Stand und Ergebnisse

Buch zur Abschlussveranstaltung

Dissertation über Modellprojekt ausgezeichnet:

Dr. Thomas Sterr wurde mit dem Klaus-O.-Fleck-Preis 2002 für seine Dissertation „Industrielle Stoffkreislaufwirtschaft im regionalen Kontext - ein interdisziplinärer Ansatz". Ausgezeichnet. Die von Professor Dr. Dietfried Liesegang (Universität Heidelberg) betreute Dissertation reflektiert das Modellprojekt und seine Ergebnisse. Informationen über die Preisverleihung unter
http://www.iuwa.de/ottofleckepreis.html

Bisherige Ergebnisse

Regionales Stoffstrommanagement zielt auf eine möglichst weitgehende und hochwertige Schließung von Stoffkreisläufen ab, indem versucht wird, die beiden "losen Enden" der Wertschöpfungskette (Rückführung und Wiedereinsatz) unter besonderer Berücksichtigung regionsinterner Kapazitäten miteinander zu verbinden. Die Herstellung einer solchen Verbindung bedarf jedoch eines detaillierten Informationstransfers, der entlang der Wertschöpfungskette (vertikale Beziehungen) immer schon notwendig war, aber auch innerhalb bestimmter Branchennetzwerke (horizontale Beziehungen) bereits eine gewisse Tradition hat. Die hierbei etablierten Informationskanäle beschränken sich jedoch in aller Regel auf eine produktionsorientierte Ausrichtung. Firmenübergreifende Netzwerke, die auf industrielle Kreislaufschließung oder auf räumliche Nähe (Industriestandortnetzwerke, regionale Netzwerke) fokussieren, gibt es hingegen kaum. Effizienzsteigerungspotentiale im Bereich zwischenbetrieblicher Kreislaufschließung oder Rückführungslogistik bleiben damit weitgehend unentdeckt.

1 Etablierung eines geeigneten Kommunikationsnetzwerks

Abgeleitet aus den positiven Erfahrungen mit einem betriebsstättenübergreifend angelegten Arbeitskreis von Industrieunternehmen im Heidelberger Industriegebiet Pfaffengrund (Industriestandortkonzept) war dem BMBF deshalb die Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft Umweltmanagement (AGUM) e.V. vorgeschlagen worden, die mittlerweile als eingetragener Verein institutionalisiert und mit dem Status der Gemeinnützigkeit ausgestattet werden konnte. Die AGUM zählt inzwischen 18 zahlende Mitglieder aus Industrie, Dienstleistungsgewerbe, Wissenschaft und Staat. Sie wurde und wird über die gesamte Projektlaufzeit hinweg stetig erweitert. Während der aus 2 Personen bestehende Vorstand nur aus den Reihen des Produzierenden Gewerbes gewählt werden kann, besitzt der AGUM-Beirat mit je einem Mitglied aus Wirtschaft, Wissenschaft und Staat wiederum interorganisationalen Charakter. Für die Wahl in den Vorstand selbst erschien ein aktives Wahlrecht für Vertreter von Wissenschaft und Industrie zunächst einmal kontraproduktiv, da sich AGUM ganz konkret als Kommunikations- und Informationsdrehscheibe für Entscheidungsträger über industrielle Stoffströme entwickeln sollte. Tatsächlich war zu erwarten, dass die Industrie ein solches Instrument nur dann annehmen, aktiv begleiten und voranbringen würde, wenn bereits die strukturelle Anlage von AGUM die Respektierung unternehmerischer Interessen in einer überzeugenden Form wahrte. Hinter der o.g. Wahlrechts-Regelung stehen sicherlich keine unumstößlichen Prinzi-pien. Dahinter stehen jedoch Lehren, wie sie bspw. aus Agenda-21-Prozessen vielfach gezogen werden konnten, wo eine bereits in ihren Anfängen relativ geringe Industriebeteiligung tendenziell immer weiter abnahm und entsprechende Foren vielfach zu Schauplätzen degradierten, an denen bald nicht mehr mit, sondern nur noch über die stoffwirtschaftlich zentralen Akteure diskutiert wurde. Auch wenn die Teilnahme von Industrieunternehmen an einer zwischenbetriebliche Netzwerkbildung nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit führen muss, so dürfte ein Mehr an Nachhaltigkeit im Bereich der industriellen Stoffkreislaufwirtschaft ohne aktive Beteiligung der industriellen Akteure sicherlich kaum zu erreichen sein.

