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Seit der Gründung von der Erzeuger-Verbraucher-Initiative Tagwerk vor 16
Jahren hat sich einiges verändert. Damals als Genossenschaft gegründet,
haben sich heute einige Läden privatisiert und das Shop-in-Shop-Modell wird
diskutiert (Verkauf der Produkte im eigenen Regal in Bio-Supermärkten)..
Der Verbund von Erzeugern und Verbrauchern ist aber stark geblieben und die
Kooperation steht im Vordergrund. Innovative Ansätze wie die Biokiste
("Regional" oder "Speedy" incl. Rezeptvorschläge) oder
auch der Verkauf von Produkten aus anderen Regionen, in denen nachhaltig
angebaut wird, werden aufgenommen. Hat das Modell Zukunft? Die
Begleitforschung des Forschungsverbundes hat bisher folgende Ergebnisse
zusammengetragen:
Untersuchungsdimension "Wirtschaft" (TU München)
Es zeigen sich positive Effekte vor allem auf Erzeuger- und
Verarbeitungsebene. Dabei ist die Breitenwirkung aber gering. Bedeutende
Effekte mit Tiefenwirkung gelingen nur durch Nischenbesetzung bzw. durch
indirekte Effekte. Diese entstehen im TAGWERK-Netzwerk durch
"Initialzündungen" (Einstieg in Direktvermarktung, Aufbau eines
"Ökosortimentes" beim Bäcker), die sich danach in der Regel bei
den Landwirten und Lizenznehmern eigenständig bzw. von TAGWERK abgekoppelt
entwickeln. Auf der Vermarktungs- und Handelsebene ist es bei den momentan
vermarkteten Produktmengen schwierig, wirksame Strategien zu etablieren, die
dauerhafte und positive ökonomische Effekte induzieren.
Untersuchungsdimension "Umwelt" (TU München)
Durch TAGWERK werden eindeutig positive Effekte durch
Landschaftspflegemaßnahmen auf den Flächen der Landwirte hervor gerufen.
In bezug auf Transportaufwand, Energieverbrauch und Emissionen, insbesondere
auf der Verarbeitungsebene, sind regionale Wirtschaftskreisläufe in der
Größenordnung von TAGWERK nicht a priori sparsamer und damit nachhaltiger
als überregionale Kreisläufe, bei denen i.d.R. Skaleneffekte
genutzt
werden. Mit einer Umsatzsteigerung und Optimierung der Logistik auf der
Großhandels- und Einzelhandelsebene könnten von TAGWERK bestehende
Potentiale in der Dimension "Umwelt" genutzt werden. Auf nahezu
allen Betrieben werden durch Zusammenarbeit mit dem TAGWERK-Förderverein
Landschaftspflegemaßnahmen (Heckenpflanzungen, Anlage von Feuchtbiotopen)
durchgeführt.
Weitere für die Gesamtbeurteilung wichtigen Daten lieferte die Befragung
im Hinblick auf die Zufriedenheit der Betriebsleiter mit ihrer Tätigkeit
und bezüglich der Zusammenarbeit mit TAGWERK sowie zu den anfallenden
Transportwegen von den Betrieben zum jeweiligen Vermarktungsort.
Untersuchungsdimension "Soziales" (ISF)
Die Analysen des ISF (sozial- und organisationswissenschaftliche
Perspektive) haben gezeigt, dass sowohl in der TAGWERK-Organisation als auch
in den anderen untersuchten Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften eine hohe
Transparenz zwischen den verschiedenen Akteuren in der Wertschöpfungskette
auf der einen Seite und den Verbrauchern auf der andern Seite besteht. Sie
wird erreicht einerseits durch partizipative Organisationsformen mit
regionalem Hintergrund, andererseits durch Mitarbeiter, die sich häufig mit
den Zielen der Organisation identifizieren und sie zu einem großen Teil
auch mitgestalten. Probleme gibt es, wenn Strukturen, die in einer
"alternativen Ökonomie" entstanden sind, sich den Zwängen einer
"normalen Ökonomie" unterwerfen müssen.
Zwischenfazit
Bei der Überprüfung, Weiterentwicklung und Verallgemeinerung des
TAGWERK-Konzeptes wurde deutlich, dass es wesentlich ist, die einzelnen
Maßnahmen ganzheitlich zu sehen, d.h. die konkrete Einheit von
ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien praktisch sichtbar zu
machen und zu berücksichtigen.
Auch wenn in die TAGWERK-Organisation immer wieder einseitige Interessen
von verschiedenen Gruppen eingetragen werden, so schafft die demokratische
und partizipative Struktur des TAGWERK-Netzwerks Bedingungen, die einer
Durchsetzung vereinseitigter Interessen immer wieder Schranken setzen und
einen Ausgleich erzwingen. Sowohl Transparenz und Vertrauen, wie die
ganzheitliche Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen, basieren
wesentlich auf der demokratischen und partizipativen Struktur solcher
sozialer Netzwerke. Ihre Pflege und ihr Ausbau ist deshalb nicht nur ein
zusätzliches Ziel, sondern deren konstitutive Basis.
Im Hinblick auf die Übertragbarkeit der Ergebnisse lassen sich folgende
Feststellungen machen: Bei den relativ geringen Mengen, die trotz hoher
Regionalitätsanteile und bei vorausgesetzter Nutzung von
Umsatzsteigerungspotentialen, in den Naturkostläden vermarktet werden
können, müssen zur Verbreitung regionaler Produkte auch konventionelle
Absatzwege genutzt werden. Sofern es gelingt, den Umsatzanteil regional und
ökologisch erzeugter Produkte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel
(wie z.B. bei FENEBERG und TEGUT) zu erhöhen, könnten effiziente
Logistiksysteme genutzt werden, so dass man tatsächlich von "kürzeren
Wegen" bei der Regionalvermarktung sprechen kann, die dann auch die
Dimension Umwelt weniger belasten und bei den Erzeugern eine Breitenwirkung
auslösen.
Ergebnisse und Auswirkungen
zum
Projekt
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