2. Erfassung und Bewertung ausgewählter Koppelprodukte

Als Koppelprodukte eines regionalen Nahrungsmittels werden diejenigen externen Effekte definiert, die bei der regionalen Bereitstellung des Nahrungsmittels im Vergleich zu seiner überregionalen Bereitstellung einen Nutzen für die Region erbringen. Für Koppelprodukte regionaler Nahrungsmittel können folgende Beispiele genannt werden: 
  • die Erhaltung der regionalen Kulturlandschaft und ihrer Arten durch den Erhalt der traditionellen landwirtschaftlichen Nutzung, 
  • die Stärkung der regionalen Wirtschaftsstruktur, d.h. der Landwirtschaft, des Nahrungsmittel-Handwerks und -Gewerbes sowie des Lebensmitteleinzelhandels, 
  • die Erhöhung des regionalen Wohlstandes durch die Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen und Einkommen in der Region, 
  • die Stärkung des regionalen Bewußtseins, 
  • die Vermeidung von Belastungen (Emissionen, Lärm, etc.) durch kürzere Transportwege. 

Die Koppelprodukte regionaler Nahrungsmittel decken mit ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Vorteilen die drei Aspekte der nachhaltigen Entwicklung ab. Und tragen damit zur nachhaltigen Entwicklung des (regionalen) Handlungsfeldes 'Ernährung' bei. Die genannten positiven Effekte stellen Beispiele für mögliche Koppelprodukte regionaler Nahrungsmittel dar. Welche dieser Effekte im Rahmen der Produktion und des Konsums eines bestimmten Nahrungsmittels anfallen, hängt von der jeweiligen Ausgestaltung der regionalen Produktlinie ab. 

Koppelprodukte entstehen als positive regionale Effekte der Bereitstellung und des Konsums regionaler Nahrungsmittel. Dabei lassen sie sich nicht direkt dem jeweiligen Nahrungsmittel zurechnen, sondern fallen als Nutzen für die Bewohner der Region an. Voraussetzung ihrer Wirksamkeit ist, dass sie in einem entsprechenden Ausmaß erbracht werden, d.h. die regionalen Vorteile, z.B. die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Erhaltung der Kulturlandschaft, werden nur wirksam, wenn entsprechend viele Akteure regionale Nahrungsmittel erzeugen und nachfragen. Koppelprodukte lassen sich daher auch als Gemeinschaftsgüter kennzeichnen, deren Schaffung (bzw. Schutz) das Engagement vieler regionaler Akteure erfordert, deren Nutzen aber allen Akteuren zugute kommt. Die Akteure müssen Bewußtsein darüber erlangen, dass ihr individuelles Handeln einen unmittelbaren Einfluß auf die regionale Entwicklung besitzt, wodurch sie zu verantwortungsbewußten Teilnehmern dieser Entwicklung werden. Das bedeutet, dass die Akteure für die langfristige Erschließung vorteilhafter Koppelprodukte Entscheidungen treffen müssen, die kurzfristig mit einem höheren persönlichem Aufwand verbunden sein können (etwa in Form höherer Produktpreise). Zur Erschließung der positiven Wirkungen der Koppelprodukte bedarf es daher eines koordinierten Gemeinschaftshandelns auf regionaler Ebene. Die Erfolgsfaktoren für die Gestaltung der hierzu notwendigen Kommunikations- und Lernprozesse zu identifizieren bzw. die Wirksamkeit der Koppelprodukte als Argument in den Kommunikations und Lernprozessen zu prüfen, sind die beiden Kernziele dieses Forschungsvorhabens.

Ergebnisse der quantitativen Erfassung ausgewählter Koppelprodukte

 
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Stand: 06.03.03