2 Etablierung geeigneter Datentransferinstrumente

Während die auf persönliche Kommunikationsmöglichkeiten hin angelegte AGUM den Vertrauensrahmen für ein zwischenbetriebliches Stoffstrommanagement im regionalen Rahmen schaffen sollte, benötigte das Projekt aus den unter 1 genannten Gründen auch ein EDV-technisches Instrument zur firmenübergreifenden Verständigung. Dieses sollte:

  • die Notwendigkeiten und Ansprüche an ein innerbetriebliches Abfallmanagement voll abdecken (à Gewährleistung notwendiger Bedingungen),
  • ohne mehr zu können, als es tatsächlich können muss (à ökonomisches Effizienzkriterium),
  • gleichzeitig durch einfache Bedienbarkeit, Übersichtlichkeit und Fehlerfreundlichkeit be-stechen (à Akzeptanz beim Anwender),
  • eine möglichst weitgehende Automatisierung der Datenüberspielung in einen zentralen Abfalldatenpool gewährleisten (à Minimierung der mit steigender Teilnehmerzahl zu erwar-tenden Komplexitätsprobleme)
  • und auch für den Unternehmer selbst einen weit über die Projektbedürfnisse hinausgehen-den Nutzen generieren ( à Schaffung firmenspezifischer Synergieeffekte).

Zu Beginn des Projektes war davon ausgegangen worden, dass es ein solches Instrument bereits gibt und es letztendlich primär darum ginge, die am Markt erhältliche Abfallmanagementsoftware auf ihre Tauglichkeit hin abzuklopfen, sie den in AGUM versammelten Unternehmen zur Diskussion zu stellen und sodann eine gemeinsame Wahl zu treffen. Tatsächlich konnte jedoch kein Instrument identifiziert werden, das in der Lage war, die oben genannten Punkte gleichzeitig zu erfüllen. Wir fassten deshalb im Herbst 1999 den bereits genannten Entschluss, einen eigenen "AGUM-Abfallmanager" zu entwickeln und das Projektleistungs-spektrum in diesem Sinne zu erweitern.
Die Softwareentwicklung erfolgte in enger Abstimmung mit den von Firmenseite artikulierten Bedürfnissen und wurde im Mai 2000 erstmalig als Beta-Test-Version in ein betriebsinternes Netz gestellt. Im November vergangenen Jahres konnte der AGUM-Mitgliederversammlung dann der vorläufige Abschluss der Erprobungsphase bekannt gegeben werden. Seitdem wird der AGUM-Abfallmanager sukzessive in firmenspezifische Umweltmanagementsysteme in-tegriert oder als rechnerspezifische Einzelplatzlösung auf PCs gespielt. Er stellt heute ein Schlüsselinstrument des Projektes dar, und dies nicht nur im Zusammenhang mit seinem be-triebsintern nutzbaren Funktionalität, sondern gerade auch als dezentral angesiedelte (d.h. in den einzelnen Firmen verortete) Dateninputstelle eines zentralen Abfalldatenpools, von dem insbesondere mittel- bis langfristige Wirkungen zugunsten einer regionalen Nachhaltigkeitsförderung erwartet werden können. (Weiteres zum Abfallmanager)

Einschließlich der Begleitinstrumente besitzt das "regionale Stoffstrommanagement Rhein-Neckar" derzeit folgende Struktur: Abbildung 1

3 Potentielle Nachhaltigkeitswirkungen

Nachdem im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Projekt bereits mehrere Veröffentlichungen entstanden sind, die den Projektablauf bis dato wesentlich genauer dokumentieren, als dies in der hier gebotenen Kürze möglich ist, soll im folgenden die im Projekt selbst geleistete Arbeit unter dem Blickwinkel ihrer potentiellen Nachhaltigkeitswirkung noch etwas näher beleuchtet werden:

