Beispiel

Vergleiche zwischen regionaler und überregionaler Verarbeitung (einschl. Distribution) bei den Produkten "Brot" und "Milch"

Der regionalen Erzeugung und Vermarktung von Nahrungsmitteln werden neben einer umweltschonenden Produktion mit kurzen Transportwegen eine Reihe weiterer positiver Wirkungen in Bezug auf die nachhaltige Ressourcennutzung zugeschrieben, obgleich wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse darüber bislang fehlen. Exemplarisch wurden deshalb in Fallstudien unterschiedliche Verfahren der Brotherstellung untersucht (industriell mit überregionalem Vertrieb im Vergleich zu handwerklicher Produktion bei regional orientiertem Produktabsatz). Ein weiterer Variantenvergleich bezog sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Trinkmilch, bei dem der Direktvertrieb von Trinkmilch eines Landwirts an die TAGWERK-Läden und der konventionellen Trinkmilchherstellung einer regional ansässigen Molkerei im Hinblick auf den Transportaufwand, den Energieverbrauch und den Emissionen gegenübergestellt wurde.

Bei der Brotherstellung entfällt der hauptsächliche Energiebedarf auf den Backprozess. Demgegenüber treten die Energieeinsätze für Transporte, Beschaffung von Zutaten etc. zurück. Im Variantenvergleich wird deutlich, dass die Großbäckerei den Energieeinsatz für die Brotherstellung deutlich effizienter gestalten kann. Trotz umfangreicher Güterverkehrsleistungen (je kg Brot 360 km gegenüber ca. 80 km bei den beiden Regionalbäckern) ist der gesamte Energieaufwand pro kg Brot in den untersuchten Regionalbäckereien (jeweils etwa 12,6 MJ/kg) um ca. 60 % höher als bei der Großbäckerei (7, 8 MJ/kg).

Beim Vergleich der mit dem überregionalen Lebensmitteleinzelhandel zusammenarbeitenden Molkerei und dem regionalen Direktvertrieb der Trinkmilch an die TAGWERK-Läden werden Vorteile für den überregionalen Kreislauf deutlich. So liegt der CO2-Ausstoß sowohl bei der Produktion, als auch beim Transport im System der Großmolkerei um mehr als die Hälfte niedriger als in dem regionalen Kreislauf (134 bzw. 281 g CO2 je Liter Trinkmilch).

Die betrachteten Fallbeispiele lassen folgende tendenzielle Schlußfolgerungen zu: Die Realisierung energiesparender Produktionstechniken gestaltet sich bei den (größeren) überregional wirtschaftenden Unternehmen einfacher als bei der handwerklichen Verarbeitung. So wird z.B. bei der Flaschenmilchdirektvermarktung vielfach statt einem Durchlaufpasteur ein kostengünstigerer aber energieintensiverer Chargenpasteur gewählt, um durch geringere Investitionskosten auch das unternehmerische Risiko zu minimieren. Gleiches gilt für den Einbau moderner Backöfen. Bei den gezeigten Beispielen lassen sich beim Transportaufwand durch entsprechende Routenplanung die Transportprozesse optimieren. Es zeigt sich jedoch, dass das Logistiksystem überregional wirtschaftender Unternehmen durch die größere Nutzlast bzw. geringeren Anteil an Leerfahrten derzeit deutlich effizienter ist.

Neben energetischen Aspekten auf dem Weg von der Produktion bis zur Vermarktung muß ein umfassender Bewertungsansatz auch weitere Effekte des Transportes (z.B. Lärm und Straßenbenutzung) sowie Effekte im Produktionsprozess (z.B. Zergliederung des Arbeitsprozesses) mit berücksichtigen. Um diese "weichen Faktoren" deutlich zu machen wurde der Bewertungsansatz der Produktlinienanalyse gewählt.

 
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Stand: 29.07.03