Inge Asendorf: Profilierung mit regionalen Produkten
aus biologischem Anbau - Chancen und Probleme
Auszug -
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Nachdem Inge Asendorf kurz das Modellprojekt
Nachhaltigkeit durch regionale Vernetzung -
Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften im Bedürfnisfeld Ernährung und dessen
Praxispartner TAGWERK als langjähriges Modell
einer Profilierung mit regionalen Produkten aus Bio-Anbau vorstellte, trug
sie dessen Erfahrungen in Thesen zur regionalen Vermarktung von
Bio-Lebensmitteln vor.
1. Der Einsatz von regionalen Bio-Lebensmitteln erfordert hohes
Engagement
Auch wenn es z.Zt. in aller Munde ist : Regionalität ist nicht normal
in Zeiten von Globalisierung und Neoliberalismus. Auch im Biobereich werden
Geld, Arbeitskräfte und Waren zunehmend dahin gebracht, wo am profitabelsten
produziert und verkauft werden kann.
Regionalität, d.h. das Führen eines regionalen Sortiments ist deshalb
nicht unbedingt eine Frage der Ökonomie, der Wirtschaftlichkeit, sondern der
Lebenshaltung. Man muss regionale Produkte verkaufen wollen, weil man damit
etwas tun will für die Umgebung in der man lebt: Landschaft erhalten,
Arbeitsplätze erhalten und mit ihnen bäuerliches und handwerkliches Wissen
und Können etc.
Unsere Erfahrungen :
aus Ladnersicht: ein regionales Sortiment ist arbeitsaufwendig : mehr
Lieferantenkontakte, intensivere Mitarbeiterschulung, mehr Aufwand bei
Präsentation, mehr Kundeninformation und die Einkaufspreise sind i.d.R.
nicht günstiger, und Rabatte gering;
aus Großhandelssicht: regionale Produkte müssen i.d.R. einen deutlich
sichtbaren Zusatznutzen bringen, wenn sie im Naturkosteinzelhandel oder im
konventionellen Lebensmitteleinzelhandel gelistet werden sollen. D.h.. sie
müssen entweder etwas ganz besonderes sein, oder sie müssen von vornherein
mit überregionalen Produkten in Aussehen, Verfügbarkeit und Preis
vergleichbar sein das Regionale ist dann der Zusatz, mit dem gesondert
geworben werden kann. D.h. umgekehrt: für regionale Produkte werden wenn
sie überhaupt gelistet werden i.d.R. keine besonderen Anstrengungen
gemacht. Sie müssen sich genauso selbst verkaufen wie andere Produkte.
Regionale Produkte sind aber keine Selbstläufer. Sie müssen immer wieder
durchgesetzt werden besonders da, wo immer mehr und immer günstigere
Angebote vom Naturkostgroßhandel und aus den zentralen der großen
Lebensmittelkonzerne kommen.
Diese Erfahrungen klingen nicht sehr ermutigend, deshalb gleich zum
Mutmachen die nächste These, die auch Produkt unserer Erfahrungen ist.
2. Regionale Produkte verschaffen ein besonders Profil
Regionalität in der Biovermarktung ist die Nische der Zukunft so wie
Bio jetzt (und auch noch in näherer Zukunft) die Nische in der Vermarktung
von Lebensmitteln ist. Diese Nische ist allerdings nicht im Sinne von
Rückzug zu verstehen, sondern eher im Sinne von Vorbild, Modell.
Mit der offensiven Vermarktung von regionalen Produkten kann der Handel
sowohl im Naturkost- wie im konventionellen Bereich sich ein positives
Image schaffen, das zu hoher Kundenbindung führt (und damit auch
wirtschaftlich ist!)
Auch im Biobereich wird in Zukunft häufig Masse statt Klasse produziert
werden, es werden sich anonyme Strukturen ausbreiten, lange Transportwege
und der zunehmende Verpackungsaufwand machen unglaubwürdig, es werden
Skandale auftreten .
Konsequente regionale Orientierung kann dagegen Transparenz schaffen und
Vertrauen erhalten, und ein Stachel im Fleisch der zunehmend
globalisierten und profitorientierten Bio-Vermarktung sein.
