Umgang mit Widersprüchen

 

 

Prozesse nachhaltigen Wirtschaftens führen immer wieder zu Widersprüchen zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen Gesellschaft, Wirtschaft und Natur. Konfligierende Interessen und Anreizmechanismen können den Weg in eine nachhaltigere Wirtschaftsweise beeinträchtigen, z.B. wenn es keine ausreichenden Gewinnsituationen für alle verschiedenen Kooperationspartner oder für alle Nachhaltigkeits-Dimensionen gibt.

Prof. Dr. Müller-Christ, Universität Bremen, stellte daher das neue Instrument „Widerspruchsmanagement“ vor. Nur in sehr wenigen Situationen lassen sich alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit in Einklang  bringen. Denn die Rationalitäten innerhalb einzelner Dimensionen (z.B. das ökonomische Maximierungsprinzip) können dominant werden; außerdem ist keine gemeinsame Rationalität für Entscheidungsregeln vorhanden. (Zum Beispiel ist die Rationalität des ökologischen Ressourcenmanagements kaum vereinbar mit der ökonomischen Rationalität der Maximierung der Ressourcenproduktivität.) Bisher werden häufig durch Konsensbemühungen (vorschnelle) Kompromisse herbeigeführt, wobei nicht zu lösende Widersprüche zu lösbaren Konflikten „heruntergespielt“ werden. Dabei wird die Analyse der bestehenden Widersprüche abgebrochen; bestehende Widersprüche werden lediglich gedeckelt.

Das „Widerspruchsmanagement“ zielt hingegen darauf, die Widersprüche offenzulegen und zu benennen; damit, ergibt sich die Möglichkeit der Ausbalancierung: Durch Segmentierung und/oder Sequenzialisierung der Widersprüche, d.h. die Verankerung der auftretenden Widersprüche in Institutionen oder Personen bzw. die Bearbeitung der Widersprüche in der zeitlichen Entzerrung. An eine Offenlegung und Benennung der Widersprüche schließt sich dabei der Entwurf von Entscheidungsregeln an, die das Ziel hätten, die Handlungsfähigkeit in der Kooperation zu erhalten. Damit Toleranz für die differierenden Sichtweisen aufgebracht werden kann, ist es z.T. notwendig, die Konfliktparteien entsprechend zu qualifizieren:  Ziel ist es, die gleichzeitige Richtigkeit und Gültigkeit anderer Prioritäten anzuerkennen und keine Entscheidung für das eine oder das andere zu forcieren.

Bei der anschließenden Reflektion der in den Modellprojekten gemachten Erfahrungen mit Widersprüchen und Konflikten zeigte sich, dass die Unterscheidung von nicht lösbaren Widersprüchen und bearbeitbaren Konflikten analytisch nicht leicht fällt (sondern trainiert werden müsste). Die aus den Projekten in den Workshop gebrachten Konflikte und Widersprüche hatten ihre Ursache weniger in unterschiedlichen Rationalitäten, sondern meist in Widersprüchen innerhalb einer der Nachhaltigkeitsdimensionen. Oft haben auch äußere Bedingungen (z.B. politische Vorgaben) verhindert, ökonomische Vorteile realisieren zu konnten.

Grundsätzlich ist die Methode des Widerspruchsmanagements - insbesondere für Unternehmen und deren Kooperationen untereinander - ein für die Praxis interessantes Instrument. Vermutlich wäre auch bei Forschungsprojekten eine Identifikation der Widersprüche statt deren vorschneller Auflösung in vermeintliche win/win-Situationen von Beginn an zu berücksichtigen, um zu einer genaueren Analyse der Ausgangssituation zu kommen und deren Veränderung im Projektgeschehen adäquater analysieren zu können.

Workshop Mai 2002  
 
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Stand: 06.03.03