3. Wirkung der Koppelprodukte im Kommunikations- und Lernprozeß

 Hinsichtlich der Wirkung bzw. Wirksamkeit der Koppelprodukte für die Regionalvermarktung wurden im Verlauf der Konzeptionsphase aus Interviews, Literaturanalysen und mehreren Gesprächskreisen folgende Schlüsse gezogen, die die Konzeption der derzeit laufenden Erprobungsphase beeinflußt haben: 
  • Für die Vermarktung der Koppelprodukte ist entscheidend, die Fülle der Informationen auf das Wesentlichste glaubwürdig zu verdichten ("Schlüsselinformationen"). Es empfielt sich, das Besondere und die eigentlichen Stärken des jeweiligen Produkts herauszustellen. Eine lange Liste von Zusatznutzen gefährdet das Verständnis der Schlüsselbotschaft. 
  • Der entgegengebrachte Vertrauensvorschuß von regionalen Produkten ist zu bedienen und die Glaubwürdigkeit zu verstärken und kommunikativ zu nutzen. Das beste Mittel hierfür sind die Informationen zur Produktgeschichte so transparent und erfahrbar als möglich zu gestalten. 
  • Die Möglichkeiten von Wirtschaftsakteuren die besondere Produktqualität von Regionalprodukten glaubwürdig zu kommunizieren sind begrenzt. Eine wichtige Unterstützung erhält die Regionalvermarktung von Nahrungsmitteln, wenn sich am Allgemeinwohl orientierte Institutionen (Gemeinde, Kreis, Kirche, Naturschutzverbände, Agenda 21-Initiativen) und Medienvertreter für sie engagieren. Hauptmotivation für dieses Engagement könnten die Koppelprodukte sein. Dieser öffentliche Kommunikationsprozeß über die Vorteile regionaler Produkte fördert nicht nur das Vertrauen und die Aufmerksamkeit für regionale Produkte, sondern kann vor allem auch dazu genutzt werden, eine kollektive Aktion der KonsumentInnen zu initiieren und zu koordinieren. 
  • Vorrangiges Motiv einer Entscheidung der KonsumentInnen für regionale Produkte ist der individuelle Zusatznutzen. Dabei steht vor allem die Produktqualität (wie z.B. Frische, Geschmack, keine Zusatzstoffe, Spezialitäten) im Vordergrund. Weitere relevante, aber bisher wenig genutzte individuelle Zusatznutzen regionaler Produkte betreffen die regionale Identität (Heimat), das Besondere und Authentische, besondere Erlebnisse, der Genuß und das Vertrauen. Die Herkunft alleine ist als Bestimmungsgrund für den Einkauf von Lebensmitteln von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend ist, dass die regionalen Produkte beim Konsumenten "innere" Bilder hervorrufen. 
  • Regionale Zusatznutzen (d.h. Koppelprodukte wie z.B. die Kulturlandschaft, Umweltschutz, Unterstützung der regionalen Landwirtschaft und Wirtschaft) spielen für die Kaufentscheidung der KonsumentInnen unmittelbar eine geringe Rolle. Diese Zusatznutzen stärken allerdings das Engagement öffentlicher Entscheidungsträger und am Gemeinwohl orientierter Institutionen (Kirchen, Lokale Agenda, Naturschutzverbände, etc.) für die regionale Vermarktung und beeinflussen auf diesem Weg das KonsumentInnenverhalten: zum einen schenken sie den regionalen Produkten aufgrund des öffentlichen Interesses eine höhere Aufmerksamkeit; zum anderen sind die KonsumentInnen bestrebt, individuellen und gesellschaftlichen Zusatznutzen zu verknüpfen. 
  • Die Rangfolge der handlungsrelevanten Zusatznutzen für den Konsumenten ist genauso produktabhängig wie die Bedeutung der regionalen Herkunft als Entscheidungskriterium. 
  • Für die Kommunikation der Zusatznutzen ist es wichtig, zwischen einer regionalen und einer unternehmensspezifischen Kommunikation zu unterscheiden. Für die Unternehmenskommunikation sind · die Zeichensysteme und Signale der KonsumentInnen bzgl. regionaler Produkte und die Ursachen für das Entscheidungsverhalten am Verkaufsort zu kennen;
    • die vielen individuellen Zusatznutzen der Produkte auf die eigentlichen Stärken des jeweiligen Produkts zu verdichten; 
    • die regionale Orientierung als etwas Wünschenswertes (Genuss, Geschmack, Autentizität, etc.) emotionell und ganzheitlich (z.B. über Bilder und Erlebnisse) zu vermitteln. 
    • die einzelnen regionalen Produkte in eine Gesamtstrategie einzubauen und diese als Ganzes zu präsentieren. Dabei ist das besondere Vertrauenskapital das kleinen lokalen Händlern entgegengebracht wird zu nutzen. 

Für die regionale Kommunikation und Kooperation sind 

  • möglichst viele Gruppen mit Interessen an den positiven regionalen Zusatznutzen für ein Engagement zu motivieren; 
  • die Koppelprodukte an möglichst vielen Produkten in möglichst vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu thematisieren; 
  • die Verantwortung und das Engagement für die Region, die Umwelt und Tiere etc. als zusätzliche Vertrauens- und Kommunikationschance der Unternehmen zu nutzen; 
  • die Verkaufsorte von regionalen Produkten quartiersbezogen bekannt zu machen und den Aktivitätsmustern der KonsumentInnen anzupassen; 
  • komplementäre Kooperationsstrategien (z.B. Bio-/Konventionelle Produkte; Bauernmarkt/Discounter) verstärkt zu nutzen.
 
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Stand: 06.03.03