Entwicklung eines Lernmodells zur regionalen Vermarktung von Nahrungsmitteln

Problemlage

Mit der überregionalen Herstellung und Verteilung von Nahrungsmitteln sind zahlreiche negative Effekte für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft verbunden, wie Schadstoffbelastungen durch lange Transportwege, Verluste von Arbeitsplätzen in der heimischen Land- und Ernährungswirtschaft oder die Zerstörung gewachsener Kulturlandschaften. Durch die Stärkung einer regionalen Bereitstellung und Vermarktung von Nahrungsmitteln können diese teilweise vermindert werden. Es sind u.a. folgende soziale, ökologische und ökonomische Vorteile für die Region bzw. die regionale Bevölkerung zu erwarten:

  • Schaffung und Erhalt regionaler Arbeitsplätze und Einkommen in Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen; 
  • Einsparpotentiale im Primärenergieverbrauch und bei den Stoffströmen;
  • Verringerung von Emissionen und Umweltbelastungen, insbesondere durch kürzere Transportwege für Nahrungsmittel;
  • größere Frische und bessere Qualität der Nahrungsmittel;
  • Belebung der regionalen Kultur und Erhalt von Traditionen sowie
  • Erhöhung regionaler Entscheidungsspielräume.

Koppelprodukte regionaler Produktlinien

Die positiven Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bzw. die nicht über den Preis abgegoltenen Effekte, die mit der Bereitstellung eines Produkts gekoppelt sind, werden als "Koppelprodukte" bezeichnet. So wird mit dem Verkauf von Apfelmost aus heimischen Streuobstbeständen beispielsweise das Koppelprodukt "Erhalt der einheimischen Streuobstbestände" mitgeliefert.

Eine These des Forschungsvorhabens ist, daß die Koppelprodukte regionaler Produktlinien gegenwärtig vom Verbraucher kaum wahrgenommen werden. Das Wissen um die Koppelprodukte ist ein wichtiger Schritt, damit Anbieter und Nachfrager ihr Handeln regional orientieren können. Der Nutzen für die Region muß demnach sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Dazu möchte das Forschungsvorhaben einen Beitrag leisten. 

 

Arbeitsprogramm

Beispielhaft sollen in den Regionen Hunsrück und Bonn-Rhein-Sieg die Koppelprodukte der Produktion ausgewählter Nahrungsmittel bestimmt und qualitativ bewertet werden. Auf der Basis einer Befragung zum Wissens-stand von Produzenten und Konsumenten in den Modellregionen soll ein Lernkonzept entwickelt werden, mit dem gezielt Informationen über die positiven Effekte einer regionalen Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Nahrungsmitteln aufbereitet und den regionalen Akteuren vermittelt werden können. Im Prozeß mit den Akteuren einer Produktlinie soll der Einfluß des Wissens um Koppelprodukte auf Bereitschaften und Barrieren zur regionalen Vermarktung untersucht werden.

Leitfragen des Forschungsvorhabens  

  • Welche Koppelprodukte sind besonders bedeutsam zum einen vor dem Hintergrund nachhaltiger Regionalentwicklung, zum anderen in den Augen von Anbietern und Verbrauchern?
  • Welche Inhalte sollten im Lernprozeß vermittelt werden?
  • Welche Handlungsmöglichkeiten sehen Landwirte, Lebensmittelverarbeiter und Händler hinsichtlich der regionalen Vermarktung; mit welchen Hemmnissen sind sie konfrontiert? 
  • Welche Methoden sind geeignet, um die Koppelprodukte sichtbar zu machen, so daß sie handlungsrelevant für Anbieter und Verbraucher werden?
 
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Stand: 06.03.03