Arbeiten als Basis nachhaltigen Wirtschaftens – die Vielfalt der Arbeitsformen 

 

 

In den Prozessen der Lokalen und Regionalen Agenden werden häufig nur bestimmte Arbeitsplätze thematisiert. Vertraglich abgesicherte Erwerbsarbeit ist aber nicht die einzige Form des Arbeitens: Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeiten und Arbeit im Verein sowie Arbeit in Nachbarschaftshilfe (und z.T. auch Schwarzarbeit) schaffen in ähnlicher Weise Werte, die aber nicht in herkömmliche ökonomische Bewertungsprozesse mit eingehen.

Die formelle Ökonomie externalisiert in großem und in immer größer werdendem Umfang in die anderen Bereiche des Arbeitens und Wirtschaftens (z.B. Selbstbedienungsgeschäfte, Fahrkartenkauf am Automaten, immer längere Wege zum Fachhandel, dernur noch in den Zentren vorhandenen ist). Dabei werden weder die Effekte dieser Externalisierung erkannt noch in ihren Auswirkungen für ein nachhaltiges Wirtschaften analysiert und thematisiert werden.

Aufbauend auf diesem Verständnis wurden auch hierzu auf dem Worskhop Thesen erarbeitet und empirisch untermauert:

In Prozessen nachhaltigeren Wirtschaftens existiert ein Kontinuum der verschiedenen Formen von Arbeit

Die Ergebnisse der Modellprojekte zeigen, dass informelles Arbeiten (sei es nun bezahlt oder unbezahlt) die bestehende, erwerbswirtschaftlich orientierte Ökonomie mitträgt. Analytisch stellt es die (soziale) Basis für Erwerbsarbeit dar, d.h. etablierte Sozialbeziehungen und die Pflege der sozialen Gemeinschaft (z.B. Nachbarschaftshilfe, Pflege kranker Familienmitglieder) können ein Kriterium für nachhaltigeres Wirtschaften darstellen.

Die Betrachtung der vielfältigen Arbeitsformen zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften neben Marktmechanismen auch auf andere Institutionen und Mechanismen beruht:

Beispielsweise wird das Arbeiten auch durch soziale Beziehungen, den Wunsch nach Identität und möglicherweise auch nach so etwas wie gutem Leben für die Gemeinschaft und ihre Mitglieder koordiniert und keineswegs vorrangig durch Preise und die Mechanismen von Angebot und Nachfrage. Außerdem ist es nicht sinnvoll, nur einen Markt zu betrachten, da verschiedene (regionale) Märkte nebeneinander stehen – wobei hier die Kombinationen und Interaktionen zwischen den Märkten entscheidend für die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens ist.

Anerkennung der Vielfalt der Arbeitsformen als Leitplanke nachhaltiger Entwicklung

Informelles Arbeiten kann zu einem nachhaltigen Wirtschaften beitragen. Es hat Funktionen z.B. für die Stärkung der sozialen Gegenseitigkeit, die Konstitution von Zivil- bzw. Einwanderungsgesellschaft, Identitätsstiftung, Sinnstiftung usw.. Das oben beschriebene Kontinuum zwischen bezahlter, formeller Arbeit und informellem Arbeiten ermöglicht – wenn es und die Vielfalt seiner Arbeitsformen bewusst anerkannt wird – unterschiedliche  Entwicklungspfade hin zu mehr Nachhaltigkeit sowie zu verschiedenen Formen des nachhaltigen Wirtschaftens. Zugleich bewirkt es eine Stärkung der Lebensqualität. Wesentliche Beschreibungsmerkmale sind die besondere Bedeutung des Physischen, Eigensinn und Eigenmächtigkeit der Arbeitenden für nachhaltigeres Wirtschaften. Letztlich vermittelt so Arbeiten in seiner Vielfalt zwischen der ökonomischen und sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.

Workshop Mai 2002  
 
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Stand: 06.03.03