Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft TAGWERK, Dorfen

 

 

Inge Asendorf: „Profilierung mit  regionalen Produkten aus biologischem Anbau - Chancen und Probleme“

Auszug - Download Gesamtvortrag (199kb)

Nachdem Inge Asendorf kurz das Modellprojekt “Nachhaltigkeit durch regionale Vernetzung - Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften im Bedürfnisfeld Ernährung” und dessen Praxispartner TAGWERK als langjähriges Modell einer Profilierung mit regionalen Produkten aus Bio-Anbau vorstellte, trug sie dessen Erfahrungen in Thesen zur regionalen Vermarktung von Bio-Lebensmitteln vor.

1. Der Einsatz von regionalen Bio-Lebensmitteln erfordert hohes Engagement

Auch wenn es z.Zt. in aller Munde ist : Regionalität ist nicht „normal“ in Zeiten von Globalisierung und Neoliberalismus. Auch im Biobereich werden Geld, Arbeitskräfte und Waren zunehmend dahin gebracht, wo am profitabelsten produziert und verkauft werden kann.

Regionalität, d.h. das Führen eines regionalen Sortiments ist deshalb nicht unbedingt eine Frage der Ökonomie, der Wirtschaftlichkeit, sondern der Lebenshaltung. Man muss regionale Produkte verkaufen wollen, weil man damit etwas tun will für die Umgebung in der man lebt: Landschaft erhalten, Arbeitsplätze erhalten und mit ihnen bäuerliches und handwerkliches Wissen und Können etc.

Unsere Erfahrungen :

aus Ladnersicht: ein regionales Sortiment ist arbeitsaufwendig : mehr Lieferantenkontakte, intensivere Mitarbeiterschulung, mehr Aufwand bei Präsentation, mehr Kundeninformation  – und die Einkaufspreise sind i.d.R. nicht günstiger, und Rabatte gering;

aus Großhandelssicht: regionale Produkte müssen i.d.R. einen deutlich sichtbaren Zusatznutzen bringen, wenn sie im Naturkosteinzelhandel oder im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel gelistet werden sollen. D.h.. sie müssen entweder etwas ganz besonderes sein, oder sie müssen von vornherein mit überregionalen Produkten in Aussehen, Verfügbarkeit und Preis vergleichbar sein – das Regionale ist dann der Zusatz, mit dem gesondert geworben werden kann. D.h. umgekehrt: für regionale Produkte werden – wenn sie überhaupt gelistet werden – i.d.R. keine besonderen Anstrengungen gemacht. Sie müssen sich genauso „selbst“ verkaufen wie andere Produkte. Regionale Produkte sind aber keine Selbstläufer. Sie müssen immer wieder  durchgesetzt werden – besonders da, wo immer mehr und immer günstigere Angebote vom Naturkostgroßhandel und aus den zentralen der großen Lebensmittelkonzerne kommen.

Diese Erfahrungen klingen nicht sehr ermutigend, deshalb gleich zum Mutmachen die nächste These, die auch Produkt unserer Erfahrungen ist.

2. Regionale Produkte verschaffen ein besonders Profil

Regionalität in der Biovermarktung ist die Nische der Zukunft – so wie Bio jetzt (und auch noch in näherer Zukunft) die Nische in der Vermarktung von Lebensmitteln ist. Diese Nische ist allerdings nicht im Sinne von Rückzug zu verstehen, sondern eher im Sinne von Vorbild, Modell.

Mit der offensiven Vermarktung von regionalen Produkten kann der Handel – sowohl im Naturkost- wie im konventionellen Bereich – sich ein positives Image schaffen, das zu hoher Kundenbindung führt (und damit auch wirtschaftlich ist!)

Auch im Biobereich wird in Zukunft häufig Masse statt Klasse produziert werden, es werden sich anonyme Strukturen ausbreiten, lange Transportwege und der zunehmende Verpackungsaufwand machen unglaubwürdig, es werden Skandale auftreten .

Konsequente regionale Orientierung kann dagegen Transparenz schaffen und Vertrauen erhalten, und ein „Stachel“ im Fleisch der zunehmend globalisierten und profitorientierten Bio-Vermarktung sein.

