Themen beim Erfahrungsaustausch und der Reflexion der eigenen Forschungsarbeit

Die Präsentationen der Ergebnisse aus den einzelnen Gruppen im Plenum führte deutlich vor Augen, daß mit einer relativ hohen Übereinstimmung - wenn auch begrifflich unterschiedlich gefaßt - vier Aspekte herausstachen, durch die sich die regionale Nachhaltigkeitsforschung in der Förderinitiative auszeichnet bzw, an welchen Stellen die Probleme liegen. Als ebenso bedeutsam wie schwierig wird erachtet:
  • Eine gemeinsame Problemformulierung zwischen Wissenschaft und Praxispartnern bzw. zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen untereinander zu erreichen. Als "Unterpunkte" wurden diskutiert: Nachhaltigkeit wird als "Problem" von der Wissenschaft in die Praxis hineingetragen. Eine Problemdefinitions- bzw. Zielfindungsphase ist im Verlauf eines Projekts erforderlich. Die Praxispartner müssen ein "Problem" haben, sonst "funktioniert" die Beratung durch die Wissenschaftler/-innen nicht.
  • Eine bestmögliche Erfüllung der unterschiedlichen Ansprüche und Nutzenerwartungen zwischen Wissenschaft und Praxispartnern zu erreichen. Die Praxispartner erwarten in der Regel, daß Lösungen gefunden werden und die gefundenen Lösungen zeitnah realisiert werden. Währenddessen die Wissenschaftler/-innen an der Verallgemeinerbarkeit und Übertragbarkeit der Ergebnisse, an der Angemessenheit und Tauglichkeit der Methodik, an Monitoring und Evaluierung interessiert sind. Wissenschaftler/-innen müssen hier Spannungen aushalten, wie z. B. die zwischen der Mehrdimensionalität und den Ansprüchen aus einzelnen Fachdisziplinen, zwischen dem Verhaftetsein in der Region und der Distanz zur Region, zwischen wissenschaftlichem Wissen und Alltagswissen und schließlich die Spannung aus der Doppelrolle als Forschender und als Akteuer. Diese Doppelfunktion und auch der Wechsel zwischen diesen Rollen wird von den Beteiligten nicht immer akzeptiert und kann zu Rollenproblemen führen. Akzeptanzfördernd wirkt sich aus, wenn es gelingt, Synergieeffekte im Zielkorridor zu finden.
  • Die Folgen von nachhaltigkeitsorientierten Innovationen zu erfassen und zu bewerten. Diskutiert wurden solche Bewertungen durch Praktiker, durch Wissenschaftler/-innen (kann die Beraterrolle bzw. die Kooperation mit Praxispartnern gefährden - Forscher/-innen sollen neutral sein), durch gemeinsame Selbstevaluation, durch erarbeitete Kriterien. Schwierigkeiten entstehen durch den zeitverzögerten Eintritt von Effekten, bei der Zurechnung von Effekten zum Projekt bzw. den Rahmenbedingungen und durch den Interessengegensatz von Wettbewerbsvorteil durch neues Wissen, den Praxispratner nutzen wollen, und dem wissenschaftlichen Bestreben nach Verallgemeinerung des Wissens. Es wird festgestellt, daß Neutralität in der sozio-ökonomischen Forschung nicht möglich sei.
  • Die Rahmenbedingungen im Forschungsfeld, da Nachhaltigkeit langfristig angelegt ist, während die Forschungszeiträume zeitlich begrenzt sind.
 
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Stand: 06.03.03