Ergebnisse der quantitativen Erfassung ausgewählter Koppelprodukte

Am konkreten Beispiel einiger regionaler Produkte in dem Mucher Supermarkt wurden einzelne Koppelprodukte überregionaler und regionaler Produktlinien vergleichend berechnet. Als Produktlinien wurden Kartoffeln, Rindfleisch und Eier ausgewählt. Die betrachteten Koppelprodukte waren: 
  1. Ökologisches Koppelprodukt: Reduzierung des Transports 
    Indikator: Transportaufwand zwischen Produktproduktion und Verkaufsstätte in km/kg Produkt 
  2. Ökonomisches Koppelprodukt: Erhöhung der Wertschöpfung 
    Indikator: Anteil der innerhalb der Region erbrachten Wertschöpfung am Produktendpreis 
  3. Soziales Koppelprodukt: Erhalt bzw. Schaffung von Arbeitsplätzen 
    Indikator: bezahlte Arbeitsstunden/-minuten pro Produkteinheit 
  4. Sozial-ökologisches Koppelprodukt: Erhalt der Kulturlandschaft/ Landbewirtschaftung in der Region 
    Indikator: Kultivierte Fläche je Produkteinheit

Die Ausprägung der Koppelprodukte hängt sehr stark von der Gestaltung bzw. den Annahmen zu der jeweils betrachteten Produktlinie ab. Aufgrund der jahreszeitlich (bei Kartoffeln) und marktabhängig stark variierenden überregionalen Bezugswege wurden plausible und dabei relativ naheliegende Bezugsquellen unterstellt. Tendenziell gibt es bei vielen Produktlinien (v.a. bei mehr oder weniger ubiquitär vorhanden Gütern) die Bestrebung, relativ regional zu distribuieren. Dennoch kann überregionales Rindfleisch - wie angenommen - vom Niederrhein oder aus dem Münsterland stammen, aber ebenso wahrscheinlich auch aus Bayern, Frankreich oder Argentinien. Kartoffeln werden zwar wegen der in Relation zum Produktpreis hohen Transportkosten vorwiegend regional gehandelt, können aber als Frühkartoffeln auch aus Ägypten transportiert worden sein. 

Die Transportwege sind nicht nur hinsichtlich der Entfernung unterschiedlich zu bewerten. Der Anteil an Leerfahrten oder der Beiprodukte, die bei dem Transport vom Zentrallager zum Supermarkt in vielen Fällen mitausgeliefert werden, wurde bei der Berechnung des Transportaufwandes aus Gründen der Vereinfachung und praktischen Anwendbarkeit des Konzeptes vernachlässigt. Auch der Einkaufsverkehr ist nicht miteinberechnet, da davon ausgegangen wird, dass dieser für das regionale und das überregionale Produkt gleichermaßen anfällt, da beide Produktlinien in demselben Supermarkt angeboten werden können. 

Für die Berechnung der Koppelprodukte wurden bei den regionalen und überregionalen Produktlinien folgende Daten erfaßt: 

  • Transportierte Produktmenge einer einmaligen Lieferung (meist dem Wochenumsatz entsprechend), Transportmedium und Transportentfernung; 
  • Produktionsverfahren (Anbau, Haltungssystem, mögliche Verarbeitungsschritte) und hierfür notwendige Arbeitskraftstunden (soweit erfasst); · Erzeuger- und Verkaufspreise; 
  • im Zusammenhang mit der Produktlinie bearbeitete Landwirtschaftsfläche. 

Für die Berechnung der Koppelprodukte wurden plausible überregionale Produktlinien auf der Basis statistischer Daten (Hauptproduktionsregionen, Selbstversorgungsgrad, durchschnittliche Betriebsgröße) und verschiedener Expertengespräche entwickelt. 

Die Ergebnisse zeigen, dass die regionalen Produktlinien - in Bezug auf alle betrachteten Koppelprodukte und somit für eine nachhaltige regionale Entwicklung - durchweg positive Beiträge leisten. 

Der Transportaufwand pro Produkteinheit ist bei den regionalen Produkten geringer als bei den überregionalen Produkten, auch ist die durchschnittlich aufgewendete Arbeitszeit für die Produktion und Verarbeitung der drei regionalen Produktlinien größer. 

Beim Koppelprodukt Kulturlandschaftspflege läßt sich ebenfalls ein positiver Effekt bei den regionalen Produkten feststellen, da in allen Fällen die Fläche der pro Produkteinheit gepflegten Kulturlandschaft größer ist, als bei den vergleichbaren überregionalen Produkten. Dieser Effekt läßt sich unter anderem durch den hofeigenen Futteranbau (Eier) bzw. die Wirtschaftsweise in der Viehhaltung (Rinderhaltung mit Weidegang) erklären. 

Da die Wertschöpfung in der Region bei den untersuchten Produktlinien jeweils 100% beträgt hebt auch dieses Koppelprodukt den positiven Beitrag der Regionalvermarktung zu einer nachhaltigen regionalen Entwicklung hervor.

 
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Stand: 06.03.03