Die Vorgehensweise

Vereinfacht ist die Vorgehensweise im Forschungsprojekt wie folgt:
  1. Erfragen der Ziele (ökologisch, ökonomisch, sozial) und ihrer Indikatoren vor Ort.
  2. Sammeln von ökologischen, ökonomischen und sozialen Daten vor Ort/in der Region.
  3. Bestimmung der ökologisch und sozio-ökonomisch erzielten Wirkungen mit Hilfe der Stoffstromanalyse und Vergleich der Ergebnisse mit Referenzstadtteilen.
  4. Vergleich der Ergebnisse mit den Zielen, und Umsetzung der Ergebnisse in konkrete Handlungsempfehlungen für die Akteure vor Ort.

Die Schritte im einzelnen

Zu 1.
Im ersten Schritt werden in Gesprächen vor Ort die Ziele (Leitbilder) der dortigen Akteure erfragt. Mögliche Leitbilder sind beispielsweise: "Die Ressourcennutzung soll verbessert werden" oder "Es sollen mehr BürgerInnen an Planungsverfahren beteiligt werden". Diese Leitbilder können aber nur durch Indikatoren überprüft werden, wie zum Beispiel "Wasserverbrauch" oder "Anzahl beteiligte Personen am Planungsverfahren".

Zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten nachhaltiger Stadtteile existieren verschiedene Leitbilder und Indikatoren. In der bisherigen Arbeit mit solchen Indikatoren zeigt sich vor allem die Schwierigkeit der Meß- und Bewertbarkeit. Aus diesem Grund hat man sich zunächst vor allem mit "einfachen" Kenndaten, wie Energie- oder Wasserverbrauch, Flächenbedarf und Schadstoffemissionen beschäftigt. Diese sind besser zu quantifizieren als ökonomische Indikatoren, und diese wiederum besser als soziale. Daher wird bei der Untersuchung der drei Aspekte auch unterschiedlich verfahren (s. 3.).

Zu 2.
Um die Wirkung der Maßnahmen in den Stadtteilen untersuchen zu können, müssen Daten zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten gesammelt werden. Diese liegen entweder bereits in den Stadtteilen / der Region vor, wie zum Beispiel Daten über verwendete Baumaterialien, oder es werden nationale Daten ausgewertet.
Zu 3.
Die ökologischen Wirkungen werden mit Hilfe der Stoffstromanalyse bewertet. Sie bestimmt, welche Stoffströme und Umweltbelastungen durch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen ausgelöst werden. Sie setzt bei der Nachfrage an: Bedürfnisse bilden Impulse, die als Nachfrage bis zu den Ressourcen durchschlagen. In umgekehrter Richtung werden zur Befriedigung der Nachfrage entsprechende Stoffströme und Umweltbelastungen ausgelöst. Die Analyse erfolgt über Prozeßketten, in denen alle Verteilungs- und Herstellungsaufwendungen bis zur Quelle (Ressourcenentnahme) zurückverfolgt werden.

Ergebnis einer Stoffstromanalyse im Bereich Bauen wären z.B. konkrete Zahlen zu Umweltindikatoren wie "Kies und Sand in Tonnen", CO2-Emissionen, Grundstücksfläche in m2.

Bei den ökonomischen Fragen wird versucht, die lokale und regionale Ökonomie mit der Stoffstromanalyse, die ja bisher "nur" zur Messung des ökologischen Erfolgs diente, in quantifizierender Weise zu verbinden. Durch diese Stoffstromökonomie wird es möglich, zusätzlich zu den ökologischen Aspekten auch zu den ökonomischen Kriterien belastbare Aussagen zu treffen, also zu analysieren, wie ein nachhaltiger Stadtteil auf die regionale Wirtschaftsstruktur entsprechend seiner Nachfrage und seines Angebots wirkt.

Die sozialen Aspekte werden auf verschiedenen Wirkungsebenen überprüft: einerseits spielt die Frage der Beteiligung an den Planungen und Entscheidungsprozessen eine Rolle, hierzu sind im wesentlichen qualitative Aussagen zu erwarten. Zum anderen sind Aussagen zu gewinnen über die baulichen Voraussetzungen zur Einbeziehung verschiedener Bevölkerungsgruppen in die Stadtteilentwicklung (Selbstorganisation) und Befriedigung sozial-kultureller Bedürfnisse.

Zu 4.
Im letzten Arbeitsschritt der Untersuchung werden die vor-Ort-Ziele und Leitbilder anhand der Ergebnisse aus den Schritten 2 und 3 überprüft. Dies soll beispielsweise deutlich machen, welche Indikatoren anhand der vorliegenden Daten zur Überprüfung der Leitbilder herangezogen werden können und welche nicht. Das heißt, die anfangs ermittelten Leitbilder und Indikatoren werden mit den Ergebnissen aus der Praxis rückgekoppelt. Zudem werden die per Stoffstromanalyse ermittelten Wirkungen der Stadtteile mit Referenzstadtteilen verglichen und die Unterschiede bilanziert.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird ein Maßnahmenkatalog zur Realisierung einer nachhaltigen Stadtteilentwicklung zusammengestellt. Dieser Katalog wird in den beteiligten Stadtteilen im Rahmen moderierter Veranstaltungen diskutiert, um die dortigen Prozesse zu unterstützen.

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Stand: 06.03.03