebsexternen Interessenten gesucht werden. Da Verkehr immer sowohl mit ökologischen als auch mit ökonomischen Kosten verbunden ist, sollten zunächst die Abfallströme im Gewerbegebiet transparent gemacht werden, ehe geeignete Partner auf der regionalen Ebene gesucht werden müssen.

Die Entwicklungsgeschichte des Projekts "Zwischenbetriebliches Stoffstrommanagement Rhein-Neckar" begann dementsprechend mit einem standortbezogenen Projekt im Heidelberger Industriegebiet Pfaffengrund. Hier waren Informationen zu ca. 100 verschiedenen Abfallstoffströmen von insgesamt 14 Produzenten gegenseitig zugänglich gemacht worden. Die dadurch möglichen Kooperationen stießen jedoch alsbald an ihre Grenzen, so dass gegenwärtig versucht wird, Transparenz über Stoffströme im Wirtschaftsraum Rhein-Neckar herzustellen.

Zentrales Ziel des Projektes ist die nachhaltigkeitsorientierte Schließung von Stoffkreisläufen in der Wirtschaftsregion Rhein-Neckar unter ökonomischen Bedingungen. Entsprechend dem im Heidelberger Pfaffengrund entwickelten und praktisch getesteten Erfolgsrezept soll hierzu auch im regionalen Rahmen eine möglichst umfassende Transparenz der Abfall- bzw. Sekundärrohstoffströme hergestellt werden. Durch die gegenüber einer reinen Industriegebietslösung weit größeren materiellen und informationellen Koordinationsmöglichkeiten werden folgende zentrale Vorteile für die am Projekt partizipierenden Unternehmen erwartet:

  • Das Auffinden geeigneter Kooperationspartner für zwischenbetriebliche Input-Output-Beziehungen, die im Zusammenhang mit Recyclingvorgängen stehen

  • Die Ermöglichung gezielter Überlegungen potentieller Input-Output-Partner zur Verbessserung der Paßfähigkeit möglicher Stofftransfers

  • Die Erleichterung der Beschaffung gewünschter Sekundärmaterialien in räumlicher Nähe

  • Die Kanalisierung bestimmter Stoffströme durch zwischenbetriebliche Koordination und Kooperation bzw. Angliederung insbesondere kleinerer Betriebe an entsorgungswirtschaftliche Infrastruktur benachbarter Betriebsstätten.

  • Die genauere Beurteilung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses einer Investition in Recyclingkapazitäten vor dem Hintergrund transparenter stoffspezifischer Abfallmengen aus dem räumlichen Umfeld.

Zur EDV-technischen Unterstützung stehen für die Projektarbeit u. a. folgende Programme zur Verfügung:

  • UMBERTO als zentrales Informationspooling- und -verarbeitungsinstrument
  • GIS (Geographisches Informationssystem) zur Abbildung von Stoffstrombeziehungen im regionalen Raum und zur Berechnung der mit der Raumüberwindung verbundenen Kosten.

Am Beispiel des Heidelberger Pfaffengrundes hatte sich gezeigt, dass die überbetriebliche Koordination über eine wettbewerbsneutrale Einrichtung wie das IUWA von zentraler Bedeutung ist. Diesem gerade von Unternehmensseite artikulierten Bedürfnis nach Institutionalisierung einer entsprechenden Informationsdrehscheibe wird dadurch entsprochen, dass das IUWA den Auftrag übernimmt, innerhalb des BMBF-Projektes den Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft Umweltmanagement e.V. (AGUM) zu realisieren. Vorrangige und zentrale Aufgabe von AGUM wird es damit zunächst sein, die unternehmerischen Interessen im Bereich einer nachhaltigkeitsorientierten Stoffkreislaufwirtschaft aktiv voranzubringen. Aus dieser konkreten Aufgabenstellung heraus werden sich allerdings mit Sicherheit weitere Synergieeffekte ergeben, die die Nutzbarkeit von AGUM als umweltwirtschaftliches Kompetenzzentrum ausdehnen.

 
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Stand: 06.03.03