Der historisch ursächliche Anlass zur Einleitung nachhaltigkeitsorientierter Veränderungen war eindeutig ökologisch begründet und stellte eine Reaktion auf einen so nicht dauerhaft möglichen Umgang mit Ressourcen dar. Da jedoch ein mit ökologischen Vorteilen verbundener Entwicklungspfad auch den ökonomischen Eigeninteressen privatwirtschaftlicher Entscheidungsträger gerecht werden muss, um Stabilität zu wahren, ist auch ökonomische Nachhaltigkeit zwingend. Stabilität (und damit dauerhafte Wirksamkeit) ist allerdings nur dann zu erwarten, wenn die entsprechenden Konzepte den Willen betroffener Gesellschaftsmitglieder widerspiegeln und deren Besserstellung fördern.

Im Rahmen des "regionalen Stoffstrommanagements Rhein-Neckar" sollen die drei Nachhaltigkeitsdimensionen ganz konkret befördert werden:

4. Zwischenfazit

Die Arbeitsgemeinschaft Umweltmanagement (AGUM) e.V. ist inzwischen ein voll funktionsfähiges Organ, das im November vergangenen Jahres seine letzte Mitgliederversammlung hatte. Auf dieser Mitgliederversammlung konnte unter anderem auch der vorläufige Abschluss der Programmierungsarbeiten am AGUM-Abfallmanager bekannt gegeben werden, der seitdem in seiner Version 1.6 in den am Projekt beteiligten Betrieben installiert wird. (siehe auch Abfallmanager)

Die wesentlichen Ziele der Projektes konnten bereits realisiert werden, bzw. befinden sich auf einem guten Weg dort hin. Die Entwicklung eines eigenen Abfallmanagers kostete zwar mehr Projektressourcen als geplant, bot aber dafür die Chance ihn ganz bewusst zu einem Anreizinstrument für die kostenpflichtige Projektteilnahme auszubauen. 

Die Gewinnung neuer Projektmitglieder verlief schleppend. Dies lag und liegt nicht unbedingt am Unwillen gegenüber einem "regional nachhaltigkeitsorientierten Stoffstrommanagement", sondern weil die Firmen gar keinen (hinreichenden) Etat hatten, oder weil sie dem Diktat "keine Investition mit einer Amortisationszeiten > 2 Jahre" unterworfen waren - eine Kalkulation, die im vorhinein nicht zu liefern war. Alles in allem ist es uns leider nur in Teilen gelungen, die v.a. mittelständischen Firmen unter diesen Finanzierungsbedingungen von einer Projektpartizipation zu überzeugen und damit auch die fristgerechte Überführung von AGUM in die wirtschaftliche Unabhängigkeit sicherzustellen. Hierzu wird sich die Projektlaufzeit wohl eindeutig als zu kurz erweisen.

Die Rhein-Neckar-Region unterscheidet sich auf unternehmerischer Seite nur unwesentlich von den meisten anderen Industrieregionen. Es war deshalb interessant, gerade hier ein Instrumentarium zu entwickeln, das es erlaubt, Potentiale für eine nachhaltigkeitsorientierte Umsteuerung auf regionaler Ebene zu identifizieren, zu visualisieren und auszuschöpfen. Es verspricht daher, in hohem Maße auch auf andere Industrieregionen übertragbar zu sein, zumal wir bei der Instrumentenentwicklung stets großen Wert auf hochgradig verallgemeinerbare Synergieeffekte gelegt haben. Gleichwohl haben wir inzwischen jedoch auch erkannt, dass das bislang erstellte Instrumentarium zwar die möglicherweise wesentlichsten Grundbausteine für die Ausschöpfung nachhaltigkeitsfördernder Potentiale im Bereich des regionalen Stoffstrommanagement liefert, an anderen Stellen jedoch noch ziemlich lückenhaft ist und deshalb wesentlicher Ergänzungen und Erweiterungen bedürfte.

Fernsehbericht von Campus-TV, Rhein-Neckar-Fernsehen, 17. Juli 2001 auf den Seiten

http://www.iuwa.de/projekte/pro_300.html

 
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