Ergebnisse der Konzeptionsphase

Die theoretischen und empirischen Vorarbeiten der Konzeptionsphase lieferten erste Erkenntnisse zur Spezifizierung der Fragestellungen und der Planungen für die Erprobungsphase.

Die Untersuchung bestehender RVI (Regionalvermarktungsinitiativen) zeigte, dass Informationen zu den Koppelprodukten akteursspezifisch wahrgenommen werden. Wirtschaftsakteure und Verbraucher motivieren vor allem die individuellen Vorteile (z.B. die Erschließung neuer Absatzwege), sich an Kooperationen zur regionalen Vermarktung zu beteiligen bzw. regionale Nahrungsmittel zu kaufen. Daneben engagieren sich aber auch Handlungsträger des regionalen Umfeldes (z.B. Vertreter von Umweltverbänden, Regionalvereinen, Kirchen, Medien etc.) in RVI, deren besondere Motivation in der Schaffung der Koppelprodukte als Vorteile für die Region (z.B. Erhaltung der Kulturlandschaft) begründet liegt. Darüber hinaus zeigte sich, dass RVI vor allem im Rahmen der Werbung die erbrachten Koppelprodukte hervorheben, diese aber weder systematisch erfassen noch quantifizieren können.

Die Untersuchungen zu den Koppelprodukten erstreckten sich zunächst auf eine Analyse der Koppelprodukte hinsichtlich ihrer Qualität in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit und der Bedingungen ihrer Bereitstellung. Anschließend wurden einige Koppelprodukte (Reduzierung des Transports, Erhöhung der Wertschöpfung, Schaffung von Arbeitsplätzen und Erhalt der bewirtschafteten Kulturlandschaft) bei Kartoffeln, Rindfleisch und Eiern in einem Supermarkt in Much beispielhaft berechnet. Die Ergebnisse zeigten durchweg positive Beiträge der regionalen Produktlinie in allen untersuchten Dimensionen. Allerdings zeigt die Analyse des Rindfleischtransports, dass im Einzelfall durchaus auch ökologische Nachteile bei einer regionalen Bereitstellung auftreten können (v.a. bei kleinen Transportmengen und hohen Anteilen an Leerfahrten, etc.)

Die Literaturauswertung zum Verbraucherverhalten ergab, dass das vorrangiges Motiv einer Entscheidung der KonsumentInnen für regionale Produkte der individuelle Zusatznutzen ist. Dabei steht vor allem die Produktqualität im Vordergrund. Bisher wenig genutzte individuelle Zusatznutzen regionaler Produkte betreffen die regionale Identität (Heimat), das Besondere und Authentische, besondere Erlebnisse, der Genuss und das Vertrauen. Die Herkunft alleine ist als Bestimmungsgrund für den Einkauf von Lebensmitteln von untergeordneter Bedeutung. Regionale Zusatznutzen (d.h. Koppelprodukte) spielen für die Kaufentscheidung der KonsumentInnen unmittelbar eine geringe Rolle. Sie stärken allerdings das Engagement der Umfeldakteure und beeinflussen auf indirektem Weg die KonsumentInnen. Beispielsweise verbessert das öffentliche Interesse des Themas die Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. über die Presse) und die Chancen für eine Wahrnehmung der Vorteile von Regionalprodukten. Die Rangfolge der handlungsrelevanten Zusatznutzen für den KonsumentInnen ist produktabhängig, ebenso wie die Bedeutung der regionalen Herkunft als Entscheidungskriterium. Darüber hinaus scheint die Vielfalt der angebotenen Produkte für die KonsumentInnen wichtiger als die Regionalität.

Die Untersuchung des Ernährungsbereichs im Hunsrück zeigte Potentiale zum Aufbau regionaler Produktlinien im Getreide- und Streuobstbereich auf. Zum Aufbau einer regionalen Produktion und Vermarktung von Backwaren existierten bereits erste Ansätze von Seiten landwirtschaftlicher Erzeuger. Im Streuobstbereich hatte sich zu Projektbeginn eine Initiative zur Produktion und Vermarktung von Streuobstsaft gegründet.