Allerdings muss ein solches Profil deutlich herausgehoben werden :

  • durch Informationen über Erzeuger (z.B. durch Fotos, Portraits, Betriebsspiegel,
  • Hofbesichtigungen),
  • durch Kenntnisse des Verkaufspersonals über Herkunft und Zutaten der Produkte,
  • durch besondere Platzierung der regionalen Produkte, durch Aktionen etc.

Und wenn diese positive regionale Orientierung nicht nur vom Engagement einzelner Ladner abhängen soll – was auch gar nicht zu leisten ist -  braucht diese Orientierung auf Regionalität – und das ist meine 3. These, die wiederum auf unserer Erfahrung als regionale EVG beruht – die Vernetzung in der Region.

 3. Erfolgreiche regionale Vermarktung braucht regionale Netzwerke

Unsere Erfahrungen mit TAGWERK – aber auch unsere Kenntnis von anderen Projekten der Regionalvermarktung - zeigen, dass regionale Vermarktung da erfolgreich ist, wo sie von örtlichen Initiativen unterstützt wird. Von Naturschutzgruppen, Regionalinitiativen, von Kommunen und Landkreisen, von kirchlichen Einrichtungen oder auch vom Bauernverband (schwierig bei Bio).

Für TAGWERK als EVG ist ein solches regionales Netz ein Strukturprinzip, organisatorisch verankert in der Genossenschaft und im Förderverein, ergänzt durch die Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz und einigen Regionalinitiativen. Und ergänzt durch viel ehrenamtliche Arbeit von Mitgliedern der Genossenschaft und des Fördervereins. Solche Strukturen wie bei TAGWERK kann und will man nicht immer schaffen, aber man braucht immer das regionale Netzwerk, das die Idee der regionalen Vermarktung trägt.

Also : Bündnispartner suchen, besonders für die Öffentlichkeitsarbeit, für Bewusstseinsbildung, für Aktionen, Hoffeste etc.

Abschließend noch einige Sätze zum Konzept der REGIONALITÄT :

Nicht alles ist wirklich regional, was z.Zt. als „regional“ vor allem im konventionellen Bereich vermarktet wird. Weder das Brot vom Getreide einheimischer Bauern, noch Fleisch und Wurst aus den Ställen unserer Bauern, noch der Kuchen, den uns die Bäuerinnen – selbstgebacken – auf den zahlreichen Bauernmärkten verkaufen, wenn die Zutaten für den Kuchen, das Saatgut und die Futtermittel, der Kunstdünger und die Pflanzenschutzmittel überwiegend aus globalen, anonymen Strukturen kommen.

Regionalität ist nicht per se gut  oder nachhaltig. Die Forderung nach Regionalität macht nur einen Sinn, wenn tatsächlich kleinräumige Wirtschaftskreisläufe geschlossen  und dadurch Umweltbelastungen minimiert werden. Und wenn eine regionale Eigenständigkeit – z.B. durch die Schaffung von vielfältigen Arbeitsplätzen vor Ort - entwickelt wird.

Und wenn schließlich nicht nur kurze Wege im Hinblick auf den Transport von Lebensmitteln  im Blickfeld stehen, sondern kurze Wege im sozialen Sinne – im Sinne von sich kennen, sich vertrauen (oder misstrauen), von mitreden und mitbestimmen, solidarisch miteinander umgehen.

Die Verantwortung für das, was man produziert, handelt und einkauft (und wegwirft), geht in anonymen, globalen Strukturen weitgehend verloren. Deshalb haben  -  neben den ErzeugerInnen und den KonsumentInnen  -  regionale Händler eine so wichtige Aufgabe, für die sie eigentlich öffentliche Unterstützung bräuchten : so wie die landwirtschaftlichen Betriebe für die Landschaftspflege unterstützt werden, sollten regionale Händler für „Kulturpflege“ unterstützt werden. Das wäre ins Konzept der „Agrarwende“ noch einzubeziehen.

Der komplette, ausgearbeitete Vortrag incl.der Thesen zur regionalen Vermarktung von Bio-Lebensmitteln sowie die gewonnenen Erfahrungen finden sie im Download-pfd-file (199kb)

Projekt: Nachhaltigkeit durch regionale Vernetzung. Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften im Bedürfnisfeld Ernährung (Verbund), Ansprechpartnerin Inge Asendorf

Ergebnisse

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Stand: 06.03.03