Drei Themenschwerpunkte

Obwohl die Forschungsvorhaben das Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen, die eine Zuordnung zu drei Schwerpunktthemen ermöglichen.

Fast schon ein Synonym für nachhaltiges Wirtschaften waren der ökologische Landbau und die Direktvermarktung. Welche Diskrepanzen aber zwischen dem ökologischen Anspruch und den Realitäten vor Ort bestehen, wird nur dann unmittelbar sichtbar, wenn erneut ein Direktvermarktungsunternehmen Konkurs anmelden muss oder ein Bio-Landwirt dem Konkurrenzdruck konventioneller Agrarwirte nicht mehr Stand halten kann. Was sind die Gründe dafür? Wie können Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften mit der Professionalität der Konkurrenz mithalten und gleichzeitig ihr Image, nachhaltig zu sein, wahren? Was muss man tun, um dem Kunden näher zu kommen und auf seine unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen zu können? Liegen technische Probleme vor wie z.B. im Bereich der Großküchen und der Gemeinschaftsverpflegung? Kann man Akzeptanz steigern, wenn man auf die positiven Effekte aufmerksam macht, die als "Nebenprodukte" aus dem ökologischen Anbau und der Direktvermarktung für die Region abfallen? Diese und weitere Fragen sollen im Schwerpunktthema 1 "Agrarwirtschaft und regionale Vermarktung" im Rahmen von 5 Projekten untersucht werden.

Mit der Betrachtung von Stoffströmen befasst sich der Schwerpunktthema 2 "Regionales Stoffstrommanagement". Netzwerkbildung und das Leitbild der "Zero Emission Region" sind hier die relevanten Stichworte. Wie lassen sich Netzwerke zwischen Unternehmen bilden, die zu einer gegenseitigen Nutzung von Ressourcen - überwiegend im Energie-Bereich, und damit zu einer höheren Ressourceneffizienz führen? Inwieweit sind die Abbauprodukte der einen Branche nutzbar für eine andere? Wie muss die Logistik aussehen - von dem direkten Netzwerk bis hin zur Stoffbörse -, um möglichst hohe Synergieeffekte im wirtschaftlichen Bereich zu erzielen? Diese Fragen sollen in weiteren fünf  Forschungsprojekten beantwortet werden. Neben den Möglichkeiten einer effizienteren Verwertung von Abfall- und Nebenprodukten aus der Fertigung und einer deutlichen Verringerung des Energieverbrauchs werden auch Untersuchungen zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung und den damit verbundenen Stoffströmen im Bereich des Bauens und Wohnens gefördert.

Die Forschungsprojekte im Schwerpunktthema 3 "Regionale Nachhaltigkeit und Problemlösungsansätze in spezifischen Bedürfnisfeldern" legen ein besonderes Augenmerk auf Tradition, kulturelle Identität und die Rolle der Frau im regionalen Netzwerk. Entwickelt werden sollen sich selbst tragende Strukturen, die das Natur- oder Humanpotential der Region nutzen. So werden Vorhaben zur Nutzung der Naturressourcen im Bereich der Wiederbelebung der sächsischen Leinen-Industrie oder eines effizienteren Einsatzes nachwachsender Rohstoffe aus der Region für den Bausektor gefördert. Zwei weitere Projekte wiederum analysieren die Mobilisierung und Stärkung der Humanressourcen, so z.B. das auf der Idee des "Industriellen Gartenreichs" aufbauende Projekt in Sachsen, das sich vor allem mit der Entwicklung stabiler sozialer und wirtschaftlicher Netzwerke in kleinerem Maßstab befasst sowie deren Auswirkungen auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit untersucht oder ein weiteres in Mitteldeutschland, in dessen Zentrum die Betrachtung der Rolle der Frau in dörflichen Strukturen steht.

So unterschiedlich diese Projekte auch zu sein scheinen: es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass sich ähnliche Muster in der Netzwerkbildung zeigen werden, Lernprozesse auf die gleiche Art und Weise initiiert und begleitet werden müssen, ein Umdenken in der Zeit- und Raumebene erforderlich sein wird. Diese herauszukristallisierenden Strukturen werden auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung weiterhelfen.

Auch wird sich zeigen, welche Instrumente für die Unterstützung solcher Prozesse geeignet sein werden: wann greifen die von staatlicher Seite zur Verfügung stehenden Instrumentarien wie Verordnungen, Richtlinien, Förderungen (Top-Down-Ansätze), in welchen Fällen sollte man eher auf die Unterstützung von Bottom-up-Entwicklungen, wie sie in den Agenda-Prozessen vielfach schon angestoßen werden, bauen.

Die Projekte: Themenliste und Regionalkarte

 
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Stand: 06.03.03