Zwischenergebnis 2001

Seit der Gründung von der Erzeuger-Verbraucher-Initiative Tagwerk vor 16 Jahren hat sich einiges verändert. Damals als Genossenschaft gegründet, haben sich heute einige Läden privatisiert und das Shop-in-Shop-Modell wird diskutiert (Verkauf der Produkte im eigenen Regal in Bio-Supermärkten).. Der Verbund von Erzeugern und Verbrauchern ist aber stark geblieben und die Kooperation steht im Vordergrund. Innovative Ansätze wie die Biokiste ("Regional" oder "Speedy" incl. Rezeptvorschläge) oder auch der Verkauf von Produkten aus anderen Regionen, in denen nachhaltig angebaut wird, werden aufgenommen. Hat das Modell Zukunft? Die Begleitforschung des Forschungsverbundes hat bisher folgende Ergebnisse zusammengetragen:

Untersuchungsdimension "Wirtschaft" (TU München)

Es zeigen sich positive Effekte vor allem auf Erzeuger- und Verarbeitungsebene. Dabei ist die Breitenwirkung aber gering. Bedeutende Effekte mit Tiefenwirkung gelingen nur durch Nischenbesetzung bzw. durch indirekte Effekte. Diese entstehen im TAGWERK-Netzwerk durch "Initialzündungen" (Einstieg in Direktvermarktung, Aufbau eines "Ökosortimentes" beim Bäcker), die sich danach in der Regel bei den Landwirten und Lizenznehmern eigenständig bzw. von TAGWERK abgekoppelt entwickeln. Auf der Vermarktungs- und Handelsebene ist es bei den momentan vermarkteten Produktmengen schwierig, wirksame Strategien zu etablieren, die dauerhafte und positive ökonomische Effekte induzieren.

Untersuchungsdimension "Umwelt" (TU München)

Durch TAGWERK werden eindeutig positive Effekte durch Landschaftspflegemaßnahmen auf den Flächen der Landwirte hervor gerufen. In bezug auf Transportaufwand, Energieverbrauch und Emissionen, insbesondere auf der Verarbeitungsebene, sind regionale Wirtschaftskreisläufe in der Größenordnung von TAGWERK nicht a priori sparsamer und damit nachhaltiger als überregionale Kreisläufe, bei denen i.d.R. Skaleneffekte genutzt werden. Mit einer Umsatzsteigerung und Optimierung der Logistik auf der Großhandels- und Einzelhandelsebene könnten von TAGWERK bestehende Potentiale in der Dimension "Umwelt" genutzt werden. Auf nahezu allen Betrieben werden durch Zusammenarbeit mit dem TAGWERK-Förderverein Landschaftspflegemaßnahmen (Heckenpflanzungen, Anlage von Feuchtbiotopen) durchgeführt.

Weitere für die Gesamtbeurteilung wichtigen Daten lieferte die Befragung im Hinblick auf die Zufriedenheit der Betriebsleiter mit ihrer Tätigkeit und bezüglich der Zusammenarbeit mit TAGWERK sowie zu den anfallenden Transportwegen von den Betrieben zum jeweiligen Vermarktungsort.

Untersuchungsdimension "Soziales" (ISF)

Die Analysen des ISF (sozial- und organisationswissenschaftliche Perspektive) haben gezeigt, dass sowohl in der TAGWERK-Organisation als auch in den anderen untersuchten Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften eine hohe Transparenz zwischen den verschiedenen Akteuren in der Wertschöpfungskette auf der einen Seite und den Verbrauchern auf der andern Seite besteht. Sie wird erreicht einerseits durch partizipative Organisationsformen mit regionalem Hintergrund, andererseits durch Mitarbeiter, die sich häufig mit den Zielen der Organisation identifizieren und sie zu einem großen Teil auch mitgestalten. Probleme gibt es, wenn Strukturen, die in einer "alternativen Ökonomie" entstanden sind, sich den Zwängen einer "normalen Ökonomie" unterwerfen müssen.

Zwischenfazit

Bei der Überprüfung, Weiterentwicklung und Verallgemeinerung des TAGWERK-Konzeptes wurde deutlich, dass es wesentlich ist, die einzelnen Maßnahmen ganzheitlich zu sehen, d.h. die konkrete Einheit von ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien praktisch sichtbar zu machen und zu berücksichtigen.

Auch wenn in die TAGWERK-Organisation immer wieder einseitige Interessen von verschiedenen Gruppen eingetragen werden, so schafft die demokratische und partizipative Struktur des TAGWERK-Netzwerks Bedingungen, die einer Durchsetzung vereinseitigter Interessen immer wieder Schranken setzen und einen Ausgleich erzwingen. Sowohl Transparenz und Vertrauen, wie die ganzheitliche Berücksichtigung von Nachhaltigkeitszielen, basieren wesentlich auf der demokratischen und partizipativen Struktur solcher sozialer Netzwerke. Ihre Pflege und ihr Ausbau ist deshalb nicht nur ein zusätzliches Ziel, sondern deren konstitutive Basis.

Im Hinblick auf die Übertragbarkeit der Ergebnisse lassen sich folgende Feststellungen machen: Bei den relativ geringen Mengen, die trotz hoher Regionalitätsanteile und bei vorausgesetzter Nutzung von Umsatzsteigerungspotentialen, in den Naturkostläden vermarktet werden können, müssen zur Verbreitung regionaler Produkte auch konventionelle Absatzwege genutzt werden. Sofern es gelingt, den Umsatzanteil regional und ökologisch erzeugter Produkte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (wie z.B. bei FENEBERG und TEGUT) zu erhöhen, könnten effiziente Logistiksysteme genutzt werden, so dass man tatsächlich von "kürzeren Wegen" bei der Regionalvermarktung sprechen kann, die dann auch die Dimension Umwelt weniger belasten und bei den Erzeugern eine Breitenwirkung auslösen.

Ergebnisse und Auswirkungen

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