Die Ergebnisse der Analysearbeit sowie die Planung für die Erprobungsphase wurden im Rahmen eines Workshops mit Vertretern des Ernährungsbereichs diskutiert. Die Teilnehmer unterstützten die Initiierung der Lern- und Kommunikationsprozesse zum Aufbau der regionalen Produktlinien "Brot" und "Streuobst".

Die Untersuchung des Ernährungsbereichs im Rhein-Sieg-Kreis ergab besonders hohe Potentiale im Mucher Raum und dort vor allem im Supermarkt Höller. Hier besteht bereits ein breites Angebot verschiedener regionaler Produkte. Die Produkte stammen zum größten Teil von Erzeugern aus Much und dem Mucher Umland, was den Verbrauchern höchstmögliche Transparenz und Identifikation ermöglicht. Der aktuell geplante Neubau eines wesentlich erweiterten Supermarktes bietet verschiedene Handlungsansätze, so u.a.:

  • die weitere Ausweitung der Produktpalette;
  • die Präsentation regionaler neben überregionalen sowie ökologischer neben konventionellen Produkten;
  • die experimentelle Weiter-/Entwicklung verschiedener Methoden der Vermittlung der Koppelprodukte am Produkt bzw. in dessen Umfeld.

Aus der Situation im Rhein-Sieg-Kreis und den Bedingungen vor Ort ergab sich als spezifische Zielsetzung der Erprobungsphase in Much, die Vorteile der Regionalvermarktung vor allem an die Verbraucher zu vermitteln. Dies soll sowohl über die öffentliche Kommunikation als auch über eine unternehmensspezifischen Kommunikation im Rahmen des Marketings erfolgen.

Für die Konzeptionierung der Kommunikations- und Lernprozesse in der Erprobungsphase ergaben sich verschiedene Schlussfolgerungen:

In beiden Regionen erschien es von besonderer Bedeutung, dass sich neben den Wirtschaftsakteuren auch die Akteure des regionalen Umfeldes in der Kommunikations- und Lernprozessen für die Regionalvermarktung engagieren.

  • Die regionale Handlungsfeldanalysen zeigten, dass als Ansatzpunkt für die wissenschaftliche Unterstützung der Regionalvermarktung durch das Forschungsvorhaben das soziale Potential, d.h. die Interessen und das Engagement der Akteure vor Ort, ausschlaggebend ist.
    Darüber hinaus ergaben sich eine Reihe von Unterschieden in den beiden Regionen:
  • Die individuellen und regionalen Vorteile der Regionalvermarktung werden von den Akteuren im Hunsrück in geringerem Ausmaß wahrgenommen als in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Dies zeigt sich an der höheren Dichte der Regionalvermarktungsinitiativen sowie an den stärkeren Interessen des Einzelhandels an einer Regionalvermarktung in der Region Bonn/Rhein-Sieg.
  • Grundsätzlich konnte festgestellt werden, dass die Regionalvermarktung als alternative Strategie von den Akteuren im Hunsrück bisher wenig wahrgenommen wird. Es fehlen sowohl Informationen, Kapital- und Zeitkapazitäten als auch die notwendige Risikobereitschaft.
  • Im Hunsrück wurde von den Akteuren die regionale Organisation von Produktlinien als erfolgversprechend angesehen, während im Rhein-Sieg-Kreis Fragen zur Vermittlung der besonderen Vorteile regionaler Produkte an die Verbraucher sowie zur Erhöhung der Angebotsvielfalt die Diskussion dominierten.

Aufgrund der empirischen Ergebnisse in der Konzeptionsphase wurden in der Erprobungsphase

  • im Hunsrück Kommunikations- und Lernprozesse mit den Akteuren der Produktlinien "Brot" und "Streuobstsaft" initiiert und durchgeführt.
  • in der Region Rhein-Sieg mit einer Initiative in Much, bestehend aus einem Einzelhändler, seiner landwirtschaftlichen Zulieferer und der Gemeinde, zusammengearbeitet, was die Untersuchung einer Vielzahl von Produktlinien möglich macht.
Nach Abschluß der ersten Projektphase (Konzeptionsphase) wurde im Frühjahr 2000 ein erster Zwischenbericht vorgelegt mit 

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Stand: 06.03.03