Allerdings muss ein solches Profil deutlich herausgehoben werden :
- durch Informationen über Erzeuger (z.B. durch Fotos, Portraits,
Betriebsspiegel,
Hofbesichtigungen),- durch Kenntnisse des Verkaufspersonals über Herkunft
und Zutaten der Produkte,
- durch besondere Platzierung der regionalen Produkte, durch Aktionen
etc.
Und wenn diese positive regionale Orientierung nicht nur vom Engagement
einzelner Ladner abhängen soll was auch gar nicht zu leisten ist -
braucht diese Orientierung auf Regionalität und das ist meine 3. These,
die wiederum auf unserer Erfahrung als regionale EVG beruht die Vernetzung
in der Region.
3. Erfolgreiche regionale Vermarktung braucht regionale Netzwerke
Unsere Erfahrungen mit TAGWERK aber auch unsere Kenntnis von anderen
Projekten der Regionalvermarktung - zeigen, dass regionale Vermarktung da
erfolgreich ist, wo sie von örtlichen Initiativen unterstützt wird. Von
Naturschutzgruppen, Regionalinitiativen, von Kommunen und Landkreisen, von
kirchlichen Einrichtungen oder auch vom Bauernverband (schwierig bei Bio).
Für TAGWERK als EVG ist ein solches regionales Netz ein Strukturprinzip,
organisatorisch verankert in der Genossenschaft und im Förderverein, ergänzt
durch die Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz und einigen
Regionalinitiativen. Und ergänzt durch viel ehrenamtliche Arbeit von
Mitgliedern der Genossenschaft und des Fördervereins. Solche Strukturen wie
bei TAGWERK kann und will man nicht immer schaffen, aber man braucht immer
das regionale Netzwerk, das die Idee der regionalen Vermarktung trägt.
Also : Bündnispartner suchen, besonders für die Öffentlichkeitsarbeit,
für Bewusstseinsbildung, für Aktionen, Hoffeste etc.
Abschließend noch einige Sätze zum Konzept der REGIONALITÄT :
Nicht alles ist wirklich regional, was z.Zt. als regional vor allem im
konventionellen Bereich vermarktet wird. Weder das Brot vom Getreide
einheimischer Bauern, noch Fleisch und Wurst aus den Ställen unserer Bauern,
noch der Kuchen, den uns die Bäuerinnen selbstgebacken auf den
zahlreichen Bauernmärkten verkaufen, wenn die Zutaten für den Kuchen, das
Saatgut und die Futtermittel, der Kunstdünger und die Pflanzenschutzmittel
überwiegend aus globalen, anonymen Strukturen kommen.
Regionalität ist nicht per se gut oder nachhaltig. Die Forderung nach
Regionalität macht nur einen Sinn, wenn tatsächlich kleinräumige
Wirtschaftskreisläufe geschlossen und dadurch Umweltbelastungen minimiert
werden. Und wenn eine regionale Eigenständigkeit z.B. durch die Schaffung
von vielfältigen Arbeitsplätzen vor Ort - entwickelt wird.
Und wenn schließlich nicht nur kurze Wege im Hinblick auf den Transport
von Lebensmitteln im Blickfeld stehen, sondern kurze Wege im sozialen Sinne
im Sinne von sich kennen, sich vertrauen (oder misstrauen), von mitreden
und mitbestimmen, solidarisch miteinander umgehen.
Die Verantwortung für das, was man produziert, handelt und einkauft (und
wegwirft), geht in anonymen, globalen Strukturen weitgehend verloren.
Deshalb haben - neben den ErzeugerInnen und den KonsumentInnen -
regionale Händler eine so wichtige Aufgabe, für die sie eigentlich
öffentliche Unterstützung bräuchten : so wie die landwirtschaftlichen
Betriebe für die Landschaftspflege unterstützt werden, sollten regionale
Händler für Kulturpflege unterstützt werden. Das wäre ins Konzept der
Agrarwende noch einzubeziehen.
Der komplette, ausgearbeitete Vortrag incl.der Thesen zur regionalen
Vermarktung von Bio-Lebensmitteln sowie die gewonnenen Erfahrungen finden
sie im Download-pfd-file (199kb)
Projekt: Nachhaltigkeit durch regionale
Vernetzung.
Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften im Bedürfnisfeld
Ernährung (Verbund), Ansprechpartnerin
Inge Asendorf |