Erste Ergebnisse der Erprobungsphase...in Much

Praktische Ergebnisse

In dem ersten Jahr der Erprobungsphase hat sich eine Arbeitsgruppe zum Thema der Regionalvermarktung gebildet, die sich regelmäßig trifft. Sie ist ein Teil des Lokalen Agenda-Prozesses. Beteiligt sind die Gemeinde, der Leiter des Lebensmittelmarktes und sechs direkt-vermarktende Landwirte mit ihren unterschiedlichen Produkten (Kartoffeln, Käse und Milchprodukte, Fleisch und Wurstwaren, Eier, Brot, Honig, Fisch, Apfelsaft). In der Arbeitsgruppe werden die einzelnen Aktionen gemeinsam entwickelt, durchgeführt und evaluiert. Sie hat bisher

  • einen Einkaufsführer erstellt,
  • in einem Faltblatt die Gruppe und ihre Produkte vorgestellt; das Faltblatt wurde vom Bürgermeister im Mitteilungsblatt der Gemeinde, das an alle Haushalte verteilt wird, angekündigt und dem Blatt beigelegt;
  • eine Relieflandschaft von Much mit den Orten der landwirtschaftlichen Produzenten gebaut (das "Mucher Modell"). Dieses Modell wurde zusammen mit den Produkten bei Ständen auf dem Agenda-Tag, dem Erntefest und vor dem Lebensmittelmarkt Höller (zweitägig) den Mucher Bürgern vorgestellt; zusätzlich wurden vor dem Lebensmittelmarkt Verkostungen durchgeführt;
  • mehrere Einkaufskörbe mit den regionalen Produkten als Preise für das Agenda-Quiz der Gemeinde zu Verfügung gestellt.

Darüber hinaus hat der Arbeitskreis in Kooperation mit Studenten des Fachbereichs Design der FH Köln zwei Projektwochen zum Thema "Markenbildung, Kommunikation und Verkaufsortgestaltung für regionale Produkte" durchgeführt und einen Platz in Much für die Präsentation der Regionalprodukte im Rahmen des Weihnachtsmarktes gestaltet.

Die Presse war dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen: es erschienen bisher 12 Artikel in überörtlichen Zeitungen. Als weiterer Kommunikationsweg wird das Mitteilungsblatt der Gemeinde genutzt.

Wirkungen in dem Arbeitskreis und im lokalen Netzwerk

Der neue Arbeitskreis zur Regionalvermarktung hat sowohl nach innen (d.h. Beziehungen zwischen den Mitgliedern) als auch nach außen (d.h. Beziehungen innerhalb des lokalen Netzwerkes) eine Reihe von Veränderungen und Wirkungen hervorgerufen.

Innerhalb des Arbeitskreises hat sich die Zusammenarbeit sukzessive verbessert. Die gemeinsam verbrachte Zeit an den Ständen und in den Arbeitskreissitzungen förderten gemeinsame Aktivitäten (z.B. Herstellung gemeinsamer Geschenkkörbe, gemeinsames Backen von Plätzchen, wechselseitiger Verkauf von Produkten, gemeinsamer Auftritt auf Festen im öffentlichen Raum; Erstellung des "Mucher Modells") und ein gegenseitiges Vertrauen. Die gegenseitige Konkurrenz um Verbraucher ging sukzessive zurück. Die unterschiedlichen Interessen und Zielsetzungen der einzelnen Direktvermarkter traten erst im Verlauf der Zusammenarbeit stärker zum Vorschein. Eine große Innovation war die Mitarbeit der Behindertenwerkstätte "Lebensgemeinschaft Eichhof", die Brot backt und das Koppelprodukt "Soziale Unterstützung" unmittelbar zum Ausdruck bringt.

Innerhalb des lokalen Netzwerkes führte die Bildung des Arbeitskreises oft zu skeptischen Reaktionen. Vor allem die Konkurrenten auf Seiten der Landwirte, des Nahrungsmittelhandwerks und der Händler, aber auch eine Reihe von regionalen Gruppen und Vereinen verhalten sich sehr zurückhaltend gegenüber der Arbeitsgruppe; sie vermuten in der Initiative eine Imagekampagne für den expandierenden Lebensmittelhändler. Besonders die Metzger, seit Jahrzehnten starke Konkurrenten zum Lebensmittelmarkt, sehen sich durch die Arbeitsgruppe herausgefordert. Sie empfinden sich als Hüter einer regionalen Vermarktung und leiden an dem sukzessiven Rückgang der Nachfrage nach ihren, z.T. regionalen Produkten. Die starke öffentliche Präsenz der Arbeitsgruppe ruft entsprechend heftige Gegenreaktionen bei ihnen hervor. Kritisiert wurde vor allem das Engagement des Bürgermeisters in der Arbeitsgruppe als einseitige Parteinahme zugunsten des Lebensmittelhändlers.

Wirkungen bei den Verbrauchern

Innerhalb der Verbraucherschaft wurde die Initiative des Arbeitskreises fast durchweg positiv und neugierig aufgenommen. Aus einer qualitativen Befragung von Verbrauchern vor dem Lebensmittelmarkt während der Präsentation und Verköstigung mit regionalen Produkten ging hervor, dass

  • die einzelnen Verbraucher ganz unterschiedliche Zusatznutzen schätzen; es dominieren allerdings die individuellen Vorteile wie Geschmack, Frische und Qualität.
  • bei denjenigen Verbrauchern, die die Qualität der regionalen Produkte kennen und schätzen, der höhere Preis eine untergeordnete Rolle spielt;
  • die vorrangigen Hemmnisse die Bequemlichkeit, die geringe Bekanntheit ("fehlende Auszeichnung") und die geringe Angebotsdichte darstellen;
  • diejenigen regionalen Produkte vorrangig bekannt sind, die am auffallendsten vermarktet werden und die im Alltag am häufigsten gebraucht werden;
  • das "Mucher Modell" den regionalen Bezug und das Vertrauen der Verbraucher fördert und Anknüpfungspunkte für die eigenen Erfahrungen bietet. 
  • die regionalen Produkte für die Verbraucher und Anbieter aus der eigenen Region weniger attraktiv sind als für die Verbraucher der umliegenden Gemeinden und Städte.

Für die Vermittlung der Vorteile zeigte sich, dass weniger ein vorrangiger Vorteil eines spezifischen Produkts als die Thematisierung der verschiedenen Vorteile an möglichst vielen Produkten in möglichst vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen bedeutsam ist. Die bisherigen Kommunikations- und Vermarktungsaktivitäten haben allerdings bisher nur zu sehr vereinzelten und kaum messbaren Veränderungen des Handelns der Verbraucher geführt.

 
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Stand: 06.03.03