Grundannahmen und Ziele

Grundannahmen

Hintergrund des Forschungsvorhabens ist die Annahme, dass im Rahmen einer Schließung von Stoff- und Wertschöpfungskreisläufen auf der Ebene von Regionen Potentiale für nachhaltiges Wirtschaften erschlossen werden können. Besonders im Ernährungsbereich bieten sich gute Voraussetzungen für eine solche Regionalisierung, da in vielen Regionen Voraussetzungen für die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln gegeben sind, die Verbraucher zunehmend für Umwelt- und Gesundheitsaspekte von Nahrungsmitteln sensibilisiert sind sowie Ernährungsweisen vielfach an regionale Traditionen und Eigenheiten geknüpft sind.

Dem Forschungsansatz liegt die Überlegung zugrunde, dass mit der regionalen Herstellung und Vermarktung von Nahrungsmitteln vielfach positive Effekte für Regionen realisiert und negative Effekte der gegenwärtig zu meist überregionalen Bereitstellung eingedämmt werden können. Diese positiven Effekte für die Region werden als Koppelprodukte der regionalen Produktion und Vermarktung (z.B. die Reduktion von der Transportemissionen, die Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort) bezeichnet. Aufgrund des mit ihnen verbundenen Nutzens für die Region wird angenommen, dass die Koppelprodukte als Motivationen bei den Verbrauchern und Wirtschaftsakteuren für den Kauf bzw. die Bereitstellung regionaler Nahrungsmittel wahrgenommen werden können. Voraussetzung dafür ist die Bestimmung und Vermittlung des Nutzens der Koppelprodukte an die regionalen Akteure. Darüber hinaus kann anhand dieser Bestimmung jeweils im Einzelfall für regionale Produktlinien - im Vergleich zu ihrer überregionalen Organisation - deren Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften ermittelt werden.

Die Bereitstellung und Vermarktung von Nahrungsmitteln innerhalb einer Region basiert auf der Kooperation der regionalen Akteure auf den einzelnen Stufen von Produktlinien: landwirtschaftliche Erzeugung, Weiterverarbeitung und Handel bzw. Verbrauch. Es wird davon ausgegangen, dass der Aufbau solcher Kooperationen an Kommunikations- und Lernprozesse der relevanten Akteure geknüpft ist, innerhalb derer ein Austausch über individuelle Motivationen und Interessen, Handlungsbereitschaften und -bedingungen stattfindet und gemeinsam Handlungsspielräume der beteiligten Akteure, sich an einer solchen regionalen Kooperation zu beteiligen, erschlossen werden können. Um die Nutzen der Koppelprodukte als Motivationen handlungsrelevant werden zu lassen, ist es notwendig, sie in diese Kommunikations- und Lernprozesse einfließen zu lassen.

Zielsetzung

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Erkenntnisse zur Stärkung der Regionalvermarktung von Nahrungsmitteln als Strategie nachhaltigen Wirtschaftens im Ernährungsbereich zu gewinnen. Im Mittelpunkt stehen dabei

  • die Initiierung und Durchführung von Kommunikations- und Lernprozessen mit dem Ziel der Kooperation regionaler Akteure.
  • die Bedeutsamkeit des Wissens um den Nutzen von Koppelprodukten hinsichtlich dessen Motivationswirkung auf die regionalen Akteuren sowie zur gezielten Vermittlung von Koppelproduktinformationen in den Kommunikations- und Lernprozessen der Akteure sowie im Marketing für regionale Nahrungsmittel sowie
  • die Analyse des regionalen Ernährungsbereichs hinsichtlich der Potentiale für die regionale Organisation von Produktlinien.
    Zur Gewinnung dieser Erkenntnisse sollen im Forschungsvorhaben
  • die Kommunikations- und Lernprozesse entlang von Produktlinien konzipiert, durchgeführt und reflektiert werden,
  • in diese Informationen zu den Koppelprodukten der Bereitstellung des jeweiligen Nahrungsmittels eingespeist und deren Motivationswirkung ermittelt werden,
  • die Handlungsanreize und -barrieren (situative, soziale und strukturelle Bedingungen) der relevanten Akteure zur regionalen Kooperation identifiziert und
  • die Möglichkeiten der kooperativen Veränderung der Handlungsspielräume einzelner Akteure überprüft sowie
  • mögliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Wahrnehmung der Koppelprodukte sowie in den Handlungsbereitschaften bezüglich der regionalen Kooperation im städtischen und ländlichen Umfeld identifiziert werden.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in einem Modell für Kommunikations- und Lernprozesse mit dem Ziel der Regionalvermarktung aufbereitet werden.

Die empirischen Untersuchungen zur Differenzierung und Prüfung der Annahmen des Forschungsvorhabens werden in zwei Regionen, einem ländlich geprägten Raum, dem Hunsrück, und einer eher städtisch geprägten Region, dem Rhein-Sieg-Kreis, durchgeführt.

Das Forschungsvorhaben ist in drei Abschnitte gegliedert:

In der Konzeptionsphase wurden zunächst bestehende Regionalvermarktungsinitiativen (RVI) hinsichtlich der Bedeutung von Koppelprodukten und der abgelaufenen Kommunikations- und Lernprozesse für deren Mitglieder untersucht. Weiterhin wurden der Wissensstand zum Verbraucherverhalten bezüglich regionaler Nahrungsmittel vertieft sowie ein Konzept zur Bestimmung von Koppelprodukten der regionalen Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln erarbeitet. Für beide Regionen wurde eine Analyse des regionalen Ernährungsbereichs hinsichtlich Produktlinien mit Regionalisierungspotentialen vorgenommen sowie die Interessen und Handlungsspielräume der regionalen Akteure hinsichtlich der Regionalvermarktung ermittelt. Darüber hinaus wurden Möglichkeiten und Anforderungen der Initiierung und Durchführung der geplanten Lern- und Kommunikationsprozesse sowie deren Evaluierung erarbeitet.

Die empirischen und konzeptionellen Ergebnisse wurden in den zwei Regionen in je einem Workshop mit potentiellen Praxispartnern und regionalen Experten hinsichtlich der Wirksamkeit für die geplanten Prozesse diskutiert und kritisch reflektiert. Beide Workshops bildeten die Grundlage einer weiteren Spezifizierung der geplanten Prozesse in der Erprobungsphase.

In der Erprobungsphase werden in beiden Regionen in enger Abstimmung mit den Praxispartnern vor Ort die konzipierten Kommunikations- und Lernprozesse mit dem Ziel des Aufbaus der regionalen Vermarktung von Nahrungsmitteln angestoßen und begleitet.

Die Verallgemeinerungsphase dient der Auswertung der empirischen Ergebnisse und deren Reflektion vor dem Hintergrund der erarbeiteten theoretischen und empirischen Grundlagen. Darüber hinaus sollen in einem Workshop mit überregionalen Experten die Ergebnisse des Vorhabens hinsichtlich ihrer Verallgemeinerbarkeit diskutiert werden.
Gegenwärtig befindet sich das Projekt in der Erprobungsphase.

 
Suche Inhalt News Regionen-
karte
Modell-
projekte
Synthese-
projekt
Nachhaltiges
Wirtschaften
Home

    copyright by ISOE
Webmaster: krautter@isoe.de
Stand: 06.03.03